»Ready For«-Technik im Test Motorola will das Handy zum Homeoffice machen

Das neue Moto G100 von Motorola soll Smartphone und Mobil-PC zugleich sein. Was gut klingt, ist in der Praxis etwas fummelig, zeigt unser Test.
Motorolas mobiler Arbeitsplatz: Ein Handy, viele Kabel

Motorolas mobiler Arbeitsplatz: Ein Handy, viele Kabel

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Manche Smartphones sind mittlerweile so leistungsfähig, dass man sie mit Apps wie WhatsApp und Instagram bloß langweilt. Samsung beispielsweise pflegt mit »DeX« schon seit Jahren ein System, mit dem man seine Mobilgeräte an einen Bildschirm oder ans Display eines Notebooks anschließen und dann als Mini-Desktop-PC nutzen kann. Genau so etwas will Motorola jetzt auch bieten.

»Ready For« heißt die Technologie bei dem US-Unternehmen, das zum chinesischen Technologiekonzern Lenovo gehört. Und beim neuen Moto G100 ist »Ready For« auch gleich das herausragende Merkmal.

Wobei, ein bisschen übertrieben ist das schon. Eigentlich besticht das G100 damit, dass es für 500 Euro ganz schön viel bietet. Zum Beispiel einen Achtkern-Prozessor von Qualcomm, der vergangenes Jahr noch Top-of-the-line gewesen wäre, jetzt aber immerhin ausreicht, um das Smartphone nicht ins Schwitzen kommen zu lassen, auch nicht bei Büroarbeiten.

Der Bildschirm des G100

Der Bildschirm des G100

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Das Display ist mit 6,7 Zoll groß genug, hat mit 2520 x 1080 Pixeln eine ausreichend hohe Auflösung. Außerdem ist es meist hell genug und zeigt im Farbmodus »Natürlich« auch realistische Farben an. Der Arbeitsspeicher ist mit acht Gigabyte (GB) gut bestückt, der Speicherplatz mit 128 GB für grundlegende Ansprüche ausreichend, zumal er erweitert werden kann.

Auch Funkmodule für 5G und Wifi 6 sind eingebaut. Die Akkulaufzeit im Dauerbetrieb bei voller Helligkeit ist mit zwölf Stunden ausreichend, um über einen normalen Tag zu kommen. Nicht so erfreulich ist, dass das Gerät nur nach IP52 gegen Staub und Wasser geschützt ist. Einen leichten Regen sollte es so aushalten, ein Bad in einem Wasserglas nicht unbedingt.

Um die Ultraweitwinkel-/Makro-Linse ist ein Ringlicht angebracht

Um die Ultraweitwinkel-/Makro-Linse ist ein Ringlicht angebracht

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Der beeindruckende Kameraaufbau auf der Rückseite verspricht mehr, als er halten kann. Was nach einer Vierfachkamera aussieht, sind tatsächlich eine 64-Megapixel Weitwinkel-Kamera und eine Ultraweitwinkel- und Makrokamera mit 16 Megapixeln. Ihnen zur Seite stehen ein Tiefensensor, der beispielsweise für Porträtfotos wichtig ist, sowie ein Laser-Autofokus.

Aufnahme mit »Spotfarbe«-Effekt

Aufnahme mit »Spotfarbe«-Effekt

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Die Bildqualität beim Fotografieren ist bei guter Beleuchtung gut bis sehr gut, solange man auf das fehlende Teleobjektiv verzichten kann. Motorolas Foto-App ist prima zu bedienen und bietet neben der Makrofunktion einige interessante Extras. Bei der »Spotfarbe« etwa werden alle Farben bis auf eine in Graustufen umgewandelt. Videos nimmt das G100 in bis zu UHD-Auflösung mit 60 Bildern pro Sekunden ruckelfrei und ohne sichtbares Pumpen bei Helligkeitswechseln auf.

Ein mit dem Moto G100 aufgenommenes Makro-Foto

Ein mit dem Moto G100 aufgenommenes Makro-Foto

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Viel Gefummel im Homeoffice

Der Karton, in dem das G100 geliefert wird, ist beeindruckend groß. Ganz entgegen dem Trend liefert Motorola nicht nur ein Kabel, sondern auch ein Netzteil mit. Zusätzlich liegt ein Kabel bei, mit dem man es per HDMI an einen Fernseher oder Beamer anschließen kann, etwa, um Filme anzusehen. Den meisten Platz beansprucht aber die Dockingstation, in die man das Handy zum Aufladen und für Videochats einstecken kann.

Außerdem dient sie als Verbindungsstelle zum Bildschirm, wenn man das G100 getreu dem Motto »Ready For« als PC-Ersatz verwenden will. Das setzt allerdings einen Haufen Zubehör samt Kabeln und etwas Geduld beim Zusammenbau voraus.

Für den Test schickte mir Motorola ein Display (Lenovo ThinkVision M14t, ca. 300 Euro), einen USB-Hub (71 Euro), eine Maus (17 Euro) und eine Multimediatastatur (59 Euro) aus dem Programm des PC-Herstellers sowie einen Xbox-Gamecontroller von Microsoft (50 Euro).

Beim Ausprobieren machte ich die Erfahrung, dass man nur die mitgelieferten Strippen verwenden sollte. Mein Versuch, etwa die Verbindung zwischen Dockingstation und Display mit einem eigenen hochwertigen Kabel herzustellen, scheiterte.

Welchen Modus hätten Sie denn gern?

Welchen Modus hätten Sie denn gern?

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Wenn dann aber alles korrekt verkabelt und eingeschaltet ist, erscheint auf Display und Smartphone ein Auswahlbildschirm, auf dem man auswählt, ob man chatten, spielen, fernsehen oder einfach in den Desktopmodus umschalten möchte.

Hat man sich hier entschieden, fallen zwei Dinge auf: Zum einen, dass sich zwar alle Apps auf die Größe des Displays aufziehen lassen, aber nicht alle dafür angepasst sind, wie beispielsweise YouTube. Zum anderen, dass das G100 überhaupt keine Mühe damit hat, den viel größeren Bildschirm anzusteuern.

Fotostrecke

Motorola Moto G100 Ready For

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Das Android-Spiel »Real Racing 3« (siehe Fotostrecke) beispielsweise läuft darauf ebenso geschmeidig wie auf dem Handy selbst. Auch Filme von Netflix oder Amazon Prime Video machen keinerlei Probleme und wer mag, kann sein zum Pseudo-PC aufgewertetes Smartphone auch für so amüsante Dinge wie Textverarbeitung und Tabellenkalkulation benutzen. Einen Unterschied zu einem Notebook mit Googles Chrome OS wird man kaum feststellen, jedenfalls nicht, was die Performance angeht.

Nervig ist aber, dass der Lüfter der Dockingstation permanent läuft. Mit rund 40 Dezibel ist er zwar nicht sonderlich laut, er sorgt aber trotzdem für ein permanentes Hintergrundrauschen. Ebenfalls störend: Nach längere Arbeitspausen, in denen das Smartphone in den Ruhezustand umschaltete, verlor das Handy den Kontakt zu Maus und Tastatur. Vermutlich ist Lenovos USB-Hub der Auslöser für diese Probleme. Wer sich für ein solches System interessiert, sollte wohl lieber einen anderen Hub wählen.

Fazit

Insgesamt ist das Moto G100 ein gutes Smartphone. Der Kauf lohnt sich in erster Linie, wenn man das mitgelieferte Zubehör, also das HDMI-Kabel und die Dockingstation, gebrauchen kann. Denn auch als PC-Ersatz macht das Gerät eine gute Figur, sofern man nicht auf Windows angewiesen ist.

Als sonderlich mobil würde ich eine solche Lösung aber nicht betrachten, dafür muss man etwa fürs Arbeiten zu viele Kabel und Zubehörteile mitschleppen und zusammenstecken. Auf kleinen Tischen in Flugzeugen und Zügen wird das nicht klappen. Zu Hause sieht das anders aus, wenn man das ganze Set-up fest verkabelt stehen lassen und einfach das Handy einstöpseln kann, wenn man heimkommt.

Faszinierend ist es definitiv, wie lässig selbst ein Mittelklasse-Smartphone wie das Moto G100 die Rolle eines Computers übernehmen kann. Eine Lösung für alle ist seine »Ready For«-Technik aber nicht. Allein für den Preis des mir geschickten Lenovo-Displays könnte man schon ein brauchbares Chromebook kaufen.

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