Nexus S Google stellt sein Lebkuchen-Handy vor
Der zweite Versuch: Google-Smartphone Nexus S
Foto: AFP/ SamsungGoogle versucht es noch einmal: Am Dienstagabend stellte das Unternehmen einen Nachfolger für seinen Handy-Erstling, das Nexus One, vor. Das auf den Namen Nexus S getaufte Gerät ist das erste Smartphone, auf dem die Version 2.3 des Handy-Betriebssystems Android läuft. Die mit dem Codenamen "Gingerbread" (Lebkuchen) bezeichnete Software soll einige grundlegende Verbesserungen bringen und in Kürze als Open-Source-Software veröffentlicht werden, steht dann also auch anderen Herstellern zur Verfügung.
Bis die das neue Betriebssystem allerdings an ihre Hardware angepasst haben, dürfte einige Zeit vergehen. Bis es so weit ist, wird nur Googles Handy die neuen Funktionen nutzen können. Dazu gehören eine verbesserte Bildschirmtastatur, Verbesserungen beim Selektieren, Kopieren und Einsetzen von Textbereichen, integrierte Internettelefonie (VoIP, SIP) und die Unterstützung für Gyroskop-Sensoren.
Das Handy selbst wird von einem 4-Zoll-Display mit 800 x 480 Bildpunkten in Samsungs SuperAmoled-Technik dominiert. Natürlich sind auch die üblichen Sensoren, W-Lan, Bluetooth, HSDPA und eine 5-Megapixel-Kamera eingebaut. Den Speicherplatz des von Samsung gefertigten Handys gibt Google mit 16 Gigabyte an. Ob er per Steckkarte erweiterbar ist, ist noch unklar.
Mit dem iPhone 4 teilt das Nexus S den Antrieb - zumindest weitgehend. Beide verfügen über einen 1 GHz schnellen Mobilprozessor. Beim iPhone heißt er Apple A4, beim Nexus poetischer Hummingbird ("Kolibri"). Dass die beiden Chips auf demselben Prozessorkern basieren, hat das Fachblatt "Techinsights" schon vor Monaten festgestellt, wie Cnet berichtet. Wundern sollte man sich darüber nicht. Samsungs Chip-Entwickler arbeiten unabhängig von der Handysparte und machen mit jedem Geschäfte, der Profit verspricht, egal ob das nun eine firmeninterne Abteilung oder ein Kunde wie Apple ist.
Kommunikation ganz nah
Das Detail, mit dem sich das Nexus S wirklich von allem abhebt, was die Handy-Branche derzeit zu bieten hat, ist sein NFC-Chip. NFC, die Nahbereichskommunikation (Near Field Communication), ist eine Funktechnik, von deren Möglichkeiten die Mobilfunkbranche seit ein paar Jahren begeistert schwärmt, die sich bisher aber, abgesehen von Pilotprojekten, noch in keiner massenkompatiblen Form materialisiert hat. Per NFC könnte man Informationen mit dem Handy einlesen, die beispielsweise in Form winziger Chips in Kleidung oder Plakaten eingearbeitet sind, erklärt Google.
Viel spannender aber sind ganz andere NFC-Anwendungen. In entsprechend ausgerüsteten Supermärkten etwa, könnte man sein Handy zum Bezahlen benutzen, indem man es einfach auf ein entsprechendes NFC-Lesegerät auflegt. Die Abbuchung der fälligen Summen würde dann online autorisiert. Fahrkarten ließen sich auf dieselbe Weise kaufen: Handy an den Automaten halten, digitale Fahrkarte per NFC in Empfang nehmen, fertig.
Haben wollen?
Noch sind solche Ideen freilich Science Fiction. Die Einführung solcher Anwendungen scheitert schlicht am Henne-Ei-Problem. Wenn aber das Nexus S zum Kassenschlager und zum Vorbild für andere Mobiltelefone wird, könnte es in naher Zukunft für Unternehmen genug Anreize geben, tatsächlich NFC-Anwendungen im großen Stil nutzbar zu machen.
Das Nexus S ist, genau so wie es das Nexus One war, ein Technologieträger und -treiber. Google hat hier, mit Samsungs Hilfe, alles an Technik hineingesteckt, was derzeit gut und teuer ist. Ein iPhone-Killer scheint es trotzdem nicht zu sein, zumindest nicht aus Sicht von iPhone-Anwendern.
Aus Sicht aller anderen Smartphone-Interessenten hat Google mit seinem zweiten Smartphone dagegen ein Handy vorgelegt, das man haben wollen sollte. Aber nur, wenn man in den USA oder Großbritannien lebt, denn nur in diesen beiden Ländern wird es noch in diesem Jahr in den Handel kommen. Verkaufsstart auf dem europäischen Festland: unbekannt.