Neue Bewegungssteuerung Winke, winke, W-Lan

Noch brauchen Spielkonsolen und Fernseher für Gestensteuerung eigene Sensoren. Eine neue Technik nutzt stattdessen W-Lan zur Erkennung von Bewegungen - und zwar in der ganzen Wohnung.
Gestensteuerung per W-Lan: Handbewegungen beeinflussen Funksignale

Gestensteuerung per W-Lan: Handbewegungen beeinflussen Funksignale

Foto: University of Washington

Wildes Fuchteln mit den Händen bringt W-Lan-Router zwar nicht aus dem Takt, aber beeinflusst die Funksignale. Normalerweise ignorieren moderne Geräte diese kleinen Störungen. Informatiker von der University of Washington wollen sie jetzt sinnvoll nutzen, um Geräte wie Fernseher und Stereoanlagen fernzusteuern. Auf der Mobicom-Konferenz 2013  im September wollen die Forscher um Shyam Gollakota eine Technik vorstellen, die diese Möglichkeit nutzt .

Die Forscher analysierten die Frequenzmuster die bei Bewegungen der Hände entstehen mit einer WiSee getauften Technik . Befindet sich eine Person in einem von Funkwellen durchzogenem Raum, reflektiert sie einen Teil der Strahlung. Die Wissenschaftler nutzen das und den Doppler-Effekt für ihre Gestenerkennung aus: Bewegt sich ein Objekt, verändert es die Frequenz der Wellen, die es aussendet. Ein Phänomen, das bei vorbeifahrenden Rettungswagen für ein An- und Abschwellen des Sirenentons sorgt.

Ein Wischen oder Winken mit der Hand im Raum kann genau solche Schwankungen in W-Lan-Signalen hervorrufen. Die sind zwar sehr gering, aber messbar. In den gängigen W-Lan-Frequenzbereichen liegen sie bei einigen Hertz, so die Informatiker in ihrem Paper. Jede Geste erzeugt ein spezielles Frequenzmuster, wie ein Demonstrationsvideo  zeigt.

Persönliche Gesten als Passwort

Besonders praktisch sei, dass für die WiSee getaufte Technik keine Änderung der etablierten Funkstandards nötig seien. Neue Router müssten nur mit einer Software ausgerüstet werden, die diese Signalabweichungen auswerten kann, so die Wissenschaftler. "Sie können die Gestenerkennung per Funk nutzen, ohne zusätzliche Sensoren aufzustellen." Hätte ein Router einmal gelernt, welche Geste welches Signalmuster hervorruft, ließen sich Fernseher, Haustechnik oder Musikanlagen damit steuern. Direkter Sichtkontakt wie bei üblichen Fernbedienungen wäre nicht mehr nötig.

Damit der Router alltägliche Handgriffe nicht versehentlich als Kommando interpretiert, schlagen die Wissenschaftler eine Startsequenz vor. Erst nach ihr sollen die Nutzer die eigentlichen Steuergesten senden können. Ähnlich wie bei der Sprachsteuerung von Google Glass, bei der immer "Okay, Glass" vorangeschoben werden muss. "Eine solche Sequenz könnte auch als persönliches Passwort das System vor Fremden schützen", schreiben sie. Es würde auch verhindern, dass das System Personen außerhalb des Hauses beachtet.

Die Genauigkeit von WiSee geben Gollakota und seine Kollegen mit 94 Prozent an. Hunderte Kommandos mit neun verschiedene Gesten werteten die Forscher dafür aus. Dabei merkten sie auch, dass die Gestenerkennung ungenauer wurde, sobald mehr als eine Person sich in Reichweite des W-Lans bewegte. Drei zusätzliche sich zufällig bewegende Menschen soll das System aber gerade noch verkraften. Je mehr Personen sich allerdings in der Nähe aufhielten, desto ungenauer werde die Technik.

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