MyWallet Telekom führt digitales Bezahlen ein

Bezahlen per Smartphone gilt als Zukunftsmarkt, jetzt will auch die Telekom in dem Geschäft durchstarten. Sie setzt dabei auf ein digitales Portemonnaie mit NFC-Funk. In der Branche ist diese Technologie umstritten.
MyWallet-App: Vorerst für 18 Smartphone-Modelle verfügbar

MyWallet-App: Vorerst für 18 Smartphone-Modelle verfügbar

Foto: Oliver Berg/ dpa

Bonn - Die Deutsche Telekom macht einen neuen Anlauf, das Smartphone als elektronische Geldbörse zu etablieren. Mit dem Dienst MyWallet  soll man an entsprechend ausgerüsteten Kassen-Terminals mit dem Handy statt mit Bargeld, EC- oder Kreditkarte bezahlen können.

Zunächst ist der Dienst für 18 Smartphone-Modelle von Samsung und Sony verfügbar, die den NFC-Nahfunk unterstützen. Damit hätten bereits mehr als zwei Millionen Telekom-Kunden in Deutschland die Voraussetzung für die neue Zahlmethode, sagte Telekom-Manager Thomas Kiessling am Dienstag.

Unter den Geräten sind verschiedene Modelle aus Samsungs Galaxy-Serien S3 und S4, das aktuelle Galaxy S5 sowie mehrere Geräte aus Sonys Xperia-Reihe. Nutzer anderer Smartphones können sich zunächst mit einem NFC-Sticker behelfen, der auf das Smartphone geklebt werden soll. Unter anderem Apples iPhones werden immer noch ohne NFC-Chip ausgeliefert.

Kabellos Kaffee kaufen

Zum Telekom-System gehört auch eine spezielle Sim-Karte, die als Daten-Safe dient. In dem digitalen Portemonnaie sollen in Zukunft auch Konzert-Tickets, Bonuspunkte-Karten oder Mitgliedsausweise gespeichert werden können.

In Deutschland gebe es bisher 35.000 Standorte, die Bezahlen per NFC akzeptierten. Es sind größtenteils Ketten wie etwa Aral, Douglas, Thalia, Starbucks oder die Kaufhof-Warenhäuser. Insgesamt gibt es in Deutschland nach Branchenschätzungen über eine Million Kartenakzeptanz-Stellen - damit ist der NFC-Anteil noch relativ überschaubar. Im Sommer soll eine Kooperation mit dem Raststättenbetreiber Tank & Rast folgen, der 400 Kaffeeautomaten mit der Technik ausstatten will.

Die Bezahl-Dienstleister sind jedoch noch uneins über die Rolle von NFC (Near Field Communication). Der Kreditkarten-Anbieter Mastercard setzt konsequent auf diese Technik und stellte weltweit bereits 1,6 Millionen Terminals seines Paypass-Systems für kontaktloses Bezahlen auf, die auch mit der Telekom-Geldbörse genutzt werden können. Der Online-Bezahldienst PayPal kritisiert hingegen, NFC bringe keinen Mehrwert gegenüber herkömmlichen Bankkarten.

Die Telekom will ihre digitale Brieftasche rasch auch international einführen, zunächst in der Slowakei und in Ungarn. In Deutschland bieten die Telekom-Konkurrenten Vodafone, Telefónica O2 und E-Plus bereits eigene digitale Bezahlsysteme an.

mak/dpa