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Surface Pro 3 im Test: Microsofts Notebook-Tablet

Foto: Matthias Kremp

Microsofts Anti-Apple-Tablet Ein Surface ist ein Tablet ist ein Notebook ist ein Laptop

Mit der neuen Version seines Surface-Tablets greift Microsoft Apple an. Allerdings positioniert der Konzern es nicht als iPad-Konkurrent, sondern als besseres Macbook Air. Ist das nun ein Laptop oder ein Tablet?

Die dritte Version des Microsoft-Tablets Surface Pro erstaunt schon auf dem Datenblatt: Es ist größer als seine Vorgänger, gleichzeitig aber dünner und leichter geworden. 800 Gramm ist es schwer, 9,1 Millimeter dünn. Gegenüber den Geräten, die man normalerweise als Konkurrenz ansehen würde, ist es trotzdem ein dicker, schwerer Klopper. Sowohl Apples iPad Air als auch Samsungs Galaxy Note Pro 12.2 sind dünner und leichter.

Doch mit solchen Geräten will Microsoft das Surface Pro 3 nicht vergleichen. Stattdessen hat sich der Konzern einen anderen Gegner ausgesucht: Apples Ultraleicht-Notebook Macbook Air. Ein lohnendes Ziel. Dem Marktforschungsunternehmen Gartner zufolge hat Apple mit diesen Geräten 30 Prozent Marktanteil bei den ultramobilen Notebooks , und Experten sagen diesem Marktsegment für die nächsten Jahre hohe zweistellige Wachstumsraten vorher. Möglicherweise setzt Microsoft also auf die richtige Taktik, denn am Tablet-Markt haben die Surface-Tablets nur einen kleinen einstelligen Anteil.

Wie ernst es dem Konzern ist, zeigte eine Aktion, mit der das Surface Pro 3 in den USA beworben wurde: Von Mitte Juni bis Ende Juli bekam man dort einen Rabatt von bis zu 650 Dollar  auf den Kauf des Microsoft-Tablets, wenn man ein MacBook Air in Zahlung gab.

Lieber die etwas teurere Variante wählen

Einen solchen Rabatt kann man auch gut gebrauchen, denn die Preise liegen deutlich jenseits dessen, was andere Tablets kosten. Schon für das kleinste Modell, mit 64 GB Speicher und langsamer CPU, werden 800 Euro fällig, das Topmodell kostet laut Preisliste 1950 Euro.

Betriebssystem und vorinstallierte Apps beanspruchen mehr als 16 GB vom eingebauten Speicher. Empfehlenswert ist es deshalb, zumindest das Modell mit 128 GB Speicher zu kaufen. Das kostet zwar 1000 Euro, hat dann aber auch genug Platz für ein paar Apps mehr, Musik, Filme und Fotos.

Knackig scharf und standfest

Unabhängig von der technischen Ausstattung ist es mühselig, Microsofts Tablet einhändig zu halten. Viel mehr noch als Apples große iPads und Samsungs Galaxy Tab S ist das Surface Pro 3 ein Tablet zum Couchsurfen und weniger geeignet für unterwegs.

Einen sehr guten Eindruck macht der 12-Zoll-Bildschirm. Mit einer Auflösung von 2.160 x 1.440 Pixeln stellt er Fotos, Filme, Texte und Tabellen knackig scharf dar. Leider spiegelt die Glasoberfläche stark. Das ungewöhnliche Seitenverhältnis von 3:2 ist dagegen eher eine angenehme Mischung aus dem 4:3 der iPads und dem 16:9 vieler Android-Tablets.

Den integrierten Standfuß des Surface hat Microsoft verbessert. Im Test hielt er das Tablet zuverlässig in jedem Neigungswinkel, von leicht angeschrägt bis fast horizontal, fest (siehe Fotostrecke). Ein Konzept, das anderen Herstellern als Vorbild dienen sollte.

Für weitere 130 Euro wird es zum Notebook

Die Bedienung über Fingergesten funktioniert dank Windows 8.1 mühelos. Der Touchscreen reagiert prompt auf jede Berührung und kommt auch nicht durcheinander, wenn man alle Finger gleichzeitig auf das Display drückt. Es wird ein Zeigestift mitgeliefert, mit dem man sehr gut auf dem Bildschirm schreiben und zeichnen kann. Weil dessen Spitze verglichen mit ähnlichen Stiften für andere Tablets sehr dünn ist, lassen sich auch feine Linien ziehen. Seine Energie bezieht der Stift aus einer AAAA-Batterie sowie zwei Knopfzellen.

Ein unverzichtbares Zubehör ist das Pro Type Cover, das Microsoft für 130 Euro anbietet. Im Grunde handelt es sich dabei um eine Display-Abdeckung mit integrierter Tastatur und Touchpad. Damit wird das Surface zu dem was Microsoft als Bestimmung des Surface Pro ansieht: Ein Notebook, das man auch als Tablet nutzen kann. Die Qualität liegt auf dem Niveau vieler Notebook-Tastaturen. Trotz sehr geringen Hubs bekommt man ein recht gutes Schreibgefühl.

Die Leistung reicht, der Akku nicht

Ein gutes Gefühl hat man auch bei der Arbeit am neuen Surface. Selbst unser Testgerät, in dem ein vergleichsweise lahmer Intel-i3-Prozessor steckte, erledigte alle Aufgaben, mit denen wir es konfrontierten, nahezu mühelos. Störend war nur gelegentlich das Pusten des Lüfters, der Abwärme aus dem Gehäuse bläst.

Weniger positiv waren unsere Erfahrungen mit dem Akku. Der große hochauflösende Bildschirm und der Notebook-Prozessor fordern ihren Tribut und sorgten dafür, dass der Akku nach fünf bis sechs Stunden leer war. Um einen Arbeitstag durchzustehen, reicht das nicht. Die meisten Android-Tablets und iPads halten länger durch.

Fazit

Ein richtiges Tablet ist das Surface Pro 3 nicht, dafür ist es zu groß, zu schwer und zu leistungsfähig. Insofern liegt Microsoft richtig damit, es gegen Apples ultraportable Macbooks zu positionieren, denn als Notebook ist so ein Surface richtig gut. Es ist schlank, leicht und schnell genug für Office und Co. Komisch nur, dass man die Tastatur als Zubehör kaufen muss.

Anmerkung der Redaktion: Anders als ursprünglich geschildert, wird der Stift des Surface Pro 3 nicht induktiv geladen. Stattdessen nutzt er eine vorinstallierte AAAA-Batterie als Energiequelle.

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