E-Books Neuer Adobe-Kopierschutz könnte Nutzer alter Lesegeräte ärgern

Adobe will offenbar bis zum Juli einen neuen E-Book-Kopierschutz zum Standard machen. Für die Besitzer älterer Lesegeräte könnte dieser Plan zum Problem werden.

E-Book-Leserin (Archivbild): Adobe verändert seinen Kopierschutz
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E-Book-Leserin (Archivbild): Adobe verändert seinen Kopierschutz


Bereits im Herbst hatte Adobe einen neuen und vorgeblich unknackbaren E-Book-Kopierschutz angekündigt, der Ende Januar freigegeben wurde. Nun soll das auf der Software "Content Server 5" basierende System offenbar bis Juli zum Standard werden. Adobe will auf diesem Weg seine bisherige Digitale Rechteverwaltung ersetzen, die aus dem Jahr 2009 stammt und sich mit den richtigen Tools leicht umgehen lässt. Genutzt wird Adobes Kopierschutz vor allem bei E-Books im Epub-Format, manche Anbieter wie Amazon setzen aber auch auf eigene Systeme.

Auf einen konkreten Zeitplan für die Kopierschutz-Umstellung deutet nun der Mitschnitt eines Firmen-Webinars hin. Wie "The Digital Reader" das knapp 44-minütige und recht technische YouTube-Video deutet, plant Adobe, bei E-Book-Händlern ab März auf die Unterstützung des neuen Systems zu drängen. Im Juli soll die Umstellung vollendet werden, die Händler sollen sich vom alten System trennen.

Für manche E-Book-Leser könnte ein solch rascher Wechsel undankbare Konsequenzen haben, warnt "The Digital Reader": Sollten ihre Geräte im Juli noch kein Adobe Digital Editions 3 unterstützen oder ist bis dahin kein Update für eventuell genutzte Drittanbieter-App erschienen, könnten die Kunden fortan von neuen E-Books abgeschnitten sein - zumindest, was Bücher mit Adobe-Kopierschutz betrifft.

Adobe hat Fragen von SPIEGEL ONLINE zu den DRM-Plänen bis zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht beantwortet.

Updates bei alten Geräten eher unwahrscheinlich

Die Gefahr, dass Geräte plötzlich keine neuen Bücher mehr öffnen können, sieht "The Digital Reader" vor allem bei Firmen wie Sony und Pocketbook, die im Laufe der Jahre zahlreiche Lesegeräte auf den Markt gebracht haben, von denen einige aber nicht mehr vertrieben werden: "Glaubt wirklich jemand, dass sie in ein Update für ein eingestelltes (aber vollkommen funktionsfähiges) Produkt investieren?" Die deutsche Fach-Website "Lesen.net" kommentiert die Situation ähnlich.

Adobe hat sich zum Zeitplan aus dem Video bislang nicht geäußert, einigen E-Book-Käufern dagegen ist der neue Kopierschutz schon unangenehm aufgefallen. Das Update hatte laut "ComputerBase" in der vergangen Woche dazu geführt, dass sich neu gekaufte Bücher auf einigen Lesegeräten nicht mehr öffnen ließen.

Update, 5. Februar 2014: Nach Veröffentlichung des Artikel erreicht uns der Hinweis des Adobe-Technikpartners Datalogics, der starre Zeitplan sei nach Kritik geändert worden. Zwischenhändler und Verlage sollen nun selbst entscheiden können, wann sie die Umstellung vornehmen.

mbö



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
mebschmw 05.02.2014
1. Dejavu
Da führten doch die Musikkonzerne vor ein paar Jahren kopiergeschützte CDs ein, die auf vielen Geräten nicht abspielbar waren. Und was machten die Kunden, kauften sie neue CD-Player? Nein, sie besorgten sich kostenlos MP3s aus dem Netz und umgingen das Problem. Glaubt Adobe ernsthaft, dass die Leser sich neue Geräte kaufen, um deren neu verkrüppelte Dateien lesen zu können? Unverschlüsselte ePub-Dateien gibts im Internet genauso einfach wie MP3s. Die Lösung liegt auf der Hand.
Thyphon 05.02.2014
2. No, thanks!
Zitat von mebschmwDa führten doch die Musikkonzerne vor ein paar Jahren kopiergeschützte CDs ein, die auf vielen Geräten nicht abspielbar waren. Und was machten die Kunden, kauften sie neue CD-Player? Nein, sie besorgten sich kostenlos MP3s aus dem Netz und umgingen das Problem. Glaubt Adobe ernsthaft, dass die Leser sich neue Geräte kaufen, um deren neu verkrüppelte Dateien lesen zu können? Unverschlüsselte ePub-Dateien gibts im Internet genauso einfach wie MP3s. Die Lösung liegt auf der Hand.
Oder man nimmt das Ganze als weiteren Grund dafür beim guten, alten Buch zu bleiben. Ein gekauftes Buch gehört mir nämlich. Ich kann es verschenken oder verkaufen oder es ins Regal stellen und in 50 Jahren noch einmal lesen. Von einem E-Book kauft man vermutlich nur eine Nutzungslizenz, deren Konditionen vor allem dem Vertreiber und nicht dem Kunden zusagen. Denn ein solches Nutzungsrecht kann mir jederzeit wieder entzogen werden, oder es kann ablaufen oder durch technische Maßnahmen (Kopierschutz) eingeschränkt werden. Nein danke. Es ist schon schlimm genug, dass ich mir das gezwungenermaßen bei Computerspielen antue. Freiwillig werde ich mir das bei Büchern nicht auch noch geben.
Mannfreed 06.02.2014
3. Nutzerinteresse
Jedes Buch, dass mein Reader anzeigen kann, kann ich kopieren. Und wenn ich es per OCR einlese und die Seiten per Roboter umblättere. Und wer ist da der Dumme? Der ehrlichr Käufer, der seinen PC immer nach einem Wechsel authorisieren muss. Der einen kapuuten Reader nicht deaktivieren kann. Wie erhalte ich die Rechte und was kostet das an Zeit? Mein Nachbar lädt sich die Kopie und lacht mich aus... Danke, liebe Verlage. So kann man den eigenen Markt auch kaputtmachen. Warum verkaufen sich CDs, die ich im Auto nicht hören kann, wohl nicht?
logemean 06.02.2014
4. Tücken geschützer Ebooks
Habe selbst unangenehme Erfahrungen mit einem 3000 seitigen Fachbuch gemacht, mit dem ich auf die Prüfungen gelernt habe. Lesen konnte ich es nur mit dem Adobe DRM Reader. Nach einigen Unterstreichungen wurde das ganze so langsam, dass es ca 30 sek gedauert hat um eine Seite umzublättern. Infolge habe ich die Seiten als pdf ausgedruckt und beschrieben. Dann war das Seitenlimit zum Ausdrucken erreicht, von dem ich vorher noch nie was gehört habe. Das bei steigendem Prüfungsstress. Ein Anruf bei der Firma brachte nichts - war den egal. Einzige Möglichkeit: Entschlüsselungsprogramm aus dem Netz runtergeladen, dass den Schutz aufhebt. Mit einem materiellem Buch für den gleichen Preis kann man viel mehr machen. ZB auch weiterverkaufen, wenn man es ausgelesen hat.
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