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Surface-Tablet von Microsoft Edel-Flunder gegen Apple

Microsoft startet zur Aufholjagd. Mit dem Surface - einer Mischung aus Laptop und Tablet - will der Software-Gigant Apples iPad angreifen. Was kann das Gerät? Ein Test.

In Microsofts Werbefilmchen zum neuen Surface klackern kleine, blank polierte Kügelchen auf hartes Metall. Ein Meißel zerstößt einen Klumpen Magnesium. Harte Industriegeräusche sollen vermutlich Langlebigkeit und Qualität suggerieren.

Das Surface-Tablet, so lautet wohl die Botschaft, ist vom Feinsten, eine Art Audi A8 der noch jungen Tablet-Welt. Wer das Surface dann in die Hand nimmt, ist allerdings erstmal enttäuscht vom vermeintlichen Edel-Tablet aus Redmond.

Das Gerät macht einen soliden Eindruck, doch es wirkt nicht so elegant wie erwartet. Sein Ständer klappt nicht mit einem satten Klack heraus, wie es Microsoft in seiner Fernsehwerbung suggeriert. Die Rückseite schimmert weniger metallisch als erwartet. Allerlei Ecken, Kanten und Anschlussbuchsen erinnern doch wieder an ein Thinkpad. Immerhin klebt kein Windows-Etikett auf dem Gerät.

Tastatur mit Symbolwert

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Surface: Microsofts Flunder gegen das iPad

Foto: Philip Bethge

Nach der ersten Enttäuschung allerdings entpuppt sich das bereits im Juni mit viel Brimborium angekündigte Gerät als spannende Mischung aus Laptop und Tablet-Computer. Das Surface ist in etwa so groß wie ein iPad, hat aber einen etwas breiteren Bildschirm im Format 16:9, so dass sich HD-Filme ohne schwarze Balken anschauen lassen. Die auffälligsten Besonderheiten sind der eingebaute Ständer und die superdünne, Touch Cover genannte Abdeckung, in die eine komplette Tastatur inklusive Touchpad integriert ist. Blitzschnell lässt sich der magnetisch gehaltene Tastenschutzumschlag an- und abmontieren. Alternativ gibt es eine echte Tastatur mit beweglichen Druckpunkttasten zu kaufen, die allerdings etwas dicker ist.

Die Tastatur hat Symbolwert für Microsoft. Mit ihr nämlich wollen die Ingenieure deutlich machen, dass es sich beim Surface nicht etwa einfach nur um ein weiteres Windows-Tablet handelt, sondern um das erste Gerät einer ganz neue Produktkategorie.

Microsoft will, dass der Laptop mit dem Tablet zu einem Gerät verschmilzt. Das Surface ist der Versuch, diese Vision in die Tat umzusetzen. Der chinesische Lenovo-Konzern verfolgt mit dem Yoga einen ähnlichen Plan. Der Vorteil für den Verbraucher wäre enorm. Laptop und Tablet, die sich im Rollkoffer regelmäßig gegenseitig den Platz streitig machen, könnten auf die Elektronikschrotthalde. Ein Gerät würde endlich ausreichen.

Ist Surface dieses Gerät? Auf dem Touch Cover lässt es sich tatsächlich besser tippen, als zum Beispiel auf der Bildschirmtastatur eines iPad. Dennoch kann es eine vollwertige Tastatur noch nicht ersetzen. Erfreulich ist, dass die Windows-Software auf dem Gerät im Wesentlichen jener gleicht, die auf dem heimischen Desktop läuft. Bekommt Microsoft seine Cloud-Technik in den Griff, sollte das Synchronisieren ein Kinderspiel sein. Ob Windows 8 mit seiner Kacheloptik viele Freunde findet, muss sich allerdings noch zeigen.

Für Microsoft steht viel auf dem Spiel

Zudem ist am Surface vieles von dem dran, was Apple dem Verbraucher bislang penetrant verweigert. USB-Anschluss, MicroSD-Steckplatz, HD-Video-Ausgang. An Software liefert Microsoft ein Preview von Windows Office mit, das bald kostenlos auf die Vollversion upgedatet werden kann. Das ab Freitag in Deutschland erhältliche Modell wird mit Windows RT laufen, einer etwas abgespeckten Version von Windows 8. Eine leistungsfähigere Variante des Surface mit der regulären Windows 8-Software soll später auf den Markt kommen.

Ist das Surface mit dieser Ausstattung ein iPad-Killer? Für Microsoft steht viel auf dem Spiel. Die Firma preist das Gerät als ein High-End-Tablet an, das zeigen soll, was mit Microsoft-Technologie alles möglich ist. Doch damit düpiert das Unternehmen seine Partner gleich doppelt. Das Surface konkurriert direkt mit den Windows-Tablets anderer Hersteller. Und wer sein eigenes Produkt so herausstellt, wie Microsoft es nun tut, stempelt die Tablets der Anderen automatisch als minderwertig ab.

579 Euro wird das Surface mit 32 Gigabyte Speicherplatz und Touch Cover kosten. Ein vergleichbares iPad, allerdings ohne externe Tastatur und Cover, kostet genauso viel. Sollte das Surface ein Flop werden wie einst der iPod-Konkurrent Zune, wird die IT-Industrie spotten wie selten zuvor.