Mobilfunk Die Deutschen nutzen wieder mehr SMS

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 7,8 Milliarden SMS verschickt – 800 Millionen mehr als 2020. Die Bundesnetzagentur hat eine Vermutung für dieses Phänomen.
Auch in Zeiten von WhatsApp und Signal stirbt die SMS nicht aus

Auch in Zeiten von WhatsApp und Signal stirbt die SMS nicht aus

Foto: Sebastian Gollnow/DPA

Erstmals seit 2012 haben die Bundesbürger wieder öfter klassische Kurznachrichten genutzt. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 7,8 Milliarden SMS verschickt und damit 800 Millionen mehr als 2020, wie aus einem Papier der Bundesnetzagentur hervorgeht.

Der SMS-Versand war einst ein Massenphänomen und wichtiger Teil der Alltagskommunikation. 2012 wurde mit 59,8 Milliarden verschickter SMS der Höhepunkt erreicht. Danach ging es abwärts, denn viele Verbraucherinnen und Verbraucher wechselten auf andere Kommunikationskanäle, darunter WhatsApp, Signal, Threema oder Facebook Messenger.

Die Gründe dafür lagen auf der Hand: Für SMS mussten Nutzerinnen und Nutzer je nach Mobilfunktarif zahlen, während der Versand der Messengernachrichten kostenlos ist. Außerdem sind die Apps wesentlich flexibler und ermöglichen unter anderem Gruppenchats und das Einbetten von Multimedia-Inhalten.

SMS ist nicht die sicherste Absicherung, aber besser als keine

Warum geht es jetzt trotzdem wieder aufwärts mit der SMS? Die Bundesnetzagentur vermutet, dass es unter anderem an der verstärkten Nutzung der Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) liegen könnte: Verbraucherinnen und Verbraucher können sich bei der Nutzung von Bezahldiensten und anderen Apps eine SMS auf ihr Handy schicken lassen, um sich mit dem darin enthaltenen Code zusätzlich zum normalen Passwort ausweisen zu können – das macht die Anwendungen sicherer.

Auch zur Absicherung von Fernzugriffen auf Unternehmensnetzwerke aus dem Homeoffice, wie sie im Zuge der Pandemie zunehmend eingesetzt wird, ist eine 2FA wichtig. Der Weg über SMS ist dabei besser als keine zusätzliche Absicherung, optimal aber ist er nicht. SMS sind nicht verschlüsselt, zudem haben sich manche Kriminelle auf das sogenannte SIM-Swapping spezialisiert, bei dem sie sich zum Beispiel mithilfe von bestechlichen Mitarbeitern von Mobilfunkbetreibern fremde Handynummern auf die eigene eSIM zuweisen lassen. Ein 2FA-Code kann dadurch bei einem Angreifer landen.

Andere 2FA-Methoden gelten daher als sicherer: Hardware-Token wie der Yubikey zählen zu den sichersten 2FA-Ansätzen, alternativ kann man Authenticator-Apps etwa von Microsoft und Google benutzen. Sie generieren kurzzeitig gültige Einmalpasswörter. Mehr zu dem Funktionsprinzip lesen Sie hier.

pbe/dpa