Surface Laptop 4 im Test Microsofts schlanker XL-Dauerläufer

AMD statt Intel inside, ein großer Touchscreen und eine tolle Tastatur, das sind die Zutaten für Microsoft neues Notebook. Wir haben getestet, ob das ein Erfolgsrezept ist.
Surface Laptop 4: Ein solides Arbeits- und Entertaiment-Notebook

Surface Laptop 4: Ein solides Arbeits- und Entertaiment-Notebook

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Passend zum Homeoffice-Dasein betont Microsoft, das Surface Laptop 4 sei »optimiert für digitale Meetings«. Als ich damit zum ersten Mal an einer Teams-Videokonferenz teilnehmen wollte, war ich aber skeptisch, ob diese Behauptung gerechtfertigt ist, denn das Vorschaubild der Kamera zeigte mich mit stark überbetonten Farben und arg weichgezeichneten Gesichtszügen. Ein paar mit Microsofts Kamera-App geknipste Selfies bestätigten meinen Eindruck: Die Aufnahmen wirkten verwaschen, meine Gesichtshaut viel glatter, als sie es wirklich ist. Die Kamera hat halt nur eine 720p-Auflösung. Bei Fernsehern nannte man das damals »HD Ready«. Aber das ist lange her.

In der ersten Videokonferenz selbst dann die Überraschung: Ohne etwas von meinem Testgerät zu wissen, fragten Kollegen, ob ich eine neue Kamera habe. Das Bild sei viel schärfer und heller als sonst. Weil mich das stutzig machte, machte ich noch ein paar weiter Test-Videoanrufe. Das Ergebnis war immer gleich: Das Bild sei viel klarer als sonst, war die einhellige Meinung. Ein Kollege verglich den Effekt mit dem Zauberstab, mit dem man in Apples Fotos-App Bilder automatisch verbessern lassen kann.

Das sieht gut aus

Das sieht gut aus

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Also ja, der neue Surface Laptop ist durchaus gut für Videokonferenzen geeignet. Auch die Mikrofone – Microsoft bezeichnet sie als »Studio-Mikrofone« – funktionieren ziemlich gut und die verborgen eingebauten Lautsprecher sind allemal für Videokonferenzen geeignet. Ein bisschen Musikhören bei mittlerer Lautstärke und Filme gucken geht damit gut und grundsätzlich können die Lautsprecher auch sehr laut werden, verlieren dann aber deutlich an Tiefgang.

Anfassbildschirm

Der Bildschirm hat mit 2496 x 1664 Pixeln eine gut zum 15-Zoll-Format passende Auflösung, die nicht nur feine Details in Fotos gut erkennen lässt, sondern auch Schrift scharf zeichnet. In Kombination mit der kräftigen Farbwiedergabe eignet sich das auch gut für einen Filmabend ohne Fernseher. Für die maximale Helligkeit haben verschiedene Tester mit Spezialgeräten Werte zwischen 350 und 400 Nits gemessen, was dem Niveau von Apples MacBook Air entspricht.

Hell genug ist das Display zumindest für alles, was man drinnen machen kann. Unter dem Sonnenschirm im Garten würde man sich auch mal etwas mehr wünschen. Was mich gestört hat, ist aber eher, dass die automatische Helligkeitsregelung etwas ruckartig arbeitet. Den dunklen Standard-Hintergrund habe ich übrigens bald gegen ein helles Motiv ausgetauscht, weil damit die Spiegelungen auf der glänzenden Bildschirmoberfläche nicht so sehr ins Auge fallen.

Wenn man zudem die praktische Touchscreen-Funktion des Bildschirms nutzt, sollte man lieber ein Putztuch zur Hand haben, sonst sieht die Oberfläche bald unschön aus.

Anschlussminimalismus

USB-A-USB-C und eine Hopfhörerbuchse

USB-A-USB-C und eine Hopfhörerbuchse

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Ziemlich mager ist der 14,7 Millimeter dünne Laptop 4 hinsichtlich seiner Anschlussmöglichkeiten bestückt. Nur je eine USB-C- und USB-A-Buchse sind für externe Geräte vorgesehen. Da kommt man, wie bei Apples MacBooks, kaum um einen Adapter herum.

Microsoft bietet einen Travel-Adapter mit fünf Anschlüssen für 110 Euro und für den stationären Betrieb das Surface Dock 2 für 300 Euro an. Bei Drittanbietern bekommt man USB-C-Adapter allerdings schon ab rund 20 Euro. So oder so wäre statt der USB-C-Buchse ein Thunderbolt-4-Anschluss wünschenswert. Sieht genauso aus, kann aber viel mehr.

AMD inside

Bei der Wahl meines Testgeräts habe ich mich bewusst für ein Modell mit AMD-Prozessor entschieden. Für diese Varianten spricht, dass sie billiger sind als jene mit Intel-Chip, laut Microsoft im Durchschnitt eine Stunde mehr Akkulaufzeit bieten und zudem mit einer besonderen Variante des AMD-Ryzen-Prozessors bestückt sind, die AMD extra für diese Modelle entwickelt und hergestellt hat. Deshalb tragen sie den Beinamen »Microsoft Surface Edition-Prozessor«.

Meinem mit 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und 1 Terabyte SSD sehr gut bestücktem Testrechner half der Chip jedenfalls, alles was im Arbeitsalltag anlag, mühelos zu bewältigen. Zwei Dutzend geöffnete Tabs in mehreren Browserfenster sind ebenso wenig ein Problem gewesen wie die parallel dazu geöffnete Textverarbeitung und das Teams-Meeting mit rund 100 Teilnehmern. Nur bei Spielen wird der Prozessor richtig gefordert, wobei er das anspruchsvolle »Cities Skylines« noch gut hinbekam, die Lüfter dabei allerdings laut aufdrehten. Grafisch anspruchsvolle Spiele wie Microsofts »Flight Simulator« kann man allerdings vergessen. Für die ist der eingebaute Grafikprozessor zu lahm.

Der Akku kann was

Microsoft gibt die Akkulaufzeit meines Testgeräts mit bis zu 17,5 Stunden an. Das gilt allerdings nur für ein definiertes Nutzungsszenario und bei einer geringen Bildschirmhelligkeit von 150 Nits. Wenn ich daran einen normalen Arbeitstag verbracht habe, mit Teams-Besprechungen, Internetsuchen und Textverarbeitung, kam ich zwar gut über den Tag, hätte aber keinen kompletten zweiten geschafft.

Aber auch das reicht mir schon, um die Laufzeit als sehr gut zu bezeichnen. Bei einem Langstreckenflug wäre es sicher kein Problem, mit dem Surface Laptop ein paar Stunden zu arbeiten, ein paar heruntergeladene Filme anzusehen und nach der Landung trotzdem noch genug Energie im Akku zu haben, um im Hotel die inzwischen eingegangenen E-Mails abzurufen.

Microsoft-Besonderheiten

Praktisch: Die USB-Buchse am Netzteil. Nicht so praktisch: Microsofts Spezialstecker

Praktisch: Die USB-Buchse am Netzteil. Nicht so praktisch: Microsofts Spezialstecker

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Nervig ist allerdings, dass Microsoft seine Notebooks immer noch mit seinem flachen Surface-Connect-Anschluss als Stromstecker bestückt. Der war eine gute Idee, als er neu war, mittlerweile jedoch ist USB-C die bessere Alternative, weil eine solche Buchse mehr Möglichkeiten bietet und man immer jemanden mit einem USB-C-Netzteil findet, wenn man sein eigenes zu Hause vergessen hat.

Bei meinem schwarzen Testgerät kommt hinzu, dass die in die abgeschrägte Seite des Notebooks eingelassene Buchse mit dem ebenfalls schwarzen Stecker bei schlechtem Licht kaum zu finden ist.

Die Tastatur ist, wie meist bei Microsofts Geräten, eine Freude für Vielschreiber. Die relativ weich nachgebenden Tasten geben einem das Gefühl, auf einer normalen PC-Tastatur zu tippen, nicht auf einem superdünnen Notebook-Keyboard.

Die hervorragende Tastatur

Die hervorragende Tastatur

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Fazit

👍 Gute Leistung

👍 Sehr gute Akkulaufzeit

👍 Sehr gute Tastatur

👎 Keine Thunderbolt-4-Anschlüsse

👎 Stark spiegelnder Bildschirm

Das Surface Laptop 4 ist ein feiner Computer, mit mehr als ausreichender Leistung für Alltagsaufgaben und genug Reserven für grafisch weniger anspruchsvolle Spiele. Die Tastatur ist ein Fest für Vielschreiber und die Akkulaufzeit der getesteten AMD-Version sehr gut. Auch der Bildschirm ist gut, dürfte aber gern etwas heller sein und weniger stark spiegeln. Noch besser wäre es, wenn Microsoft der nächsten Version ein Upgrade auf Thunderbolt-4-Buchsen spendieren und sich von dem hauseigenen Ladeanschluss verabschieden würde.

In der 15-Zoll-Variante ist das Gerät mit 1,5 Kilogramm noch vergleichsweise leicht, mit seinem Metallgehäuse robust und in mattschwarz auch noch ziemlich schick. Aus meiner Sicht gibt es keinen Grund, stattdessen zu einer der teureren und weniger ausdauernden Intel-Versionen zu greifen. Weil sie kleiner, leichter und günstiger sind, könnten allerdings die 13,5-Zoll-Versionen eine Alternative sein.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort