App-Offensive Android und iOS sollen Windows 10 den Erfolg bringen

Microsoft hat ein ehrgeiziges Ziel: Innerhalb von zwei bis drei Jahren soll Windows 10 auf einer Milliarde Geräten laufen. Damit das klappt, braucht das Unternehmen Apps von iOS und Android.
Microsoft-Chef Satya Nadella: "Eine neue Generation von Windows"

Microsoft-Chef Satya Nadella: "Eine neue Generation von Windows"

Foto: Daniel Schnettler/ dpa

Man muss sich auch mal Ziele setzen. So wie Microsofts Manager, die beim neuen Windows 10 alle Fehler vermeiden wollen, die Windows 8 bis heute bremsen. Zu Beginn der alljährlichen Entwicklerkonferenz Build in San Francisco verkündete Windows-Chef Terry Myerson, das neue Betriebssystem sollen innerhalb von zwei bis drei Jahren nach seiner Einführung auf einer Milliarde Geräten laufen.

Damit hat Myerson die Latte, an der der Erfolg der neuen Software gemessen werden wird, selbst hoch gelegt. Und er hat klargemacht, dass man die Fehler nicht wiederholen will, die bei Windows 8 dazu geführt haben, dass das System von vielen Nutzern und Firmen bis heute gemieden wird.

Zwar ist Windows bis heute Marktführer, doch laut Netmarketshare  dümpelt das aktuelle Windows 8 bei rund 14 Prozent Marktanteil. Selbst das vollkommen veraltete Windows XP hat mehr Anwender.

Aber damit soll es nun vorbei sein. "Windows 10 ist eine neue Generation von Windows. Es wurde für eine neue Ära von Computern entwickelt. Es wurde für eine Vielzahl von Geräten entwickelt", sagte Microsoft-Chef Satya Nadella. Was er damit meinte, wurde im Laufe der dreistündigen Keynote deutlich: Von vielen neuen Funktionen und einigen beeindruckenden technischen Fähigkeiten abgesehen, sollen Apps Nutzer zum nächsten Windows locken.

Apps, Apps, Apps

Denn an Apps hat es bisher vor allem beim Smartphone-Windows gehapert. Zwar gibt es mittlerweile viele Programme für Windows Phone, doch das Angebot kommt immer noch nicht an die Fülle der App Stores für iPhones und Android-Handys heran. Mit vier Maßnahmen will der Konzern das nun ändern:

  • Unter dem Codenamen Project Astoria  wird ein System entwickelt, das es Entwicklern ermöglicht, für Android geschriebene Apps mit wenig Aufwand so umzubauen, dass sie in einer Art Android-Subsystem auf Windows-Handys laufen.
  • Als Project Islandwood  wird ein System bezeichnet, mit dem Entwickler den Quellcode von iOS-Apps in Microsofts Entwicklersoftware Visual Studio umkopieren und dort für Windows-Smartphones anpassen können.
  • Sogar Webangebote sollen unter Windows 10 zu Apps werden. Es heißt, beim Project Westminister müsse man nur die Internetadresse einer Seite angeben und auf Veröffentlichen klicken, um aus einem Webangebot eine App zu machen.
  • Unter dem Projektnamen Centennial soll ein System angeboten werden, mit dem sich herkömmliche Windows-Programme in Apps für Windows 10 umwandeln lassen.

Eine App für alle Geräte

Dieses Maßnahmenpaket zeigt, dass Microsoft erkannt hat, wie wichtig ein umfangreiches Angebot attraktiver Apps sein wird, um Windows 10 populär zu machen. Aber es geht um noch mehr. Denn Apps für Windows 10 sollen universell nutzbar sein.

Man kauft also keine Smartphone-App oder eine PC-App. Stattdessen sollen Windows-10-Apps in der Lage sein, auf allen Geräten zu laufen, auf denen Microsofts neues System installiert ist. Das kann ein Raspberry-Pi-Minicomputer sein, ein Tablet, ein Smartphone oder ein PC.

Augmented-Reality-Brille HoloLens: Apps funktionieren ohne Umbau

Augmented-Reality-Brille HoloLens: Apps funktionieren ohne Umbau

Foto: Microsoft/ dpa

Sogar auf der Augmented-Reality-Brille HoloLens sollen die Apps ohne weitere Anpassungen funktionieren. Microsofts Continuum genannte Technik, mit der sich eine App an die Hardware des jeweiligen Geräts anpasst, also etwa zwischen PC- und Tablet-Modus wechselt, wird es nun auch für Smartphones geben.

So könnte man eine App auf dem Handy öffnen, das Handy mit einem Fernseher verbinden und dann per Bluetooth-Tastatur auf einer an den Fernseher angepassten Version der App weiterarbeiten.

Die Kunden umgarnen

Diese Vereinheitlichung ist äußerst geschickt. Nicht nur aus Sicht der Anwender, für die es damit leichter werden dürfte, mit Apps umzugehen. Sondern vor allem aus Microsofts Sicht: Wenn der Plan aufgeht, wird Windows 10 seine Nutzer ebenso umgarnen und ebenso vielfältig an sich binden, wie es Apple heute schon mit seinem engverwobenen Ökosystem aus Mac OS X und iOS macht.

So wie ein iPhone-Nutzer am liebsten einen Mac haben möchte, weil die beiden Geräte und deren Software so nahtlos zusammenarbeiten, werden Windows-Nutzer künftig dazu neigen, sich ein Windows-Smartphone anzuschaffen. Eben weil man dann dieselben Apps, dieselbe Musik, dieselben Filme auf PC, Tablet und Smartphone wird nutzen können und sich schnell auf neuen Geräten zurechtfindet, wenn man sich erst einmal an das neue Windows gewöhnt hat.

Ob diese Strategie funktioniert, wird man spätestens 2018 nachprüfen können. Dann sind die zweieinhalb Jahre abgelaufen, in denen Terry Myerson eine Milliarde Geräte mit Windows 10 bestückt haben will. An dieser Prognose wird sich der Konzern messen lassen müssen.

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