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29. Februar 2012, 18:17 Uhr

Neues Betriebsystem

Vorabversion von Windows 8 gratis im Netz

Von , Barcelona

Jetzt können alle mal probieren: Microsoft hat eine Vorabversion von Windows 8 enthüllt. Mit ihr können sich PC-Anwender ein Bild davon machen, wie das neue Betriebssystem aussehen wird. Bis das Produkt offiziell erscheint, wird aber noch einige Zeit vergehen.

Am Rande des Mobile World Congress in Barcelona hat Microsoft die sogenannte Consumer Preview seines künftigen PC-Betriebssystems Windows 8 vorgestellt. Die Software kann jedermann kostenlos aus dem Netz laden. Mehr als 100.000 Änderungen sollen in die Software eingeflossen sein, seit der Konzern im September 2011 die ersten Vorschauversion für Entwickler veröffentlicht hat.

Zu sehen ist von den Neuerungen allerdings auf den ersten und zweiten Blick nichts. Mehr als eine Stunde lang erklären und zeigen Windows-Chef Stephen Sinofsky und seine Mitarbeiter noch einmal Bekanntes. Sogar als sie zu Windows 8 passende Hardware oder gar speziell dafür entwickelte Computer und Tablets vorführen, erkennt man viele der Geräte wieder - sie waren beispielsweise schon Anfang des Jahres auf der CES in Las Vegas zu sehen.

Doch es gibt auch Neues: Zum ersten Mal zeigen die Microsoft-Manager vor großem Publikum Windows 8 auf Tablet-PC mit Prozessoren, die auf der sogenannten ARM-Architektur basieren. Das ist eine Technik, die wegen ihrer guten Kombination aus Energie sparenden Maßnahmen und Leistung in Mobiltelefonen und Tablets eine Führungsrolle einnimmt. In Barcelona zeigte Sinofsky nun Geräte, die auf den vier aktuellen auf dem Mobile World Congress präsentierten Prozessor-Plattformen basieren (Nvidia Tegra 3, Qualcomm Snapdragon S4, Texas Instruments Omap 5 und Intel Clovertrail). "Wir wollten das Beste der mobilen Welt mit dem Besten des PC zusammenbringen", sagt Sinofsky.

Windows 8 zum Mitnehmen

Für derartige Windows-8-Flachrechner verspricht der Microsoft-Manager bemerkenswerte Funktionen. Im Connected-Standby-Modus sollen Windows-8-Tablets trotz Ruhezustand Daten online synchronisieren. So sollen beispielsweise neue E-Mails bereits geladen sein, wenn man das Gerät wieder aktiviert. Für Firmen interessant: Mit der Funktion "Windows to go" sollen sich Window 8 und Business-Apps per USB-Stick vom Büro-PC abkoppeln und überall hin mitnehmen lassen.

Beeindruckend ist die erneut gezeigte Start-Geschwindigkeit des neuen Betriebssystems. Auf einem Acer-Ultrabook ist Windows etwa acht Sekunden nach dem Druck auf den Einschaltknopf betriebsbereit. An dieser Leistung dürften allerdings auch der schnelle Prozessor und die SSD-Festplatte ihren Anteil haben. Auf einem Standard-PC dürfte ein solcher Systemstart erheblich länger dauern.

Im Einsatz wohl viel weniger oft zu sehen, aber nicht weniger eindrucksvoll: Windows 8 kann mehrere Festplatten zu einem großen Gesamtspeicher zusammenfügen. Schließt man eine neue Platte an, lässt sich ihr Speicherplatz per Mausklick zum bereits verfügbaren Platz hinzuschlagen. Dabei lassen sich beliebig Festplatten unterschiedlicher Größe, Bauart und Geschwindigkeit miteinander koppeln. Das dürfte auch für Datensammler das Ende der endlosen Laufwerkslisten bedeuten.

Und noch etwas wird Anwendern Spaß machen, die mehr als ein Gerät verwenden: Über den Windows-8-Benutzeraccount werden die persönlichen Daten des Anwenders über Microsoft-Server zwischen allen Computern synchronisiert, die man benutzt. Man wird also an jedem Rechner mit demselben Startbild empfangen und kann sich mit demselben Passwort einloggen.

Alle Apps sind kostenlos - erst mal

Sinofsky nimmt sich bei der Präsentation viel Zeit für Apps. Er betont immer wieder, dass Apps sowohl auf Intel-kompatiblen PC als auch auf ARM-Tablets laufen, wenn sie sich an die neue Richtlinien des Metro-Designs halten. Auch eine Office-Version für ARM-Tablets ist für wenige Sekunden zu sehen. Etwas Besonderes werden Intel-basierte Windows 8-Tablets sein, weil auf ihnen sowohl Metro-Apps als auch Windows-Programme laufen.

Damit man das mit der Consumer Preview auch ausprobieren kann, sind nicht nur die Gewinner-Apps eines Windows-8-Programmierwettbewerbs in der Vorschauversion enthalten. Es ist auch der Windows Store vorinstalliert, in dem bereits viele Programme verfügbar sein sollen. All diese Anwendungen sind für den Zeitraum der Windows-8-Vorschauphase kostenlos.

Wie lange die Vorschauphase dauern wird, sagt Microsoft derzeit allerdings nicht. In der kommenden Woche sollen auf der Computermesse Cebit die Großkundenfunktionen von Windows 8 gezeigt werden. Laut Microsoft-Manager Sinofsky ist die Consumer Preview noch nicht der letzte Schritt. Ihr werden später in diesem Jahr ein Release Candidate und eine Goldmaster-Version folgen. Erst dann wird das endgültige Windows 8 erscheinen. Einige Monate dürfte das noch dauern.

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