Mit Faltbildschirm Motorola legt das Klapphandy Razr neu auf

Nach Samsung und Huawei hat jetzt auch Motorola ein Smartphone mit flexiblem Bildschirm vorgestellt. Das futuristische Handy basiert auf einem uralten Klapp-Design - und hat einen versteckten "Retro-Modus".
Das neue Motorola Razr: Sieht auf den ersten Blick fast aus wie das alte

Das neue Motorola Razr: Sieht auf den ersten Blick fast aus wie das alte

Foto: Motorola

Das neue Motorola Razr sieht auf den ersten Blick aus wie ein Klapphandy vom Anfang des Jahrtausends: Zusammengeklappt ist es so klein, dass es tief in der Hosentasche versinkt. Klappt man es auf, öffnet sich allerdings ein langgestreckter, faltbarer Bildschirm. Das neue Razr, das Motorola am Donnerstag vorgestellt hat, ist Hightech. Und es ist ein ganz anderer Ansatz, wie man faltbare Displays in Smartphones einsetzen könnte.

Samsung und Huawei haben dazu je bereits mit dem Galaxy Fold 5G und dem Mate X ihre eigenen Ansätze gezeigt und auf den Markt gebracht. Beide setzen auf eher traditionelle Smartphone-Formate, die sich beim Aufklappen zu Mini-Tablets entfalten. Nachzügler Motorola hingegen versucht sich an einem Konzept, mit dem der Konzern schon einmal Erfolg hatte, dem Klapphandy.

Eines der meistverkauften Handys der Welt: Das Motorola Razr V3

Eines der meistverkauften Handys der Welt: Das Motorola Razr V3

Foto: Motorola / AP

Anfang der Nullerjahre, als der Hersteller das erste Modell der Baureihe, das Razr V3, auf den Markt brachte, waren Handys noch dumm und derjenige König, der das kleinste Gerät herstellen konnte. Dass der Bildschirm nur 2,2 Zoll groß war, störte damals niemanden, man wollte damit ja nicht im Netz surfen, und Instagram war noch etliche Jahre von seiner Erfindung entfernt. Mit der miesen VGA-Kamera des V3 hätte es ohnehin keinen Spaß gemacht.

Was dagegen Spaß gemacht hat, war die kinderleichte Bedienung des Razr. Wollte man einen Anruf annehmen, hat man es einfach aufgeklappt, zum Auflegen wieder zugeklappt. Dieses simple Funktionsprinzip und das Design haben dafür gesorgt, dass die Razr-Reihe einige der am meisten verkauften Handys hervorgebracht hat. Kein Wunder also, dass Motorola versucht, mit dem neuen Razr an alte Erfolge anzuknüpfen.

Zusammengeklappt dürfte das neue Razr ungewohnt handlich sein

Zusammengeklappt dürfte das neue Razr ungewohnt handlich sein

Foto: Motorola

Anders als Samsung und Huawei löst sich Motorola dabei quasi zwangsläufig vom aktuell üblichen Smartphone-Design. Das neue Razr hat außen ein geradezu winzig anmutendes 2,7-Zoll-Bildschirmchen. Aufgeklappt entfaltet sich innen aber ein 6,2 Zoll großes Flex-Display mit 2142 x 876 Pixeln Auflösung, was einem Bildseitenverhältnis von 21:9 entspricht, so wie im Kino. Anders als etwa bei Samsung Galaxy Fold 5G wird man also beim Filmegucken keine dicken schwarzen Balken ober- und unterhalb des Displays sehen.

Aufgeklappt entfaltet sich ein 6,2-Zoll-Bildschirm

Aufgeklappt entfaltet sich ein 6,2-Zoll-Bildschirm

Foto: Motorola

Der Snapdragon-710-Prozessor, von dem es angetrieben wird, gilt als so leistungsstark, dass er an der Oberklasse kratzt, der Arbeitsspeicher ist mit sechs Gigabyte (GB) gut bestückt, für Fotos, Videos und Musik gibt es 128 GB Speicher, die aber offenbar nicht erweiterbar sind. Auch 5G-Technologie gibt es im neuen Razr nicht, dafür eine wasserabweisende Beschichtung, eine Hauptkamera mit 16 Megapixeln und eine Selfie-Cam mit fünf Megapixeln.

Die Qualität der Kameras dürfte die des Original-Razrs bei Weitem übertreffen

Die Qualität der Kameras dürfte die des Original-Razrs bei Weitem übertreffen

Foto: Motorola

Bei der Farbauswahl macht es Motorola seinen Kunden leicht: Das neue Razr gibt es ausschließlich in Schwarz. Ebenso einfach ist das Android-Betriebssystem gehalten, das ohne jegliche Veränderungen, also so, wie es von Google kommt, auf das Gerät aufgespielt wird. Das ermöglicht eine schnelle Verfügbarkeit von Updates. Leider wird es noch mit dem schon jetzt veralteten Android 9 ausgeliefert.

Aber dieses Android kann man auch komplett umgehen, wie US-Journalisten herausgefunden haben. Denn Motorola hat in das neue Razr einen versteckten Retro-Modus eingebaut. Ist der aktiviert, wird auf dem Bildschirm die Benutzeroberfläche des Razr V3 von 2004 nachgeahmt.

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Und zwar so realistisch, dass man beispielsweise zum Auswählen der Bluetooth-Funktion deren Symbol nicht einfach antippen, sondern umständlich mit den nachgemachten Pfeiltasten ansteuern muss. Spaß dürften daran nur ehemalige Razr-Besitzer finden und auch die wohl nur für kurze Zeit. Aber ein nettes Gimmick ist dieser Modus auf jeden Fall.

Weniger nett sind dagegen der Preis und die geplante Markteinführung. In den USA soll das nach seinen technischen Daten eher der Mitteklasse zugehörige neue Razr 1500 Dollar kosten. Einen Euro-Preis hat Motorola noch nicht verraten, wohl aber dass das Gerät "ab Dezember in ausgewählten Märkten Europas verfügbar" sein soll.

Deutschland wird dazu jedoch nicht gehören. Hierzulande ist die Markteinführung schwammig für das erste Halbjahr 2020 geplant.

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