Neue Gadgets Samsung macht Arbeit, Nokia macht Spaß

Das neue Top-Smartphone ist noch nicht fertig. Deshalb konnte Samsung auf dem Mobile World Congress nur Tablets zeigen. Doch die haben es in sich. Nokia hingegen reanimiert ein altes Erfolgsmodell.

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Bei Samsung ist gerade der Wurm drin. Erst musste der Konzern sein Note7 wegen brandgefährlicher Akkus vom Markt nehmen, nun konnte die Pressekonferenz in Barcelona nicht pünktlich anfangen. Offenbar bremsten auch hier technische Probleme den Start. In dem rappelvollen und schlecht klimatisierten Saal wies eine Stimme aus dem Off immer wieder auf Schwierigkeiten mit den Projektoren hin.

Als diese endlich behoben waren, spulten Konzern und Moderator ein eher behäbiges Programm ab. Mit der Präsentation des Galaxy S7 im vergangenen Jahr samt Gastauftritt von Mark Zuckerberg konnte das kaum mithalten.

Der Höhepunkt des Abends war dann die Präsentation neuer Tablets. Zum einen stellte Samsung das Galaxy Tab S3 vor. Ein neues Android-Tablet mit ausgesprochen gutem Bildschirm, der auch HDR-Videos wiedergeben kann. Angetrieben von einer Quadcore-CPU mit 4 GB Arbeitsspeicher. Für Daten sind 32 GB eingebaut, die per Speicherkarte erweitert werden können. Hinten steckt eine 13-Megapixel-Kamera, vorn eine mit 5 Megapixeln. Ein S-Pen-Zeichenstift wird mitgeliefert, eine Tastaturhülle gibt es als Zubehör.

Für 680 Euro soll die Version mit WLAN in den Handel kommen, für 770 Euro die mit LTE-Funktion. Auf den ersten Blick ein nettes Tablet mit der neuesten Android-Version, aber auch nicht viel mehr.

Galaxy Books als Notebook-Ersatz

Spannender waren da schon die Galaxy Books, die Nachfolger des Galaxy Tab Pro S. Mit diesen Geräten scheint sich der Konzern in den Notebookmarkt zurückschleichen zu wollen, den der Konzern beispielsweise in Deutschland vor Jahren verlassen hat. Denn eigentlich sind die Galaxy-Books zwar Tablets, aber geliefert werden sie mit einer Tastatur, sodass sie klar im Markt der sogenannten Convertibles mitspielen. So nennt man Notebooks, die auch als Tablet genutzt werden können.

In dieses Segment gehören die Galaxy-Books umso mehr, als sie von Intel-Prozessoren angetrieben werden und mit Windows 10 laufen. Richtige Arbeitsrechner eben. Als solche können sie beispielsweise auch externe Monitore per USB-C ansteuern. In einem kurzen Test machte das auch Spaß und die Tastatur einen guten Eindruck: Die Tasten sind recht groß und gut voneinander getrennt, der Hub lang genug, um ein angenehmes Schreibgefühl zu vermitteln.

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Samsungs Hybrid aus Notebook und Tablet: Das Galaxy Tab Pro S im Test

Doch dafür muss man auch tief in die Tasche greifen. Mit einem Bildschirm im 10,6-Zoll-Format kostet ein Galaxy Book noch 730 Euro, was ein durchaus angemessener Preis ist. Doch die 12-Zoll-Variante mit LTE schlägt in der kleinsten Version schon mit über 1600 Euro zu Buche. Ein Preis, zu dem man auch schon ein sehr gutes Notebook bekommen kann.

Samsung verspricht sich viel von dieser Hochpreisstrategie. Im Premiumsegment gebe es bei Tablets noch kräftiges Wachstum, sagt ein Samsung-Manager.

Die Rückkehr des Nokia 3310

In eine ganz andere Richtung steuerte am selben Abend HMD Global, die Firma, die das Recht erworben hat, Handys und Smartphones der Marke Nokia zu vermarkten. Am Vorabend des Mobile World Congress bekannte sich das Unternehmen klar zu Googles Android und stellte drei Smartphones vor, auf denen ein gänzlich unmodifiziertes Android 7 läuft. Die neuen Nokia nennen das "Pure Android", und der Vorteil der Strategie ist klar: Wer Android einsetzt, so wie es von Google kommt, kann seinen Kunden auch besonders schnell die neuesten Sicherheits-Patches und Updates liefern.

HMD positioniert die neuen Nokia-Handys dabei klar im günstigeren Bereich. Selbst das Top-Modell Nokia 6 mit 5-Zoll-Bildschirm und Alu-Gehäuse gibt es schon für 229 Euro. Das kleinere Nokia 5 mit 5.2 Zoll IPS HD-Display kostet 189 Euro. Selbst das Einstiegsmodell Nokia 3, mit 5-Zoll-Bildschirm und ebenfalls im Aluminiumgehäuse, wird schon für 139 Euro angeboten.

Doch bei Nokia geht es noch günstiger: Die Wiederbelebung der finnischen Marke hat auch ein kleines Revival der sogenannten Featurephones, also Handys ohne Smart-Funktionen, mit sich gebracht. Gerade erst konnte sich das kleine Nokia 150 einige Aufmerksamkeit sichern, einfach weil es von Nokia kommt und man mit ihm nicht viel mehr machen kann als telefonieren, simsen und "Snake" spielen.

Weil genau das aber im Trend zu liegen scheint, könnte das Unternehmen mit dem Gadget, dass es zuletzt zeigte, einen Hit landen: Die Neuauflage des 3310. Das Original wurde von 2000 bis 2005 produziert, war lange das meistverkaufte Handy der Welt.

Zumindest funktionell ist die Neuauflage des 3310. Es taugt zum Telefonieren und Simsen und hat ebenfalls das "Snake"-Spiel eingebaut. Zudem glänzt es mit Ausdauer: Bis zu 22 Stunden Sprechzeit und einen Monat Stand-by verspricht der Hersteller. Die Kamera schafft nur kümmerliche zwei Megapixel, als Betriebssystem dient das uralte Series 30+. Apps wie WhatsApp oder Ähnliches gibt es in diesem Universum nicht.

Im Grunde also handelt es sich um ein Nokia 150 in einem Gehäuse, das dem Stil der alten Modelle angepasst wurde. Allein dafür aber muss man einen Aufpreis zahlen. 49 Euro soll des Nokia 3310 kosten. Ein technisch ausgesprochen ähnliches Nokia 150 gibt es für einen Zehner weniger. Wer sich ein solches Retro-Handy gönnen möchte, muss eben bereit sein, auch den Retro-Aufpreis zu zahlen.



insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
Axel Schön 27.02.2017
1. lustiger bug...
... gerade noch rechtzeitig erkannt und schnell behoben worden durch Ihre Redaktion: Kurz war im ersten Satz zu lesen: "Bei Nokia ist gerade der Wurm drin. Erst musste der Konzern sein Note7 wegen brandgefährlicher Akkus vom Markt nehmen..." Klar, es muss heißen: "Bei Samsung ist gerade der Wurm drin. ..." Egal. Lustig ist´s trotzdem, dass es zuerst falsch veröffentlicht war ;))
Uban 27.02.2017
2. Ich bin kein retro fuzzi ...
... sondern freue mich ganz einfach darauf endlich mal wieder ein dezentes Gerät NUR zum Telefonieren zu haben das ich alle 10 Tagen laden muss. Eine sehr vernünftige Entscheidung seitens des Herstellers !
yast2000 27.02.2017
3. Convertible
" ... Denn eigentlich sind die Galaxy Books zwar Tablets, aber geliefert werden sie mit einer Tastatur, sodass sie klar im Markt der sogenannten Convertibles mitspielen. So nennt man Notebooks, die auch als Tablet genutzt werden können." --> Datt is leider falsch, denn Covertible nennt man Tablets, die auch als Notebook genutzt werden können.
Mister Stone 27.02.2017
4.
Das 3310 war mein letztes Nokia. Wegen der damaligen Schließung des Bochumer Werkes (direkt nachdem Nokia die üppigen Förderungen von NRW geschluckt hatte) habe ich 2008 beschlossen, nie mehr ein Nokia zu kaufen. Ich bleibe dabei.
Mimi der graue Kater 27.02.2017
5.
Zitat von Uban... sondern freue mich ganz einfach darauf endlich mal wieder ein dezentes Gerät NUR zum Telefonieren zu haben das ich alle 10 Tagen laden muss. Eine sehr vernünftige Entscheidung seitens des Herstellers !
Ich hoffe nur, dass Nokia bei seiner Entscheidung bleibt.
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