Coronavirus und der Mobile World Congress Bitte nicht die Hände schütteln

Die Veranstalter der weltgrößten Mobilfunkmesse bereiten sich mit viel Desinfektionsmittel auf die Besucher vor. Ein Konzern sagte trotzdem ab. Ein anderer schickt Mitarbeiter in die Isolation.
Händeschütteln: Bei Vertragsabschlüssen und auch sonst eine nette Geste, auf dem MWC aber nicht empfohlen

Händeschütteln: Bei Vertragsabschlüssen und auch sonst eine nette Geste, auf dem MWC aber nicht empfohlen

Foto: imago images

Wenn am 24. Februar in Barcelona der Mobile World Congress (MWC) - die größte Mobilfunkmesse der Welt - beginnt, wird der koreanische Elektronikkonzern LG zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht dabei sein. "Im Gedanken an die Sicherheit seiner Angestellten, Partner und vor allem Kunden hat LG entschieden, sich von der Ausstellung und Teilnahme am MWC 2020 zurückzuziehen", heißt es in einer Erklärung . Die Entscheidung beseitige das Risiko, Hunderte LG-Mitarbeiter auf internationale Reisen zu schicken, was ohnehin schon schwieriger geworden sei, "da sich das Virus weiter über Grenzen hinweg ausbreitet". Gemeint ist natürlich das Coronavirus 2019-nCoV.

In der Branche verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Umso mehr angefacht von der gleichzeitig kursierenden Meldung, auch der chinesische ZTE-Konzern - einer der größten Handyhersteller der Welt - wolle nicht in Barcelona antreten. Dabei hatte das Unternehmen nur eine Pressekonferenz abgesagt. Entsprechende Berichte hielten sich trotzdem so hartnäckig, dass ZTE per Pressemitteilung erklärte, man nehme "wie geplant am Mobile World Congress teil". Für die Mitarbeiter des Unternehmens ist die Teilnahme am MWC allerdings mit erheblich größerem Aufwand als gewohnt verbunden.

Denn wie für die Tausenden anderen, die aus China anreisen wollen, ist es für das ZTE-Personal schwierig geworden, überhaupt nach Barcelona zu kommen, solange internationale Fluggesellschaften wie die Lufthansa und British Airways ihre Flüge nach China aussetzen. Das gilt umso mehr, als ZTE viele seine Angestellten und Manager früher als geplant nach Europa geschickt hat. In einer Erklärung des Unternehmens heißt es, man habe alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verpflichtet, "sich nach ihrer Ankunft in Europa einer zweiwöchigen Selbstisolierung zu unterziehen".

Eine Unternehmenssprecherin sagte dem SPIEGEL, man habe die Zahl derer, die nach Barcelona anreisen, ohnehin deutlich reduziert. Nur wer für den Messeauftritt unverzichtbar ist oder unbedingt zum MWC will, sei tatsächlich entsandt worden. Zudem haben die fraglichen Personen zwei Wochen vor ihrer Anreise zum Mobile World Congress keine Symptome aufweisen dürfen.

Das würde bedeuten, dass ZTE ausgesprochen schnell reagiert hat. Der erste Todesfall aufgrund einer Infektion mit dem Coronavirus wurde am 11. Januar gemeldet, die Stadt Wuhan, möglicher Ursprungsort der Erkrankung, am 22. Januar abgeriegelt. Am 30. Januar rief die WHO den internationalen Gesundheitsnotstand aus.

Neue Visa, neue Flüge, neue Hotelzimmer

Zu diesem Zeitpunkt hat man sich bei ZTE demnach bereits intensiv darum gekümmert, neue Visa für Spanien zu beantragen, Flüge umzubuchen und Hotelzimmer zu besorgen. Denn im Einklang mit der selbst auferlegten Verpflichtung zur Selbstisolierung sind schon jetzt fast alle zum MWC anreisenden ZTE-Mitarbeiter in Barcelona. Die Zeit dort verbringen die der Firmensprecherin zufolge überwiegend in ihren Hotelzimmern. Sie sind angewiesen, sich nicht mit Kollegen zu treffen, nicht mit der U-Bahn zu fahren und Menschenansammlungen zu meiden. Gearbeitet wird quasi im Homeoffice, also in den Hotelzimmern. Das gilt auch für Führungspersonal.

In seiner Pressemitteilung verspricht ZTE zudem, man werde den Messestand und die ausgestellten Geräte täglich desinfizieren. Sicherheit will das Unternehmen auch damit vermitteln, dass es ankündigt, das Standpersonal werde "überwiegend nicht aus China, sondern hauptsächlich aus Europa kommen".

Dass ZTE mit seinen Maßnahmen nicht allein steht, bestätigt Huawei. Dessen Mitarbeiter reisen nach Auskunft einer Sprecherin ebenfalls zwei Wochen vor Messebeginn und erst "nach einer eingehenden gesundheitlichen Prüfung" nach Barcelona. Zudem wolle man sie während der Veranstaltung "stetig hinsichtlich Symptomen" überprüfen.

Wie Sardinen in der Büchse

Und auch die Messegesellschaft gibt sich redlich Mühe, potenzielle Besucher zu beruhigen. Auf Anfrage erklärt eine Sprecherin, der MWC werde "wie geplant vonstattengehen". Zudem habe man Maßnahmen getroffen, "um die Verbreitung des Virus einzudämmen." Dazu gehört unter anderem, dass überall dort, wo Menschen Dinge anfassen, häufiger geputzt und desinfiziert werden soll. Das betreffe etwa Toiletten, Türgriffe, Handläufe von Rolltreppen und öffentliche Touchscreens. Außerdem will man Reinigungs- und Desinfektionsmittel für die Besucher bereitstellen und eine "Kein Händeschütteln"-Regelung bewerben. Besondere Aufmerksamkeit kommt den Rednern des Kongressprogramms zu, deren Mikrofone regelmäßig ausgewechselt werden sollen.

Gedrängel auf dem MWC (Archivbild)

Gedrängel auf dem MWC (Archivbild)

Foto: JOSEP LAGO/ AFP

Diesen Zusicherungen zum Trotz bleibt abzuwarten, wie sich die Angst vor dem Virus in den kommenden Wochen noch auf das Messeprogramm und die Besucherzahlen auswirken wird. Im vergangenen Jahr nahmen fast 110.000 Menschen aus aller Welt am MWC teil, drängten sich auf dem Weg zum und vom Messegelände wie Sardinen in der Büchse in die überfüllten Vorortzüge. Schon ohne die Angst vor dem Coronavirus sei dieses Gedränge ja nicht angenehm, sagt die ZTE-Sprecherin. In diesem Jahr werde sie deshalb lieber mit dem Leihfahrrad zwischen Messe und Hotel pendeln.

Update 14:15 Uhr: Wenige Stunden nach Erscheinen dieses Artikels kündigte auch der schwedische Netzwerkhersteller Ericsson seinen Rückzug vom diesjährigen MWC an. In einer Mitteilung  erklärt das Unternehmen: "Nach einer umfassenden internen Risikobewertung hat Ericsson beschlossen, weitere Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen und sich von dem MWC Barcelona 2020, der größten Veranstaltung in der Telekommunikationsbranche, zurückzuziehen."