Mobilkonsole als E-Reader Nintendo macht DSi zum Kinder-Kindle

Nintendos Mobilkonsole DS wird in einer neuen Version einen größeren Bildschirm bekommen. Die XL-Variante soll auch als E-Reader taugen. Viele DS-Fans sind minderjährig - die erste Konsolen-Bibliothek aber umfasst aber wenig Kindgerechtes. Hilft Kafka bei der Zielgruppen-Erweiterung?


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Nintendo DSi XL: Elektrobücher für die Spielkonsole

Die derzeit erfolgreichsten Titel für den Nintendo DS sind Spiele mit "Super Mario", die zwei Rätseltitel der "Professor Layton"-Reihe, der aktuelle "Zelda"-Titel "Spirit Tracks" und "Lego Star Wars". Auch wenn Nintendo mit Titeln wie "Dr. Kawashimas Gehirnjogging" auch eine ältere, erwachsene Zielgruppe anspricht - der größte Markt für das unerhört erfolgreiche tragbare Spielgerät liegt bis heute bei den unter 18-Jährigen. Ob die sich so für Goethe, Schiller, Hölderlin oder E.T.A. Hoffmann interessieren?

Mit solchen Autoren will Nintendo jedenfalls dafür sorgen, dass das neue DS-Modell mit dem Namen DSi XL auch zur mobilen Bibliothek wird. Mit anderen Worten: Die japanische Videospiel-Firma tritt nun in direkte Konkurrenz zu Herstellern wie Amazon mit seinem E-Reader Kindle und - mutmaßlich - Apple, die ebenfalls mobiles Lesevergnügen auf digitaler Basis anbieten wollen (mehr zum Apple-Tablet heute Abend ab 19.00 Uhr im Liveticker bei SPIEGEL ONLINE).

Der DSi XL, der hierzulande am 5. März auf den Markt kommt, zeichnet sich gegenüber seinem unmittelbaren Vorgänger DSi vor allem durch sein Format aus: Beide Bildschirme haben eine Diagonale von 4,2 Zoll - nach Nintendos Angaben ergibt das 93 Prozent mehr Fläche als beim Vorläufer DSi. Er kommt in den Farben Bordeauxrot und Dunkelbraun und ist von vornherein mit festinstallierter Software ausgestattet: dem Nintendo-DSi-Browser sowie den beiden Nintendo-DSiWare-Titeln "Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging für zwischendurch: Wortspiele" und "Wörterbuch 6 in 1" mit Kamerafunktion.

Zielgruppen-Erweiterung mit Goethe und Kafka?

Die Digitalbibliothek für das neue Gerät findet zunächst auf einem einzelnen Spielmodul Platz und umfasst den Angaben zufolge 106 deutschsprachige Klassiker. Elf weitere Bücher lassen sich demnach online auf die Konsole laden. Die vertretenen Werke sind allesamt gut abgehangen und deshalb gemeinfrei - soll heißen: Nintendo muss niemandem Geld für die Rechte bezahlen.

Lessing ("Nathan der Weise"), Goethe ("Faust"), Schiller ("Der Geisterseher") und Heine sind ebenso vertreten wie Fontane ("Effi Briest"), Tucholsky ("Schloss Gripsholm") und Ludwig Thoma ("Lausbubengeschichten"). Auch Kafka, Grimms Märchen und Theodor Storms "Schimmelreiter" sind an Bord. Insgesamt soll die Westentaschen-Bibliothek mehr als 40 Autoren enthalten. Zusammengestellt wurde sie in Kooperation mit dem Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv).

Geblättert wird mit dem Steuerkreuz oder mit einer Wischbewegung mit dem Stylus. Den Einstieg sollen individuelle Empfehlungen und Suchfunktionen, etwa für bestimmte Themengebiete, erleichtern. Zusätzlich gibt es Einführungen zu den versammelten Werken und Informationen über die Autoren. Pro Buch lassen sich Nintendo zufolge drei Lesezeichen setzen.

Dass die kindliche Kundschaft das goutiert, ist eher nicht zu erwarten. Viel wahrscheinlicher ist, dass Nintendo mit dem Vorstoß die Zielgruppe der Lebens-Optimierer ansprechen will, auf die auch schon Produkte wie die "Gehirnjogging"-Titel oder Nintendos Fitness-Angebote für die Wohnzimmerkonsole Wii zielen.

cis



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