Neue E-Reader auf der CES Dresdner Kindl soll Kindle kaltstellen

Der Kindle von Amazon bekommt reichlich Konkurrenz. Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas präsentieren weitere Hersteller ihre E-Reader. Die Schwarz-Weiß-Geräte von Plastic Logic und Skiff sollen mit Komfort und schicker Optik punkten. SPIEGEL ONLINE hat die superflachen Hoffnungsträger der Verlagsbranche bereits ausprobiert.

Aus Las Vegas berichtet Roland Austinat


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CES: Das Lesen wird digital
Las Vegas - Das papierlose Büro lässt nach wie vor auf sich warten - doch wie sieht es mit der papierlosen Aktentasche aus? Nicht viel besser, klagt Richard Archuleta, CEO von Plastic Logic. Noch immer schleppen Geschäftsleute seiner Meinung nach viel zu viele Ordner, Ausdrucke, Magazine und Zeitungen mit sich herum. Das will seine Firma mit dem QUE proReader ändern, der in Dresden zusammengebaut wird.

Das Lesegerät, das er mit einem dünnen Papierstapel vergleicht, besitzt eine Bildschirmdiagonale von 26,67 Zentimetern, ist gerade mal 7,6 Millimeter dick und knapp 500 Gramm schwer. Es besitzt, anders als etwa Amazons Kindle, keine Tastatur, sondern wird komplett per Touchscreen gesteuert. Das vom renommierten Designhaus IDEO entwickelte System erinnert an einen digitalen Bilderrahmen mit schwarzem Rand und setzt auf bewährte E-Ink-Technik.

Der QUE ist kontaktfreudig: Er verbindet sich schnurlos als Quasi-Drucker mit dem eigenen Computer und verarbeitet alle nur erdenklichen Dateien. Per Bluetooth-Übertragung finden Dokumente aus einem Blackberry-Smartphone den Weg ins Lesegerät und können dort mit Post-it-ähnlichen Notizen versehen werden. Bis zum US-Verkaufsstart im April soll noch ein Mail- und Kalenderprogramm fertig werden, das Daten aus Microsofts Exchange- und Live-Diensten, Google- und Yahoo Mail übernimmt. Auch in Europa soll das Gerät verkauft werden, allerdings gibt es dafür noch keinen Termin.

QUE proReader: ein E-Reader für Berufstätige

Dass sich Plastic Logic mit dem QUE vor allem an Geschäftskunden richtet, zeigt auch, dass Wirtschaftsmagazine und -zeitungen wie "Fast Company" und "The Wall Street Journal" im digitalen Abo erhältlich sind. Gleiches gilt für Fachliteratur, die pikanterweise über den Internet-Shop der Buchladenkette Barnes & Noble angeboten wird.

Pikanterweise deshalb, weil Barnes & Noble mit dem Nook einen eigenen E-Reader ins Rennen schickt. Nook und QUE sollen sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Zielgruppen allerdings keine Konkurrenz machen. Kevin Frain, Vizepräsident für E-Commerce des Buchriesen: "Für den QUE liefern wir beispielsweise die Top-Titel der 'Business-Week'-Bestsellerliste, der Nook bekommt die eher allgemein gehaltenen Verkaufsfavoriten der 'New York Times'."

Beim ersten Test des Gerätes fallen die einfache, durchdachte Steuerung und das gut lesbare Display positiv auf. Das Blättern von einer Seite zur nächsten lahmt jedoch noch - eine knappe Sekunde Wartezeit, das scheint noch verbesserungswürdig. Businesslike ist auch der Preis des QUE proReaders: Mit 4 Gigabyte Hauptspeicher, WiFi-, Bluetooth- und USB-Support soll er 649 Dollar, mit 8 GByte RAM und zusätzlicher 3G-Funknetzwerk-Unterstützung gar 799 Dollar kosten. Amazons Kindle beziehungsweise den Nook von Barnes & Noble gibt es schon ab 259 Dollar.

Skiff-Reader: der Retter der Tageszeitung?

Deutlich massenkompatibler will Skiffs gleichnamiger E-Reader sein. Die Firma versteht sich gleichzeitig als Anwalt der in den USA wirtschaftlich massiv bedrohten Printmedien: "Wir wollen den Verlagen helfen, ihre Zeitungen und Zeitschriften zu retten und ihnen den Sprung ins digitale Zeitalter erleichtern", erklärt Kiliaen van Rensselaer, Marketing-Chef von Skiff. "Ich kenne kaum einen anderen Entwickler von E-Readern, der sich so stark wie wir um diese beiden Mediengattungen kümmert."

Auch am Text-Layout bereits existierender E-Reader lässt van Rensselaer kein gutes Haar: "Oft sieht ein Artikel darauf wie eine überlange SMS aus. Wir arbeiten deswegen eng mit den Redaktionen zusammen, um etwa eine Zeitung so authentisch wie möglich darzustellen."

Ein Probelauf mit der tagesaktuellen Ausgabe des "San Francisco Chronicle" zeigt, dass die Entwickler damit auf der richtigen Fährte sind: Die Skiff-Version sieht mit Print-Typographie, Layout-Elementen und den Top-News über dem Titelschriftzug dem Print-Original ähnlicher als die offizielle Online-Fassung. Einige Magazine bieten die Wahl zwischen einer an das Gerät angepassten Artikelfassung oder dem ursprünglichen Layout der Printausgabe. Eigene Dokumente im PDF-Format versteht der Reader ebenfalls.

Von der E-Reader-Anzeige zur Probefahrt

Bislang einzigartig ist, wie der Skiff-Reader mit Anzeigen umgeht. In der digitalen Ausgabe des "San Francisco Chronicle" führt beispielsweise ein Fingerdruck auf eine angenehm unanimierte Audi-Werbung zu einer Übersicht der technischen Daten. Ein erneutes Tippen öffnet eine Landkarte aller Audi-Händler der näheren Umgebung, die eine Testfahrt des beworbenen Fahrzeugs anbieten - dem eingebauten GPS-Chip sei es gedankt. Der Seitenwechsel läuft dabei erfreulich flink und ohne Wartezeiten ab, wie auch der Wechsel zwischen einzelnen Zeitungsteilen.

Durch die in den USA bestehende Partnerschaft mit dem Mobilfunkanbieter Sprint versorgt Skiff sein Lesegerät mit Inhalten und erlaubt gleichzeitig, etwa auf einem Palm-Pre-Smartphone Abonnements für Skiff-Inhalte abzuschließen. "Wir verstehen uns primär als Anbieter von Inhalten, nicht von Hardware", unterstreicht Kiliaen van Rensselaer damit die Zielsetzung seiner Firma. "Wir wollen mit unserem Reader mit gutem Beispiel voran gehen und hoffen, uns danach auf das Anbieten von Inhalten zu konzentrieren" - etwa auch für Notebooks und Tablet-PCs. Zu einem noch geheimen Preis soll der Skiff-Reader noch in diesem Jahr in den USA erscheinen, in Europa nicht viel später.

Die beiden Newcomer reihen sich ein in eine ganze Phalanx neuer E-Reader, die auf der CES vorgestellt wird (siehe Bildergalerie). Auch Sony legt mit seiner "Daily Edition" ein Lesegerät nach, das sich schon durch seine Namensgebung Zeitungsverlegern und -lesern als Zielgruppe empfiehlt. Die Zeiten, in denen Amazon mit seinen Kindle-Geräten den Reader-Markt weitgehend konkurrenzlos dominieren konnte, sind also vorbei.

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
michalcz81 08.01.2010
1. Kindle immernoch das Mass aller Dinge
Ich frage mich ernsthaft ob diese Innovationen nicht Ihrer Zeit voraus sind. Jetzt wo der Kindle DX auch global wireless besitzt ( http://www.e-reader-reviews.com/amazon-kindle-dx-review/ )ist dieser fuer mich immernoch das beste im Moment verfuegbare Lesegeraet, auch weil Amazon mit der direkten Verbindung zum eigenen Shop einfach einen wahnsinnigen Vorteil besitzt. Dazu kommt dass Barnes & Noble bald merken wird dass der eigene Reader und der neu vorgestellte eben KEIN unterschiedlichen Zielgruppen haben. Um jetzt schon so eine Segmentierung zu planen ist meiner Meinung nach das E-Reader segment noch lange nicht gross genug.
IsArenas, 08.01.2010
2. ...
Zitat von sysopDer Kindle von Amazon bekommt reichlich Konkurrenz. Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas präsentieren weitere Hersteller ihre E-Reader. Die Schwarz-Weiß-Geräte von Plastic Logic und Skiff sollen mit Komfort und schicker Optik punkten. SPIEGEL ONLINE hat die superflachen Hoffnungsträger der Verlagsbranche bereits getestet. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,670754,00.html
Und so etwas soll innovativ sein? Und überhaupt: Mein Büro habe ich schon seit Jahren stets bei mir, nämlich meinen Laptop, Papier nutze ich schon lange nur noch in Ausnahmefällen. Warum soll ich jetzt ein weiteres Gerät mit mir rumschleppen? Und dann auch noch schwarz-weiß???
Friedrich der Streitbare 08.01.2010
3. Bevormundung unerwünscht
Ich würde gerne und sofort einen E-Reader kaufen, wobei mich auch höhere Preise nicht abschrecken. Mich stört allerdings enorm die bei den Anbietern allerorten vorherrschende Bevormundung. Beim Kindle ist man zum Einkauf bei Amazon verdonnert; obendrein kann Amazon noch ungefragt auf das Gerät zugreifen. Jetzt lese ich das bei dem einen Reader, der Kunde nur auf Top Wirtschaftsnachrichten zugreifen kann, während Kunden des anderen Gerätes zwangsweise mit New York Times News vorlieb nehmen muß. Dazu tönt es noch ganz selbstbewußt "Wir verstehen uns nicht als Verkäufer von Hardware sondern von ....". Sind die Herrschaften eigentlich noch bei Verstand ? Ich will den Reader und mir dann die Inhalte frei wählen können. Solange das nicht ohne jede Einschränkung gegeben ist, können die alleine auf ihren Geräten blättern.
realredfox, 08.01.2010
4. Wenn Sie so ein Ding net brauchen...
Zitat von IsArenasUnd so etwas soll innovativ sein? Und überhaupt: Mein Büro habe ich schon seit Jahren stets bei mir, nämlich meinen Laptop, Papier nutze ich schon lange nur noch in Ausnahmefällen. Warum soll ich jetzt ein weiteres Gerät mit mir rumschleppen? Und dann auch noch schwarz-weiß???
... sind Sie vermutlich nur nicht wichtig genug.
architekt? 08.01.2010
5. Kindle DX
Also den neuen Kindle DX kann man jetzt ja auch in Europa bestellen. Leider fallen die kostenlosen Bücher die Amazon gelegentlich immer wieder anbietet, als Appetitanreger sozusagen, in Deutschland weg, da eine "Übertragungsgebühr" von $2.99 berechnet wird. http://www.amazon.com/Kindle-Wireless-Reading-Display-Generation/dp/B0015TG12Q/ref=amb_link_17909962_2?pf_rd_m=ATVPDKIKX0DER&pf_rd_s=center-1&tag=usamzn-20&pf_rd_r=0C1Q9JSNJ38HRN0PC2GK&pf_rd_p=51296982&pf_rd_i=507846&pf_rd_t=101 Die genauen Kosten wenn man ein Gerät importiert sind übrigens $606.88 inklusive Versand und Steuern. Davon $96.60 als Vorlage für die Einfuhrumsatzsteuer. Allerdings wird dieser Betrag von Amazon ein paar Wochen später wieder gutgeschrieben wird wenn es zu keiner Zollabfertigung durch den Kurier kommt. Bis jetzt war das bei 1 von 2 Bestellungen der Fall, ist aber vermutlich eher die Ausnahme.
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