Kehrseite der Maskenpflicht New Yorks U-Bahn bittet Apple um Alternative zu Face ID

Die Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs von New York machen sich Sorgen wegen Apples Gesichtserkennung. Dabei geht es nicht um IT-Sicherheit, sondern um Hygiene.
Passagiere in einem Zug der New Yorker Metropolitan Transportation Authority (MTA)

Passagiere in einem Zug der New Yorker Metropolitan Transportation Authority (MTA)

Foto: Mary Altaffer/ AP

Dieses Schreiben dürfte auch für Apple-Chef Tim Cook einmalig sein: Per Briefpost  hat ihn Patrick J. Foye, Chef der Metropolitan Transportation Authority (MTA), also der New Yorker Verkehrsbetriebe, gebeten, iPhone-Nutzern eine Alternative zum Entsperren ihrer Smartphones mit Apples Gesichtserkennung Face ID anzubieten.

Zählungen zufolge würden sich zwar etwa 90 Prozent der Fahrgäste an die Regel halten, in den Bahnen, Bussen und Nahverkehrszügen der MTA einen Mund- und Nasenschutz zu tragen, schreibt Foye - und dazu trägt offenbar auch bei, dass man iPhones zum kontaktlosen Bezahlen von Fahrscheinen per Apple Pay bei der MTA nicht per Face ID entsperren muss. Weiter heißt es in Foyes Schreiben aber, man habe "festgestellt, dass Kunden ihre Masken auf den Bahnsteigen sowie in Bahnen und Bussen abnehmen, um ihre iPhones für andere Zwecke freizuschalten."

Verwunderlich ist das nicht. Wer schon mal mit New Yorks U-Bahn unterwegs war, kennt das Bild: Wer im Zug nicht schläft oder ein Buch liest, starrt aufs Handy. Nur wer mit einem Partner unterwegs ist, erhebt den Blick, um eben dem ins Gesicht zu schauen. Ansonsten gilt die ungeschriebene Regel: möglichst beschäftigt tun, möglichst niemanden anschauen. Doch das klappt im Zweifel nur gut, wenn man das Handy auch entsperrt.

Abhilfe kam per Update

Das Problem mit dem Maske-Abnehmen werde dringender, je mehr Menschen anfangen, den öffentlichen Nahverkehr wieder zu nutzen, schreibt Foyer. Er sei sich auch bewusst, dass Apple an einer Lösung arbeite und dass Sicherheit oberste Priorität habe. Immerhin hat das Unternehmen schon Mitte Mai eine Funktion eingeführt, die Maskenträgern das Entsperren ihrer iPhones erleichtert. Statt mehrere Sekunden warten zu müssen, während das System versucht, das verhüllte Gesicht zu erkennen, kann man seither sofort vom unteren Bildschirmrand hinauf wischen, um das Gerät stattdessen per Passcode zu entsperren.

Das entsprechende Update auf iOS 13.5 ist seit Mitte Mai verfügbar, die Betaversion konnte man schon Anfang Mai installieren. Wer diese Funktion also bis heute vermisst, sollte bedenken, dass es sich aus vielen Gründen lohnt, Betriebssystem-Updates regelmäßig und vorzugsweise bald nach ihrer Veröffentlichung zu installieren. Nicht, weil sie neue Funktionen mitbringen, sondern vor allem, weil sie auch immer einige Sicherheitslücken stopfen, die Kriminelle ansonsten gegen einen verwenden können. Wenn auf Ihrem iPhone also an der Einstellungen-App eine rote 1 prangt, schauen Sie lieber nach, ob dort unter Allgemein/Softwareupdate nicht schon das nächste wichtige Update bereitsteht.

Der MTA-Chef bietet Apple Hilfe an

Dem MTA-Chef allerdings ist das nicht genug. Schließlich sei Apple ja ein "weltweit führendes Technologieunternehmen" und verfüge "über eine Reihe von Technologien", schwärmt er. Deren Entwicklung solle das Unternehmen jetzt bitte beschleunigt vorantreiben. Upgrades, die es ermöglichen würden, Telefone zu entsperren, "während die Nutzer Nase und Mund mit Masken bedecken, wären in allen öffentlichen Räumen nützlich, nicht nur in öffentlichen Verkehrsmitteln."

Wie er sich das technisch vorstellt, erläutert der MTA-Chef nicht, er bietet Apple an anderer Stelle aber eine Zusammenarbeit an. Man müsse die Nutzer deutlicher auf die Neuerung im iPhone-Betriebssystem hinweisen, die es ermöglicht, Face-ID schnell zu umgehen und stattdessen den Passcode zu verwenden, so Foye. Die MTA wäre bereit, dabei mitzuhelfen. "Egal ob über Pushnachrichten, digital oder mit Hinweistafeln in den U-Bahn-Stationen, Bussen und Zügen."

Bisher habe man keine Verbreitung von Coronaviren auf öffentliche Verkehrsmittel zurückführen können, betont Foye auch noch: Er wolle sicherstellen, dass das so bleibt, indem er die Akzeptanz fürs Masketragen bei seinen Kunden noch weiter erhöhe.

Dies ist ein guter Gedanke, denn in diesem Punkt sind sich die meisten Experten einig: Das Tragen von Mund- und Nasenschutzmasken ist einer der besten und einfachsten Wege, die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen.

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