Microsofts merkwürdiges Office-Update Bitte einmal durchzählen

Der Windows-Konzern verteilt ein Update, das keines ist. Statt neue Funktionen zu bringen oder Programmfehler zu beheben, läuft die Software nur einmal – zu einem ungewöhnlichen Zweck.
Präsentation von Office im Juni 2010: Microsoft will wissen, wie viele Menschen das noch nutzen

Präsentation von Office im Juni 2010: Microsoft will wissen, wie viele Menschen das noch nutzen

Foto: Jason DeCrow/ AFP

Das aktuelle Office-Update mit der Bezeichnung KB5021751 zeigt deutlich, wie weit Zukunftsvisionen und Gegenwart in der IT-Branche manchmal auseinanderliegen. Auf der einen Seite investiert Microsoft gerade Milliarden in das Forschungsunternehmen OpenAI , das künstliche Intelligenz mit Projekten wie dem Bildgenerator DALL-E 2  und dem Textbot ChatGPT  zu einem Thema gemacht hat, bei dem jeder mitreden will. Zum anderen versucht der Konzern gerade auf ausgesprochen ungewöhnliche Weise herauszufinden, wie viele alte Versionen seiner Bürosoftware Office noch im Umlauf sind.

Mit einem unauffälligen Text auf den Support-Seiten für die Bürosoftware Microsoft 365 , früher als Office 365 bezeichnet, kündigte der Konzern vor wenigen Tagen ein Update an, das keines ist. Der Sinn von Updates liegt schließlich darin, Programmen neue Funktionen hinzuzufügen, Sicherheitslücken zu stopfen oder Programmierfehler zu beheben. KB5021751 tut nichts davon.

Installiert und doch nicht installiert

Stattdessen, so heißt es in Microsofts Infotext wörtlich, soll die Software »Microsoft dabei helfen, die Anzahl der Benutzer zu identifizieren, die nicht mehr unterstützt (oder bald nicht mehr unterstützt werden) Versionen von Office, einschließlich Office 2013, Office 2010 und Office 2007«. Der augenscheinlich maschinell aus dem Englischen übersetzte Texte soll sagen: Das vermeintliche Update soll durchzählen, wie viele veraltete oder bald veraltete Office-Programme, für die das Unternehmen keine Unterstützung mehr anbietet, noch im Einsatz sind.

Die Software werde nur »einmal im Hintergrund ausgeführt, ohne dass etwas auf dem Gerät des Benutzers installiert werden muss«, heißt es weiter. Und dass man »den Computer nach der Installation dieses Updates nicht neu starten« muss. Warum sollte man das auch, wenn doch, wie es zuvor schon heißt, nichts installiert wird?

Schon im nächsten Absatz aber widerspricht sich der Text, als es heißt, man solle Microsoft Update nutzen, »um das Update automatisch herunterzuladen und zu installieren«.

Alles ganz sicher

Um die Nutzerinnen und Nutzern trotz dieser Widersprüche zu dem für sie vollkommen sinnfreien Update zu animieren, weist der Artikel noch darauf hin, dass man »die neueste Software zur Virenerkennung« verwendet habe, »die zum Zeitpunkt der Bereitstellung verfügbar war«. Zudem befinde sich die Datei »auf Servern mit verstärkter Sicherheit.«

Na dann kann ja nichts mehr schiefgehen. Außer, wenn die angesprochenen Nutzerinnen und Nutzer das Update einfach nicht herunterladen und Microsofts Office-Zählung damit zu Makulatur machen.

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