Neuheiten auf der Technikmesse CES Bühne frei für die Superhandys

Handy, MP3-Player, Laptop, Tablet - wir schleppen viel zu viele Geräte mit uns herum. Wie es in Zukunft einfacher geht, haben Microsoft, Motorola und Co. jetzt auf der wichtigsten IT-Messe CES in Las Vegas gezeigt: Ein Smartphone macht alles allein, wenn nötig mit cleverem Zubehör.

AFP

Aus Las Vegas berichtet


Die Handy-Branche ist im Umbruch - und sogar der Koloss Microsoft hat erkannt, dass es Zeit für dramatische Veränderungen ist. Steven Sinofsky, Microsofts Chef für Windows und Windows Live, drückt das bei der ersten Veranstaltung des Konzerns auf der Consumer Electronics Show CES in Las Vegas ein bisschen umständlich aus: Es sei eine deutliche Konvergenz von Handy und PC erkennbar, sagt er. Seit der Veröffentlichung von Windows 7 seien zwar erstmals die Systemvoraussetzungen für Desktop-Computer gesunken. Gleichzeitig würden aber Smartphones immer schneller und leistungsfähiger. Mit Ein-Gigahertz-Prozessoren und 512 MB Arbeitsspeicher haben Geräte wie das iPhone 4 oder das Nexus S laut Sinofsky eigentlich genug Kraft, um auch Windows abspielen zu können.

Trotzdem nutzen die meisten Smartphones und Tablets andere Betriebssysteme - und das hat einen einfachen Grund: Windows läuft seit jeher ausschließlich auf sogenannten x86-Chips, Prozessoren also, die auf frühe Intel-PC-Technik zurückgehen - genau das soll sich jetzt ändern. Im Verborgenen hat der Konzern eine Windows-Variante entwickelt, die auch auf Chips der ARM-Technik läuft. Solche Chips sind heute bereits in den meisten Mobilrechnern eingebaut, weil sie derzeit den besten Mix aus Leistung und Stromspartechnik bieten. Apples A4-Prozessor, der in iPhone und iPad werkelt, ist so ein ARM-Chip.

Das ARM-kompatible Windows, das Microsoft-Chef Steve Ballmer nun in Las Vegas erstmals öffentlich zeigte, ist allerdings nicht etwa ein angepasstes Windows 7 - es ist bereits dessen Nachfolger. Auf eine Bezeichnung für das Programm mögen sich Microsofts Manager bisher nicht festlegen, sie sprechen konsequent von "der nächsten Windows-Generation". Den Begriff "Windows 8" meiden sie wie der Teufel das Weihwasser. Ganz offensichtlich will sich der Konzern die Möglichkeit offenhalten, der Software bei ihrer Veröffentlichung einen anderen Namen geben zu können.

Ein echtes Windows fürs Handy?

Wie weit die Entwicklung aber schon fortgeschritten ist, demonstrierte Ballmer anhand von vier Testrechnern:

  • In einem steckte der Prototyp eines neuen Intel-Mobilprozessors,
  • im nächsten ein Snapdragon-Chip von Qualcomm,
  • im nächsten ein OMAP-Chip von Texas Instruments,
  • im letzten Nvidias Chip Tegra.

Auf allen vier Rechnern aber lief das künftige Windows. Wie das Programm am Ende aussehen wird, verheimlichten die Microsoft-Leute fast komplett. Sie zeigten nur den Desktop und einige Anwendungen. Doch schon das genügte, um zu demonstrieren, dass Windows auf den Stromspar-Chips offenbar erfolgreich läuft. Und um festzustellen: Microsoft hat einige Anpassungen an die Möglichkeiten und Zwänge von Tablet-PC vorgenommen. Vielleicht gehen die Entwickler in den Labors in Redmond sogar schon einen Schritt weiter und basteln an einer Windows-Oberfläche, die sich auch für Handys eignen würde. Ein echtes Windows-8-Handy könnte so manchem Anwender als PC-Ersatz dienen.

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CES-Ideen 2011: Jede Menge Novitäten
Bis es so etwas geben wird, dürfte aber noch mindestens ein Jahr vergehen. Die typische Wartezeit zwischen zwei Windows-Versionen betrage 24 bis 36 Monate, sagte Microsoft-Manager Steven Sinofsky. Windows 7 wurde Ende 2009 veröffentlicht. Irgendwann 2012 könnten also die ersten echten Windows-Tablets oder Handys auf den Markt kommen - möglicherweise viel zu spät, denn auch die Konkurrenten haben erkannt, dass der Markt vor einer massiven Veränderung steht.



insgesamt 71 Beiträge
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Sponator 06.01.2011
1. Bald nur noch Smartphones und Apps
Smartphones/Tablets werden Notebooks/PCs ablösen genauso wie Apps viele Webseiten obsolet machen werden. Populäre Angebote werden in Zukunft deutlich öfters als App auf entsprechenden, meist mobilen Endgeräten genutzt werden denn als herkömmliche Webseite. Unsere Internetnutzung wird sich dadurch in den nächsten Jahren grundlegend verändern, der Trend geht ja bereits in die Richtung.
Peter Werner 06.01.2011
2. .
Zum Gebrauch eines Computers benötige ich mindestens einen 17" - Bildschirm, eine anständige Tastatus sowie eine Maus. Ich sehe nicht wie ein Handy mir dieses bieten könnte.
wilde Socke 06.01.2011
3. Drohung
Zitat von sysopSie sind so schnell wie PC, so klein wie Handys und bald werden sie auch mit Windows laufen: Auf der CES zeigen Weltkonzerne, wie neue Smartphones Aufgaben übernehmen, die bisher Computern vorbehalten waren. Bei Motorola etwa wird das Smartphone sekundenschnell zum Wohnzimmer-PC oder Laptop. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,738038,00.html
Ich fasse das als Drohung auf, dass das Leben noch wesentlich komplizierter wird.
tetaro 06.01.2011
4. ..
Zitat von Peter WernerZum Gebrauch eines Computers benötige ich mindestens einen 17" - Bildschirm, eine anständige Tastatus sowie eine Maus. Ich sehe nicht wie ein Handy mir dieses bieten könnte.
Der Ganze Schnickschnack, den man zur Bedienung eines herkömmlichen PC /Notebook noch braucht (zumindest eine Stellfläche), ist ja gerade das Problem. Im Grunde will jeder, dass die Geräte unsichtbar werden und wir sind glücklicherweise auf dem Weg dahin. Mit Installiererei und Frickelei will sich auch kein Mensch mehr beschäftigen, außer denen, die es beruflich machen. Meine Prognose ist, dasss normale PCs ihren Marktanteil in nicht allzuferner Zeit verlieren werden. Eine Rolle dabei wird noch spielen, wie diese im Büroumfeld benötigt werden. Aber auch hier sehe ich einen Drang zu Terminal-Systemen, wo die Rechenleistung nicht mehr lokal vorgehalten werden muss. Allein aus Sicherheitsgründen dürfte das eine bevorzugte Option werden.
qvoice, 06.01.2011
5. Dockingstation
Zitat von Peter WernerZum Gebrauch eines Computers benötige ich mindestens einen 17" - Bildschirm, eine anständige Tastatus sowie eine Maus. Ich sehe nicht wie ein Handy mir dieses bieten könnte.
Indem sie dieses in eine Dockingstation stecken, ans Ladegerät muss es ja sowieso. Vielleicht gibt es ja sogar irgendwann eine Standard-Dockingstation.
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