Nach Verkaufsstopp Intel liefert Pannen-Chips wieder aus

Die Kundschaft kann nicht warten. Wohl deshalb will Intel jetzt bestimmte Chips doch ausliefern, die das Unternehmen erst vor einer Woche als potentiell fehleranfällig benannt hat. PC-Hersteller dürfen den Baustein aber nur unter Auflagen einsetzen.

Intel-Hauptquartier in Santa Clara: Eine Milliarde Dollar könnte die Chip-Panne kosten
dapd

Intel-Hauptquartier in Santa Clara: Eine Milliarde Dollar könnte die Chip-Panne kosten


Santa Clara - Gerade mal eine Woche hat der Verkaufsstopp gedauert. Jetzt kündigt Intel an, einen bestimmten Typ potentiell problematischer Mikrochips doch wieder ausliefern zu wollen. Die Panne bei einem Chip des sogenannten Series-6-Chipsatzes, der die nagelneuen Sandy-Bridge-Prozessoren unterstützt, hatte die PC-Branche kräftig durcheinander gewirbelt, bei Anbietern und Käufern für Verunsicherung gesorgt.

Ein nachgebesserter, fehlerfreier Chipsatz für die neue Prozessorgeneration soll nun bereits Mitte Februar ausgeliefert werden. Die Produktion des um den Fehler bereinigten Modells sei schon angelaufen, teilt Intel in einem Blog-Posting mit. Damit werde der Chip nun zwei Wochen früher als ursprünglich geplant an die Computerhersteller ausgeliefert werden können, heißt es aus dem Hauptquartier des weltgrößten Chip-Fabrikanten in Santa Clara.

Bis es soweit ist, und das wird einige Computerkäufer verunsichern, wird Intel auf Drängen der PC-Hersteller den selbst verhängten Verkaufsstopp für die bereits gefertigten, fehlerhaften Chipsätze lockern. Bei großen Herstellern wie HP und Dell stehen viele Bänder still, weil bei ihnen viele neue PC- und Notebookmodelle auf Intels Sandy-Bridge-CPU basieren und ohne die aus dem Verkauf genommen Series-6-Hilfs-Chips nicht produziert werden können.

Die problematischen Chips würden nun aber nur in solchen Systemen verbaut werden, bei denen der Fehler nicht auftrete, versprach Intel. Die Computerbauer müssten sich verpflichten, diese Vorgabe strikt einzuhalten. Inwiefern sichergestellt werden kann, dass bei bestimmten PC-Konfigurationen der monierte Chip-Fehler nicht auftrete, erklärte das Unternehmen nicht.

Intel hatte die mögliche Fehlfunktionen in dem fraglichen Chip vor einer Woche eingeräumt und sofort dessen Produktion und Auslieferung gestoppt. Das fehlerhafte Bauteil steuert unter anderem Festplatten und DVD-Laufwerke an und kann hier zu Beeinträchtigungen führen. Neben dem Produktionsstopp hatte Intel außerdem einen Rückruf für bereits gelieferte Chips gestartet und angekündigt, in Zusammenarbeit mit den PC-Herstellern Computer zurückzunehmen oder umzutauschen, die bereits mit dem Pannen-Chip ausgeliefert worden sind. Einige Unternehmen haben bereits entsprechende Tauschprogramme anlaufen lassen.

Intel rechnet mit Kosten von bis zu einer Milliarde Dollar durch das Austauschprogramm und entgangene Verkäufe.

mak/dpa

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Reformhaus, 08.02.2011
1. Informationspolitik eines Politbüros
---Zitat von INTEL--- Inwiefern sichergestellt werden kann, dass bei bestimmten PC-Konfigurationen der monierte Chip-Fehler nicht auftrete, erklärte das Unternehmen nicht. ---Zitatende--- Solange INTEL nicht die Karten auf den Tisch legt, und klarstellt, wann und wie der Fehler festgestellt werden kann, zumindest die betroffenen Seriennummern, bleibt nichts anderes übrig, strikt so lange zu warten, bis die fehlerhaften Chips nicht mehr im Handel auftauchen. Und wenn die weiter so mauern, kann das ziemlich lange dauern. Brutalstmögliche Aufklärung scheint nötig zu sein. Die Informationspolitik erinnert an die des Kreml zu seinen"besten Zeiten".
seine_unermesslichkeit 08.02.2011
2. ...
Tja, ein einziges fehlerhaftes Bit oder eine fehlerhafte Speicherzelle bringt diese streng deterministische Maschine Computer zum Absturz. Dieses Grundübel hat der Computer mit seinen hochkompexen Chips und dem Betriebssystem immer noch.
biggathanyou 08.02.2011
3. "Fehlerhaft"
Ich glaube es handelt sich eigentlich nur um einen Fehler im HighEnd Consumerbereich. Bei dem Betrieb von 2 Grafikkarten (SLI/Crossfire) werden beide 16x PCIe Lanes belegt, der SATA3 Port benutzt allerdings auch die PCIe Lane und nutzt deren Bandbreite. D.H. SLI und SATA3/USB3.0 funktioniert nicht zusammen. So hatte ich das verstanden. Dieser Fehler kommt also bei DELL Produkten sicher nicht vor, da keines dieser Gerät 2 Grafikkarten nutzt. So könenn Laptops, Netbooks, Desktops sicher gekauft werden ohne Angst vor Defekten, so lange man kein Benchmarker, OCler oder Gamer ist (nur bei SLI)....und man nicht SATA3/USB3.0 nutzen will. Falls ich hier falsch liege, bitte ich um Korrektur.
mibmab 08.02.2011
4. keine panik
Zitat von ReformhausSolange INTEL nicht die Karten auf den Tisch legt, und klarstellt, wann und wie der Fehler festgestellt werden kann, zumindest die betroffenen Seriennummern, bleibt nichts anderes übrig, strikt so lange zu warten, bis die fehlerhaften Chips nicht mehr im Handel auftauchen. Und wenn die weiter so mauern, kann das ziemlich lange dauern. Brutalstmögliche Aufklärung scheint nötig zu sein. Die Informationspolitik erinnert an die des Kreml zu seinen"besten Zeiten".
Welche Karten soll Intel denn noch auf den Tisch legen? Es ist klar, dass alle aktuellen Sandy Bridge Chipsätze mit dem Stepping B2 betroffen sind. Das heisst, dass bei allen Systemen mit diesem Chipsatz ein Risiko besteht, dass es mittel- bis langfristig Probleme mit den SATA2 Ports gibt. Die fehlerbereinigten Chipsätze werden das Stepping B3 haben. Auf dem heise newsticker gibt es Infos wie man die Chipsätze per software identifiziert - und auch links zu weiteren Infos bei Intel. Auf Anandtech gibt es einen ausführlichen Artikel zu den technischen Hintergründen des Fehlers. Die Situation ist doch klar. Bürorechner oder Laptops mit Sandy Bridge, die nur die SATA3 Ports nutzen, kann man problemlos weiter benutzen. Deswegen auch die überlegung, solche Systeme mit Auflagen weiter zu verkaufen. In allen anderen Fällen sollte man besser auf systeme mit dem neuen stepping warten.
Schnarchhahn 08.02.2011
5. Ist doch alles schon längst bekannt
Zitat von ReformhausSolange INTEL nicht die Karten auf den Tisch legt, und klarstellt, wann und wie der Fehler festgestellt werden kann, zumindest die betroffenen Seriennummern, bleibt nichts anderes übrig, strikt so lange zu warten, bis die fehlerhaften Chips nicht mehr im Handel auftauchen. Und wenn die weiter so mauern, kann das ziemlich lange dauern. Brutalstmögliche Aufklärung scheint nötig zu sein. Die Informationspolitik erinnert an die des Kreml zu seinen"besten Zeiten".
Nein. Die Informationspolitik von Intel ist sogar sehr offen. Nur weil der Spiegel die vorliegenden Informationen unterschlägt, heißt das nicht, dass die Branche oder der informierte Kunde im Dunkeln tappen muss. Die Spec-Codes des betroffenen Steppings 2 sowie des korrigierten Steppings 3 sind veröffentlicht worden: Chips. B2 B3 P67 SLH84 SLJ4C H67 SLH82 SLJ49 HM65 SLH9D SLJ4P HM67 SLH9C SLJ4N Außerdem ist natürlich bekannt, dass das Problem bei den Chipsätzen mit einer über die Zeit nachlassenden Signalqualität der SATA2-Anschlüsse zusammenhängt. Da jedes Mainboard zusätzlich über mindestens zwei SATA3-Anschlüsse verfügt, kann das Problem umgangen werden, indem man nur diese Anschlüsse nutzt. Für Komplettsysteme, insbesondere Notebooks, kann das durchaus ausreichend sein.
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