Microsoft Surface Laptop 5 im Test Dem Dauerläufer geht die Puste aus

Nachdem Microsofts Notebook sich vergangenes Jahr noch als Ausdauersportler erwiesen hatte, zeigte die Neuauflage im Test andere Stärken. Aber auch neue Schwächen.
Schon schick: Surface Laptop 5 in der 15-Zoll-Variante

Schon schick: Surface Laptop 5 in der 15-Zoll-Variante

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Ich könnte mir jetzt einbilden, dass Microsoft mein Klagen erhört hat. Nachdem ich vor eineinhalb Jahren das Vorgängermodell des jetzt neuen Surface Laptop 5, also das Surface Laptop 4, getestet hatte, schrieb ich, es wäre toll, »wenn Microsoft der nächsten Version ein Upgrade auf Thunderbolt-4-Buchsen spendieren« würde. Und, wer hätte das gedacht, im neuen Modell steckt tatsächlich ein solcher Anschluss. Darüber können Daten schneller übertragen, das Notebook schneller aufgeladen und zwei große 4K-Bildschirme angeschlossen werden.

Was sich allerdings nicht verändert hat: Auch in der neuen Version hat Microsofts Laptop nur eine einzige solche Buchse. Daneben gibt es noch eine USB-A-Buchse, einen Kopfhöreranschluss sowie einen »Surface-Connect-Anschluss«. So bezeichnet Microsoft seine sehr schlanke hauseigene Ladebuchse.

Für meinen Arbeitsalltag reicht das aus, weil ich mein Notebook im Büro an einen großen Monitor anschließe, der selbst weitere USB-Anschlüsse bereitstellt. Dafür ist die Thunderbolt-Buchse perfekt. Für unterwegs aber würde ich für dieses Notebook einen Port-Replicator empfehlen, der weitere USB-Buchsen, eine LAN-Buchse und vielleicht einen Kartenleser für Speicherkarten bereitstellt.

Nach außen der einzige Unterschied zu meinem Testgerät von 2021: die Farbe Silber statt Schwarz

Nach außen der einzige Unterschied zu meinem Testgerät von 2021: die Farbe Silber statt Schwarz

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Intel only

Am Bildschirm hingegen gibt es nichts auszusetzen. Wie beim Vorgänger hat das 15-Zoll-Display meines Testgeräts eine Auflösung von 2496 mal 1664 Pixeln, die im Format 3:2 aufgeteilt sind. Beim Anschauen von Filmen im Format 16:9 muss man deshalb schwarze Balken ober- und unterhalb des Filmbildes hinnehmen. Für produktives Arbeiten eignet sich das 3:2-Format bestens, insbesondere wenn man mit mehreren Programmen parallel arbeitet. Unverändert spiegelt das Display allerdings ordentlich und eignet sich mit einer maximalen Helligkeit von – laut Datenblatt – 400 Nits besser für die Arbeit in geschlossenen Räumen als unter freiem Himmel.

Ganz schön schlank: Laut Datenblatt ist das Surface Laptop 5 exakt 14,7 Millimeter dick – zugeklappt

Ganz schön schlank: Laut Datenblatt ist das Surface Laptop 5 exakt 14,7 Millimeter dick – zugeklappt

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Überhaupt ist das Surface Laptop 5 in erster Linie ein Arbeitsrechner. In meinem Testgerät steckt ein Core-i7-Prozessor der aktuellen zwölften Generation von Intels Mobilchips. Im 15-Zoll-Modell ist er die einzige Option, im 13,5-Zoll-Modell kann man auch die einen Core i5 wählen, um Geld zu sparen. Die Option, stattdessen einen AMD-Chip einbauen zu lassen, gibt es aktuell leider nicht mehr.

Fürs Web, Bürosoftware und ein bisschen Bild- und Videobearbeitung ist der i7 lässig schnell genug. Und das auch, wenn man mehrere Programme parallel laufen lässt, in meinem Fall Outlook, Teams, Word und Chrome mit etlichen offenen Tabs.

Ein Tipper, kein Player

Zum Spielen eignet sich das Surface Laptop 5 dagegen weniger – außer man möchte »Solitär« und »Wordle« spielen. Grafisch anspruchsvolle Games scheitern an der integrierten Intel-Iris-XE-Grafikkarte. Während das alte »Cities Skylines« damit noch recht ordentlich läuft, verweigerte der »Microsoft Flight Simulator« die Installation auf dieser aus seiner Sicht offenbar minderwertigen Plattform. Die Ergebnisse des Grafik-Testprogramms 3D Mark zeigten, dass Spiele wie »Fortnite« oder »GTA V« auf diesem Rechner mit weniger als 20 Bildern pro Sekunde laufen würden – unspielbar ruckelig.

Klappert nicht: Die Tastatur eignet sich auch für Vielschreiber

Klappert nicht: Die Tastatur eignet sich auch für Vielschreiber

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Erfreulich war bei all der Testerei, dass das Gerät dabei nie übermäßig warm wurde, aufsteigende Hitze ohne Zuhilfenahme lärmender Lüfter immer lautlos aus den Lüftungsschlitzen entweichen konnte. Zugleich entwich dem Akku allerdings auch spürbar schneller als beim Surface Laptop 4, das ich damals mit einem AMD-Prozessor getestet hatte, die Energie. Nach vier jeweils 20 Minuten dauernden Durchläufen des Stresstests von 3D Mark, bei denen der Prozessor auf Volldampf laufen muss, fiel der Ladestand von 100 auf weniger als zehn Prozent. Im Arbeitsalltag im Homeoffice musste es spätestens nach sieben Stunden an die Steckdose, deutlich früher als der Vorgänger mit AMD-Technik. Die »bis zu 17 Stunden«, die Microsoft im Datenblatt verspricht, dürften nur unter Laborbedingungen zu schaffen sein.

Lautloser Luftstrom: Lüftungsschlitze an der Unterseite

Lautloser Luftstrom: Lüftungsschlitze an der Unterseite

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Unter Alltagsbedingungen hin gegen lässt sich das Surface Laptop 5 trotz seines 15-Zoll großen Bildschirms lässig überallhin mitnehmen. Mit nur 1,5 Kilogramm und einem knapp 15 Millimeter schlanken Gehäuse wiegt es im Rucksack nicht schwer und die Tastatur ist mit ihren relativ weichen Tasten auch für längere Texte bestens geeignet.

Fazit

Manchmal ist es mit Computern wie beim Tanzen: einen Schritt vor, einen zurück. Im Grunde hat Microsoft mit der Version 5 des Surface Laptop gute Produktpflege betrieben. Es ist immer noch sehr stylisch, sehr schlank und ziemlich leicht, hat endlich Thunderbolt 4 statt nur USB-C. Wer mehr Anschlüsse benötigt, braucht allerdings immer noch einen USB-Hub oder Ähnliches. Der neue Intel-Chip bringt keine große Leistungssteigerung gegenüber dem Modell vom Vorjahr, arbeitet dafür angenehm lüfter- und damit geräuschlos. Nur sparsam ist er dabei nicht, die Akkulaufzeit ist spürbar geringer als beim AMD-Modell von 2021.

Microsofts Laptop punktet dafür immer noch mit einem guten Bildschirm, hervorragender Verarbeitung und schönem Design – und ist dabei nicht mal besonders teuer, vor allem in der Version mit 13,5-Zoll-Display. Wer mehr Grafikleistung benötigt, sollte einen Blick auf das Surface Laptop Studio (hier unser Testbericht) werfen, dass es auf Wunsch mit GeForce-RTX-Grafikkarte von Nvidia gibt. Ganz frisch ist das allerdings nicht mehr, es dürfte bald durch einen Nachfolger mit schnelleren Chips ersetzt werden.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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