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08. Januar 2014, 06:29 Uhr

Moverio BT-200

Das kann Epsons Computerbrille

Aus Las Vegas berichtet

Diese Brille ist ein Gegenentwurf zu Google Glass: Auf der CES in Las Vegas hat Epson eine Datenbrille vorgestellt, die mit dem Android-System Apps, Filme, E-Mails und Webseiten ins Blickfeld des Nutzers projiziert. Wir konnten das Gerät bereits ausprobieren.

Epson hat Mut. Der japanische, vor allem für Drucker und Scanner bekannte Elektronikkonzern macht Googles Datenbrille Glass Konkurrenz. Von Epsons erstem Entwurf einer Datenbrille, der Moverio, haben wohl nur wirklich an dem Thema interessierte Menschen gehört. Vielleicht ist das auch besser so, denn die erste Version war so groß, klobig und schwer, dass sie sich kaum jemand freiwillig aufsetzen mochte. Bei dem neuen Modell, das die Firma nun auf der CES vorstellt, hat sich das drastisch geändert. Die Entwickler haben die Projektionstechnik deutlich verkleinert, die BT-200 genannte zweiter Version wiegt nur noch 88 Gramm.

Wirklich leicht fühlt sie sich trotzdem nicht an, als ich sie in einem Hotelzimmer in Las Vegas aufsetze, sie stört aber auch nicht über Gebühr. Allerdings gibt es einen deutlichen Unterschied zu Google Glass: Prozessor, Speicher und Akku stecken in einem externen Kästchen, das per Kabel mit der Brille verbunden ist. Etwa so groß wie ein kleines Smartphone ist die Box, auf deren Vorderseite ein Touchpad eingebaut ist, das zur Steuerung der Software dient. Immerhin: Kabellage und Elektronikbox sind viel leichter und übersichtlicher als die entsprechende Technik einer Brother-Datenbrille, die ich vor wenigen Jahren getestet habe.

Gleich beim ersten Aufsetzen fällt ein großer Unterschied zur Google-Brille auf: Das Bild wird mittig projiziert, so als würde man auf eine Leinwand schauen. Die Google Glass hingegen zeigt ihr Bild immer nur auf einer Seite weit oben außerhalb des normalen Blickfelds an.

Brille mit Durchblick

Ein Auflösungswunder ist die Brille nicht. Sie zeigt qHD-Auflösung an, das ist ein Viertel der Full-HD-Auflösung moderner Fernseher, also nur 960 x 540 Pixel. Als störend empfinde ich das aber nicht, schließlich wird das Bild ohnehin nicht deckend, sondern halbtransparent dargestellt. So kann man immer genau sehen, auf welchen Hintergrund man schaut. Bei dunklen Hintergründen wirkt das Bild deutlich kontrastreicher, schwächer ist es, wenn man beispielsweise in den Himmel schaut.

Wegen dieser Eigenheit eignet sich Epsons Moverio besonders gut für sogenannte Augmented-Reality-Anwendungen. Das sind Apps, die Informationen über Objekte in der realen Welt ins Monitorbild einblenden. Auf Smartphones zeigen solche Apps beispielsweise Informationen zu Sehenswürdigkeiten in einem Echtzeit-Videobild der Umgebung an.

Angriff virtueller Roboter

Besonders populär sind solche Anwendungen aber noch nicht. Dafür ist es zu nervig, dass man sich stets das Handy vors Gesicht halten muss, um die eingeblendeten Infos zu sehen. Entsprechend mager ist die Auswahl solcher Apps. Epson glaubt nun, Entwickler mit der Moverio motivieren zu können, neue Augmented-Reality-Apps zu programmieren. Mit der Brille lassen sich solche Apps bequemer nutzen.

Auf meinem Testgerät sind nur einige Demo-Programme installiert. Die zeigen schon, was möglich ist. Eine App blendet in die Zeichnung eines Reifens ein 3-D-Modell einer Radkappe ein, die sich im Raum bewegt, wenn man die Zeichnung bewegt. In einem Spiel wird man von virtuellen Robotern angegriffen. Um die zu erschießen, muss man seinen Kopf in Richtung der Angreifer drehen und die Gegner mit der Brille anvisieren. Möglich ist das, weil im Brillengestell Lagesensoren eingebaut sind, wie man sie von Smartphones kennt. Der GPS-Empfänger steckt noch in der Elektronikbox, auch der Akku hat hier Platz gefunden.

Die Umwelt wird plötzlich pixelig

Wäre das Gerät ein normales Smartphone, müsste man es als veraltet ansehen. Der Dualcore-Prozessor zuckelt mit 1,2 GHz dahin, einem GB Arbeitsspeicher stehen acht GB Massenspeicher zur Seite, die um maximal 32 GB erweitert werden können. Immerhin: Die integrierte Miracast-Technik ermöglicht es, das Bild der Brille drahtlos auf einen Fernseher zu übertragen. Als Betriebssystem dient Android 4.0.4.

Die in das Brillengestell integrierte Kamera dient dazu, bei Augmented-Reality-Apps ein Bild der Umgebung mit den vom Rechner erzeugten Daten zu verbinden und ins Sichtfeld zu projizieren. Deren Auflösung ist mit 640 x 480 Bildpunkten sehr gering, was ich bei Ausprobieren dieser Funktionen überdeutlich zu sehen bekomme: Nicht nur die eingeblendeten Grafiken wirken grob und pixelig, auch die gefilmte Umwelt ist plötzlich viel kantiger.

Ein Fazit

Ihren Zweck erfüllt die Kamera wohl, ein Augenschmaus sind die von ihr aufgenommenen Bilder nicht. Da bin ich schon fast froh, dass Epson keine Aufnahmefunktion für Fotos und Videos vorgesehen hat. Deren Ergebnisse wären mit Sicherheit enttäuschend.

Für ein echtes Fazit ist es noch zu früh. Erst im Mai soll die Moverio BT-200 auf den Markt kommen, sie wird dann etwa 700 Euro kosten. Ob sie das wert ist, hängt entscheidet davon ab, welche und wie viele für die Datenbrille optimierte Apps es dann in Epsons Download-Angebot für Brillen-Apps geben wird.

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