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14. Januar 2010, 13:43 Uhr

Mobilrechner

Blogger bieten 100.000 Dollar für Apple-Tablet

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Der Apple-Wahn greift wieder um sich: Mit hohen Geldprämien wollen US-Blogger Insider zum Auspacken bewegen. Intel verrät unterdessen ganz unabsichtlich Details künftiger MacBooks, und aus Korea kommt die Kunde, das neue iPhone werde einen Frühstart hinlegen. Es ist was los in Apple-Land.

Da hat wohl jemand nicht aufgepasst. Ausgerechnet Chip-Hersteller Intel hat verraten, dass Apple in Kürze neue Notebooks vorstellen wird. In einer E-Mail an Händler, die dem Weblog Appleinsider vorliegt, lockte das Unternehmen mit einem Preisausschreiben. Darin heißt es: "Absolvieren Sie das monatliche Training, um zwei Chancen zu erhalten, eines von zwei MacBook-Pro-Laptops mit der verbesserten Leistung des Intel Core i5 zu gewinnen". Alle aktuellen MacBooks sind allerdings mit Core-2-Chips ausgestattet.

Dass Intel PC-Händler mit derartigen Aktionen lockt, ist nicht ungewöhnlich. Auf speziell dafür eingerichteten Webseiten bietet das Unternehmen Infomaterial und Online-Lehrprogramme für Händler und Verkäufer an. Mit flankierenden Promo-Aktionen, Punktesammel-Programmen und eben Verlosungen, sollen diese Weiterverkäufer motiviert werden, sich über aktuelle Intel-Technologien und Produkte fortzubilden. So eben auch über die neuen Prozessoren, die Intel erst vor wenigen Tagen auf der CES in Las Vegas vorgestellt hat.

Die neuen Chips, die je nach Ausstattung und Leistung als Intel Core i3, i5 oder i7 bezeichnet werden, sollen deutlich höhere Leistungswerte als ihre Vorgänger der Core-2-Reihe bieten, dabei weniger Strom und Platz verbrauchen. Zudem werden in die neuen Prozessoren gleichzeitig Grafikchips integriert, die den Einbau einer separaten Grafikkarte überflüssig machen können.

Eine mögliche Schlankheitskur für MacBooks

Dass Apple diese Chips in seine Notebooks einbauen wird, verwundert wohl kaum jemanden. Schließlich wird das Unternehmen von Intel bevorzugt beliefert, erhält auch schon mal neue Prozessoren, bevor sie auf den Markt kommen oder in einer speziell auf die Bedürfnisse einzelner Produkte zugeschnittenen Form. So entwickelte Intel beispielsweise für das MacBook Air eine besonders kleine Prozessorvariante, die ursprünglich erst Monate später auf den Markt kommen sollte.

Der Umstieg auf die neuen Intel-CPUs würde Apple allerdings zwingen, gleichzeitig auf Intel-Chipsätze umzusteigen, da die Chips bislang ausschließlich mit der hauseigenen Technik zusammenarbeiten. In den aktuellen Modellen werden dagegen noch nVidia-Chips eingebaut. Gleichzeitig könnte Apple Intel-Technik nutzen, um seinen Mobilrechner entweder zu verschlanken oder mit größeren Akkus auszurüsten. Wie die neuen MacBooks tatsächlich aussehen, wird man aber wohl erst bei dem angeblich für den 27. Januar geplanten Apple-Event erfahren.

"Ein iPhone auf Steroiden"

Dort werden die Mobilrechner allem Anschein nach aber nur eine, wenn auch prominente, Nebenrolle spielen. Hauptattraktion der Veranstaltung soll das angeblich iSlate genannte Apple-Tablet werden, über das in den vergangenen Monaten bereits so viele Gerüchte gestreut wurden, dass es trotz ausbleibender Bestätigung von Apple vielfach schon als Tatsache angesehen wird.

Eben aufgrund der fehlenden Existenzbestätigung hat das Tech-Blog Valleywag jetzt zu drastischen Mitteln gegriffen und die "Apple-Tablet-Schnitzeljagd" ausgerufen. Teilnehmen darf jeder, der handfeste Informationen über das angeblich revolutionäre Gerät vorweisen kann. Für gute Bilder des iSlate will Valleywag 10.000 Dollar zahlen, ein Tablet-Video wäre den Bloggern 20.000 Dollar Wert. Kann man gar ein funktionierendes Gerät vorweisen und stellt es Valleywag für eine Stunde zur Verfügung, kann man mit 100.000 Dollar rechnen. Dass die Autoren aber nicht wirklich damit rechnen, ihr Geld loszuwerden, zeigt sich in einer 50.000-Dollar-Prämie, die sie für ein Video ausgelobt haben, das Steve Jobs im Umgang mit dem Tablet zeigt.

Ungeachtet dieser Aktion kulminieren die Gerüchte rund um das iSlate zusehends. So kursieren seit einigen Tagen Berichte, wonach Apple den Markt für 10-Zoll-Touchscreens quasi leergekauft haben soll. Zudem werden weiter wild angebliche technische Details des Geräts gestreut. So etwa die Angabe von Blogger John Gruber, den Gizmodo damit zitiert, es werde keine Kamera eingebaut sein. Der Boy Genius Report will unterdessen von einem verlässlichen Apple-Kontakt erfahren haben, dass das Tablet von einer ARM-CPU angetrieben wird, die interne Modellnummer K48AP trägt und eine Variante des iPhone OS als Betriebssystem nutzt. Es sei im Grunde "ein iPhone auf Steroiden", wird die Quelle zitiert.

Eine besonders schöne Zusammenfassung der aktuellen Gerüchte, Halb- und vielleicht Gar-nicht-Wahrheiten rund um das Apple-Tablet hat das Green Room Blog zusammengestellt. Statt all die Vermutungen noch einmal aufzuschreiben, haben die Blogger einfach eine wunderschöne Übersichtsgrafik kreiert, in der sich die bisher orakelten technischen Eckdaten nach Wahrscheinlichkeit sortiert eingetragen haben.

Ein neues iPhone schon im April?

Die umfangreichen Anpassungen des iPhone OS für das Apple Tablet seien auch der Grund für das mittlerweile mehrmonatige Ausbleiben jeglicher Software-Updates für Apples Handy. Das allerdings werde, mitsamt der neuen Softwareversion, bereits im April ausgeliefert werden, will die " Korea Times" erfahren haben, also zwei Monate früher als es Apples üblicher Rhythmus vorgeben würde.

Und auch mit Details über die technische Ausstattung sparen die Koreaner nicht. Ein Mitarbeiter des zweitgrößten südkoreanischen Mobilfunkanbieters soll dem Blatt verraten haben, dass das sogenannte iPhone 4G unter anderem mit einem Dual-Core-Prozessor ausgerüstet sein wird. Zudem soll der Bildschirm die OLED-Technik nutzen, welche beispielsweise Samsung-Handys zu besonders brillanten Bildschirmen verhilft. Zudem soll eine zweite Videokamera für Videochats sowie ein verbesserter Grafikchip genutzt werden.

All das hört sich an wie die Wunschliste eines iPhone-Fans. Die Glaubwürdigkeit des Berichts leidet aber vor allem an der Angabe, das neue Modell werde mit einem austauschbaren Akku geliefert. Das wäre nicht nur ein Novum für Apples iPhone-Linie, es würde außerdem dem aktuellen Trend des Herstellers entgegenstehen. Schließlich hat sich Apple seit einigen Monaten generell von wechselbaren Stromspeichern verabschiedet, baut auch in seine Notebooks nur noch fest verbaute Akkus ein. Die ermöglichen aufgrund der besseren Raumnutzung größere Kapazitäten, können aber nur noch mühsam oder von einem Apple-Techniker ausgetauscht werden.

Es wäre zumindest ungewöhnlich, wenn Apple das ausgerechnet beim iPhone ändern würde.

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