Mini-Camcorder Große Filme für kleines Geld

Sie sind klein, leicht, billig und auch noch einfach zu bedienen: Mini-HD-Camcorder versprechen Hobbyfilmern hochauflösende Heimvideos ohne komplizierte Technik - zu erschwinglichen Preisen. Die meisten Geräte können diese Vorgaben auch erfüllen, bieten aber nur rudimentäre Filmfunktionen.

AFP

Mini-HD-Camcorder sind kaum größer als eine Zigarettenschachtel und passen in jede Hosentasche. Hinsichtlich ihrer Ausstattung sind sie betont minimalistisch. Ganz nach dem Motto "aus der Tasche, in die Hand, Knopf drücken, los geht's" sind Mini-HD-Camcorder auf Schnappschuss-Videografie ausgerichtet. Als "Spaß-Faktor-Geräte" bezeichnet Andreas Greil von der Zeitschrift "Video/Homevision" in Poing bei München die handlichen Kameras daher.

Das Hauptaugenmerk in dieser recht neuen Geräteklasse richtet sich auf die einfache Bedienung und den günstigen Preis: 80 bis 160 Euro kostet so eine Kamera. Das scheint wenig für eine HD-Kamera zu sein. "Doch mit den klassischen HD-Camcordern lassen sich die Pocket-HD-Camcorder auch nicht vergleichen", sagt Michael Ludwig vom Technikportal Chip Online aus München. Die Bildqualität sei bei den "großen" Camcordern einfach besser, was sich vor allem bei schwierigen Lichtverhältnissen zeige.

Doch mit ihren großen Brüdern wollen es die Mini-HD-Kameras auch gar nicht aufnehmen. "Bei den Camcordern geht der Trend zu immer mehr Features, wir haben es ganz bewusst bei den Grundfunktionen belassen", erklärt Jens Hofmeister vom Hersteller Cisco. Das US-Unternehmen hat mit seinen Flip genannten Kameras in den Vereinigten Staaten einen Mini-HD-Boom ausgelöst. Seit November 2009 gibt es die Geräte auch in Deutschland.

Große Unterschiede bei kleinen Kameras

Mittlerweile bieten auch andere Hersteller ähnliche Modelle an. Die Flip ist jedoch wohl die spartanischste ihrer Klasse: "Mit weiteren Funktionen gehen wir sehr behutsam vor. Die Kamera soll ein Shoot-and-Share-Gerät bleiben", erläutert Hofmeister. "Shoot-and-Share" bedeute, dass der Nutzer in wenigen Sekunden einen Videoclip hat, den er ebenso schnell ins Internet stellen oder per E-Mail an Freunde und Verwandte schicken kann. Zu diesem Zweck besitzt die Flip einen eingebauten USB-Stick und ein einfaches, vorinstalliertes Schnittprogramm. Somit richtet sich das Gerät vor allem an YouTube-Nutzer und Video-Blogger.

Mit ein paar Ausstattungsmerkmalen mehr warten die Konkurrenten auf: Zum Beispiel kann die GC-FM 1 von JVC mit einer Auflösung von acht Megapixeln fotografieren. Standbilder sind bei der Flip nur nachträglich am Computer in minderer Qualität zu erstellen. Und die Kodak Zi1 ist ein Regen, Schnee, Sand und Schmutz abweisender Outdoor-Camcorder, der jedoch mit einer weniger guten Bildqualität aufwartet als die Kodak Zi8. Dieses Modell bringt außerdem einen regelbaren Mikrofoneingang mit. "Das ist eine Funktion, die vor allem Video-Bloggern entgegenkommt", erklärt Ludwig.

Minimalismus in jeder Hinsicht

Sonys Bloggie hebt sich von der Konkurrenz mit einem schwenkbaren Objektiv ab, und die HMX U10 von Samsung hat von allen Modellen die meisten Einstellungsmöglichkeiten - das macht ihre Bedienung jedoch auch komplizierter. Bis auf das Samsung-Modell bestechen alle Mini-HD-Camcorder durch Schlichtheit.

"Die Bedienung vieler dieser Geräte ist narrensicher", sagt Ludwig. Der Minimalismus bringt jedoch Einschränkungen mit sich: So verfügt keines der Modelle über einen optischen Zoom. Manuelle Einstellmöglichkeiten fehlen meist ebenso. Der feste Fokus mit mehr oder weniger großem Weitwinkel lässt keine Spielereien zu. Nur einige Modelle lassen sich auch auf den Makrobereich umschalten.

HD-Video im Handy

Im Mini-HD-Camcorder-Vergleich der "Video/Homevision" schnitten die JVC GC-FM 1 und die Flip Ultra HD am besten ab. Sie erreichten die Note "sehr gut". Der Flip Ultra HD bescheinigten die Tester eine "sehr gute" Bildqualität. Und die Klangqualität der JVC GC-FM 1 BE erreichte das Urteil "überragend". Überzeugt von der Flip waren auch die Tester von "Chip Online". Sie testeten allerdings die kleinere Flip Mino HD, die im Gegensatz zur Ultra HD nur über vier Gigabyte internen Speicher verfügt und damit 60 Minuten Videomaterial aufnehmen kann. Die Ultra HD schafft das doppelte. "Empfehlenswert" urteilte "Chip Online" auch über die Kodak Zi8.

Konkurrenz bekommen die Mini-HD-Camcorder hauptsächlich durch kompakte Digitalkameras und Handys mit HD-Videoauflösung. Sony Ericssons Vivaz und Samsungs I8910 HD gehören dazu. Sie kosten allerdings mindestens 300 Euro. Fast ebenso teuer sind die Kompaktkameras mit HD-Video, wie etwa die Sony Cyber Shot DSC-WX1. "Über kurz oder lang wird die HD-Video-Funktion in viele Handys und Kompaktkameras integriert werden", erwartet Ludwig. Derzeit seien Mini-HD-Camcorder als schnell einsatzbereite Alltagsbegleiter jedoch die günstigste und einfachste Art in HD zu filmen.

Nadine Hantke, dpa



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