Microsoft Surface Headphones im Test Windows auf die Ohren

Microsoft bringt seinen ersten kabellosen Kopfhörer auf den Markt. Kann es der Konzern mit Konkurrenten wie Bose und Sony aufnehmen?

SPIEGEL ONLINE

Von


Microsoft wagt sich mit den Surface Headphones reichlich spät in einen Markt, der längst von anderen dominiert wird. Ausgehend von seinen Headsets für Piloten hat der Hifi-Konzern Bose bereits 2000 die ersten Kopfhörer auf den Markt gebracht, die Außengeräusche mit elektronischen Tricks minimierten. Seither wurde das Konzept von etlichen anderen Firmen dutzendfach adaptiert - und nun eben auch von Microsoft.

Die Surface Headphones fallen erst mal durch ihr Design auf. In mattem Hellgrau lackiertes Plastik dominiert über einige Aluminiumakzente. Wer diese Kopfhörer aufsetzt, fällt auf. Ihr Tragegefühl ist angenehm, die Ohrmuscheln legen sich sanft um die Ohren, der dick gepolsterte Kopfbügel verteilt das Gewicht gut über den Kopf.

Erstaunlich für Kopfhörer dieser Preisklasse ist, dass die Surface Headphones im kabellosen Betrieb nur herkömmliche Bluetooth-Audio-Übertragungen ermöglichen. Sie beherrschen weder das von Apple präferierte AAC-Format, noch den auf Android-Smartphones vielfach verwendeten aptX-Standard, die beide eine bessere Audioqualität bei Bluetooth-Verbindungen ermöglichen. Microsoft verschenkt damit einen Teil des Klangpotenzials seiner Kopfhörer.

Trotzdem überraschen Microsofts Kopfhörer mit einem klaren Hifi-Sound, der Bässe dick und manchmal etwas zu weich, Höhen klar und trocken präsentiert. Nur im Mittenbereich fehlt mir, beispielsweise bei "Space Lord" von Monster Magnet, etwas Druck. Die Stereowiedergabe wiederum ist hervorragend und bildet etwa den Flanger-Effekt im E-Piano von Vulfpecks "Dean Town" sehr schön plastisch ab.

Preisabfragezeitpunkt:
19.04.2019, 11:30 Uhr
Ohne Gewähr

ANZEIGE
Microsoft Surface Headphones
Preis:
EUR 379,90

Nicht ganz so perfekt arbeitet die Geräuschunterdrückung. Zwar schirmen die weichen Ohrpolster Außengeräusche schon passiv recht gut ab, und das elektronische System schafft es, beispielsweise das Triebwerksdröhnen in einem Flugzeug auszublenden. Ganz so beeindruckend wie beispielsweise bei Bose-Kopfhörern klappt das aber nicht.

Dafür ist die Akkuleistung ordentlich. Eine 13 Stunden lange Zugfahrt hielten die Surface Headphones mühelos durch, sie hatten danach noch Reserven. Und wenn man sie aufladen will, erledigt man das zeitgemäß per USB-C-Kabel. So ist der Akku im besten Fall nach zwei Stunden an der Steckdose wieder voll.

Etwas empfindlich

Positiv fällt auch das Bedienkonzept auf. Um die Ohrmuscheln sind drehbare Ringe angebracht. Mit dem rechten regelt man die Lautstärke, mit dem linken die Intensität der Geräuschminderung. Die geht ab einem gewissen Punkt dazu über, Außengeräusche sogar verstärkt an die Ohren weiterzuleiten - ein ungewöhnliches Feature.

Sensorflächen auf den Ohrmuscheln ermöglichen einen Aufruf des Google Assistant oder von Siri und die Steuerung von Musik und Anrufen. Schön wäre es, hier die Empfindlichkeit regeln zu können, denn die Flächen reagieren beispielsweise auch dann, wenn man im Liegen versehentlich mit dem Arm darüberwischt.

Sehr gut klappt dagegen das Zusammenspiel mit mehreren Geräten. Die Surface Headphones merken sich bis zu zehn Verbindungen. Im Test klappte das problemlos mit einem Windows-PC, einem Mac-Computer, einem iPhone sowie einem Android-Handy. Software-Updates können derzeit leider nur via Windows 10 eingespielt werden. Theoretisch geht das zwar auch per Cortana-App für iOS und Android, doch die ist in Deutschland nicht verfügbar.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Warmer Klang

Hoher Tragekomfort

Gute Akkulaufzeit

Intuitive Steuerung

Geräuschminderung könnte besser sein

Hoher Preis

Der Einstand ist Microsoft gelungen, fulminant ist er nicht. Während der Sound der Surface Headphones sicher viele Freunde finden wird - auch jenseits des Windows-Ökosystems -, könnte die Geräuschunterdrückung noch verbessert werden. Zumal Microsofts Kopfhörer mit einem Listenpreis von 380 Euro kein Schnäppchen sind. Konkurrenzprodukte wie Sonys WH-1000X M3 bekommt man zumindest einige Zehner billiger.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.


insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Llares 21.03.2019
1. Gesprächsqualität
Ich habe gerade einige ANC Headsets getestet, da ich eines für die Arbeit nutzen möchte. Da ich leider in einem Großraumbüro sitze und auch telefoniere, sind sowohl die Geräuschunterdrückung als auch die Telefonqualität entscheiden. Leider kein Ton dazu in diesem Test. Boses QC35 II sind übrigens als erste raus geflogen : dumpfer Klang, kurze Laufzeit, schlechte App, mittlere Sprachqualität, aber ganz gutes ANC. Die Sony WH-1000XM3 sind vom Sound, der Laufzeit, den ANC und der App hervorragend, allerdings ist die Sprachqualität grausig. Alle Nebengeräusche werden laut weiter gegeben. Schade, hätte die gerne genommen. Den besten Mix bekamen die Sennheiser PXC 550 hin. Nicht so gutes ANC, wie die anderen beiden und leicht schlechterer Sound als der Sony, aber gute App und Laufzeit und die beste Sprachqualität.
3daniel 21.03.2019
2. Bin sprachlos
Kein Aptx, kein AAC mäßiges NC, was will Microsoft? Glauben die im Ernst das dafür jemand 380€ ausgibt obwohl er bei Bose und bei Sony besser (und billiger) wegkommt. Facepalm......
salomohn 21.03.2019
3. Das wird nix
Mangelnde Kompatibilität und der Preis sind tödlich. @ Llares ein Tipp für den Büroarbeitsplatz: Die genannten Markenhersteller sind gut. Am besten einseitiges Headset mit noise cancelling benutzen. So hat man klaren Klang und noch eine Relation zur Umgebungslautstärke.
ChrisO 21.03.2019
4. Leider nicht...
... wirklich interessant. Wenn kaum Codecs unterstützt werden und das ANC nicht überzeugend ist, wird es schwierig das zum aufgerufenen Preis zu verkaufen. Schade, vom Äußeren sieht es eigentlich ganz gut und brauchbar aus. Außerdem gebe ich Llares recht, wenn die Gesprächsqualität nicht passt, ist es auch keine Alternative fürs Büro. Da gibt es leider kaum vernünftige Lösungen. @Salomohn: Einseitiges Headset mit ANC, war das ironisch gemeint!?
salomohn 21.03.2019
5. @ ChrisO
Nö, nicht ironisch. Einfach mal kompetent beraten lassen. Wenn es zu laut ist für einseitige Headsets, muss erst mal die Raumakustik vom Akustikplaner eingestellt werden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.