Microsoft Surface Duo 2 im Test Irgendwas ist immer im Weg

Acht Monate nach dem Surface Duo schiebt Microsoft eine neue Version seiner Klapp-Smartphones nach. Das Update beseitigt einige Mängel des ersten Modells – und bringt neue Probleme mit.
Es gibt Anwendungen, die von Microsofts Doppelbildschirm profitieren, wenigstens ein paar

Es gibt Anwendungen, die von Microsofts Doppelbildschirm profitieren, wenigstens ein paar

Foto: Volker Weber

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Das grundlegende Design des Surface Duo ist auch in der zweiten Version unverändert: Zwei Gehäusehälften mit jeweils einem Display, die sich einzeln von zwei Apps, aber auch gemeinsam von einer App nutzen lassen.

Microsoft hat einige Apps an diese Arbeitsweise angepasst. So sieht man bei Outlook auf dem linken Bildschirm die Nachrichtenliste, auf der rechten Seite die aktuell ausgewählte Nachricht. Die Kamera-App zeigt auf einem Bildschirm das Sucherbild und auf dem anderen das zuletzt geknipste Foto. Sehr elegant ist Amazons Kindle-App mit ihren zwei Buchseiten, die sich vielmehr wie ein Buch geben als ein Kindle. Völlig daneben dagegen Adobes Acrobat Reader, der die Anzeige so falsch teilt, dass der Falz immer im Weg ist. Bei anderen Software-Anbietern ist das Thema nicht angekommen.

Ganz schön oft im Weg: Der Bildschirmfalz

Ganz schön oft im Weg: Der Bildschirmfalz

Foto: Volker Weber

Immerhin behebt das Surface Duo 2 eklatante Schwächen des Vorgängers. Die wichtigsten Eckdaten: Neben LTE hat es nun auch 5G-Mobilfunk, NFC für das mobile Bezahlen, drei zusätzliche Kameras mit Superweitwinkel, Weitwinkel und Tele sowie neue Displays mit 90 Hertz Bildwiederholfrequenz. Der aktuelle Highend-Handychip Snapdragon 888 mit 8 Gigabyte (GB) Hauptspeicher ist dem teuren Gerät angemessen.

Zudem hat Microsoft den Akku deutlich vergrößert, baut nun Wi-Fi 6 statt Wi-Fi 5, Bluetooth 5.1 statt 5.0 sowie USB 3.2 Gen 2 statt USB 3.1 in das Gerät ein. Eine drahtlose Lademöglichkeit fehlt weiterhin. Dem Paket liegt ein Ladekabel (beidseitig USB-C) und ein Kabel-Headset bei, jedoch kein Ladegerät.

Ein Hightech-Keil mit Blickleiste

Die beiden OLED-Bildschirme sind etwas größer als zuvor und schmiegen sich mit einer leichten Rundung in den Falz zwischen den beiden Gehäusehälften. Sie sind nun von einer schmalen Kunststofflippe umgeben. Klappt man das Gehäuse zu, zeigt das Surface Duo 2 auf der gebogenen Kante in winziger Schrift Benachrichtigungen, eingehende Anrufe, die Uhrzeit und den Ladezustand an. Microsoft nennt das »Blickleiste«. Die ist schwer ablesbar, aber erhöht dennoch den Spaßfaktor, weil das Duo auch bei geschlossenem Gehäuse Aktivität zeigt.

Damit immer irgendwas blinkt: die Blickleiste

Damit immer irgendwas blinkt: die Blickleiste

Foto: Volker Weber

So weit ist das rundum gelungen, zumindest auf dem Papier. In der Praxis zeigt sich aber, dass Microsoft das Gerät mit den Kameras ruiniert hat. Während das erste Duo nur eine Webcam hatte, die zwar für Konferenzen taugt, aber als Fotokamera nur ein Notbehelf ist, hat das Duo 2 einen dicken Kamerabuckel, der stets im Weg ist und trotzdem nur mittelmäßige Fotos produziert. So lässt sich das Gerät wegen der hervorstehenden Linsen nicht mehr vollständig umgekehrt zusammenfalten. Will man es wie ein normales Smartphone nutzen, die Bildschirme aufgeklappt lassen, hält man einen flachen Keil in der Hand.

Das klappt nicht – oder nur in eine Richtung
Das klappt nicht – oder nur in eine Richtung

Das klappt nicht – oder nur in eine Richtung

Android 11 hilft

Doch so will man es keineswegs in eine Tasche stecken. Also lässt man von solchen Versuchen schnell wieder ab und verwendet das Gerät lieber so, wie man es sich bei Microsoft offensichtlich vorgestellt hat: Zuklappen, wenn man es gerade nicht braucht und immer wieder aufklappen, wenn man es benutzen will oder es eine neue Nachricht meldet. Da die Kameras außen liegen, fotografiert man nicht einhändig wie mit einem Smartphone, sondern immer mit beiden Händen am Gerät.

Nur fürs Foto einhändig gehalten, fotografieren kann man so nicht

Nur fürs Foto einhändig gehalten, fotografieren kann man so nicht

Foto: Volker Weber

Während die Software des ersten Duo auf Android 10 basierte und sehr fehlerträchtig war, ist auf dem Duo 2 Android 11 mit Googles »Dual Screen Support« installiert. Das macht sich bei der Stabilität des Systems bemerkbar. Entgegen meiner Gewohnheit habe ich bei der Installation die deutsche Sprache ausgewählt und war fortan der Ansicht, die Kamera habe keinen Porträt-Modus, bis ich mich fragte, was wohl die Hochformatfunktion sein soll. Das sind kleine Schnitzer, die Microsoft schnell beheben kann. Das gilt auch für die Blickleiste, welche die Uhrzeit nur bis 12 Uhr anzeigt, auch wenn man das 24-Stunden-Format ausgewählt hat.

Fazit

Die Hardware zeigt viel Liebe zum Detail. Die Verarbeitung ist perfekt und selbst der geschmähte Kamerabuckel ist leicht abgeschrägt, sodass er sowohl auf dem Tisch als auch bei umgeklapptem Display stets plan aufliegt. Und doch ist immer irgendwas im Weg. Einmal ist es der Steg zwischen den beiden Bildschirmen, der eine Anmeldung im aufgeklappten Querformat verhindert, weil die wichtigste Information in der Mitte verschluckt wird. Auch YouTube-Filme mag man so nicht genießen. Richtig gut dagegen funktionieren zwei Anwendungen nebeneinander und solche, die an den Doppelbildschirm angepasst sind, wie die Kindle-App und Outlook.

Ab 1599 Euro soll das Surface Duo 2 für den Endanwender kosten. Das ist dann die kleine Version mit 128 GB nicht erweiterbarem Speicher. Das alte Surface Duo wird für 1000 Euro weniger verramscht. Vielleicht sollte man vor dem Kauf noch ein wenig warten.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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