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Nokia 150 im Test: Ein Telefon wie aus der Zeitmaschine

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Nokia 150 Das "Die Zukunft kann mich mal"-Handy

Kein Touchscreen, kein Internet, keine gute Kamera - dieses neue Handy ist wie eine Zeitreise. Ob es trotzdem etwas gibt, mit dem das neue Nokia-Modell glänzt, zeigt unser Test.

Endlich mal wieder ein Handy, das man auch so nennen darf. Das neue Nokia 150 ist das, was man in der Branche ein Feature Phone nennt, ein Mobiltelefon ohne smarte Funktionen, ohne Touchscreen, ohne all das, woran man sich in den vergangenen zehn Jahren bei Smartphones gewöhnt hat. Vor allem aber ohne den Preis, den man für ein Smartphone zahlen müsste. Beim Anbieter Mobilcom-Debitel bekommt man es für 40 Euro, ohne Vertragsbindung.

Genauso aus der Zeit gerissen wie der Preis ist allerdings auch der Rest des Geräts. Das fängt schon mit der Sim-Karte an. Unter dem wechselbaren Akku befindet sich ein Steckplatz für eine Mini-Sim. Das sind die gut fingernagelgroßen Sim-Karten, die man noch vor zehn Jahren benutzt hat. Um eine moderne Micro- oder Nano-Sim einsetzen zu können, braucht man einen Adapter.

Ist der samt Akku eingesetzt, kann man das Handy starten, was erfreulich flott geht. Nach ein paar Sekunden ist das Gerät betriebsbereit, viel gibt es hier nicht in den Speicher zu laden.

Viel zu erledigen gibt es mit dem Nokia 150 allerdings auch nicht. Öffnet man mit der Cursortaste das Hauptmenü, kommen 16 Symbole zum Vorschein. Mehr gibt es nicht, und mehr werden es auch nicht werden. Immerhin, ein rudimentärer Musikplayer und ein Videoplayer gehören neben Adressbuch und Kalender dazu. Weitere Apps gibt es hier nicht, auf WhatsApp und Facebook muss man verzichten, das Nokia 150 ist ein Handy zum Telefonieren und Simsen.

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Nokia 150 im Test: Ein Telefon wie aus der Zeitmaschine

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Und es trainiert seinen Nutzer zu einer gewissen Buchstabensparsamkeit. Weil es nur eine Telefontastatur hat, keine Buchstabentastatur, ist es damit mühselig, SMS zu tippen. Das funktioniert wie in längst vergangenen Zeiten: Ein "a" geht noch sehr schnell, doch für ein "c" muss man schon dreimal auf die Taste "2" drücken, für ein "ü" fünfmal die "8". Eine eilig dahingetippte Nachricht kann es so nicht geben. Wer viele Abkürzungen kennt, ist klar im Vorteil.

Die Kamera? Ähem, tja...

Im Vorteil ist auch, wer eine microSD-Speicherkarte besitzt, aber bitte keine zu große. Denn der eingebaute Speicher des Nokia 150 reicht nur für das Adressbuch und den Kalender. Video- oder Musikdateien müssen auf Speicherkarten eingeschoben werden. Dass eine solche Karte auch für die Kamera vonnöten ist, wird klar, wenn man diese zum ersten Mal aufruft.

Ohne Speicherkarte kann man nicht knipsen. Also bitte: Deckel abnehmen, Akku herauszupfen und eine Speicherkarte einsetzen. Unsere sonst für Tests verwendete 64-GB-Karte war dem Nokia allerdings zu groß, sodass es die Zusammenarbeit damit ablehnte. Mit einer ersatzweise beschafften 4-Gigabyte-Karte lief es dann besser, zumindest technisch gesehen.

Fotografisch hingegen möchte man die Karte lieber schnell wieder aus dem Handy herausnehmen. Die Kamera knipst Fotos in VGA-Auflösung (640 x 480), also mit 0,3 Megapixeln. Unsere damit zum Test geschossenen Aufnahmen waren auf unterschiedliche Weise unbefriedigend. Generell aber fehlt es den Bildern an Schärfe, Details und Farben. Ernsthaft benutzen mag man diese Kamera nicht.

Radio eingebaut, Kopfhörer fehlt

Genauso wenig wie den Videoplayer übrigens. Egal, was man ihm zum Abspielen vorsetzt, es wird vom groben Display mit seinen 320 x 240 Pixeln kaputtgemacht. Und auch das Radiohören, ein UKW-Empfänger ist eingebaut, mag auf Anhieb nicht klappen. Dafür wäre ein Kopfhörer nötig, dessen Kabel als Antenne genutzt wird. Doch im Karton ist ein solches Headset nicht zu finden.

Doch zumindest in einer Disziplin kann das Nokia 150 punkten: Ausdauer. Nokia verspricht einen Monat Standbyzeit und einen Tag Sprechzeit. Verifizieren können wir das nach einer knappen Woche mit dem Gerät noch nicht. Doch glaubhaft scheinen diese Angaben durchaus. Sechs Tage nach dem Aufladen zeigt die Ladestandanzeige immer noch einen fast vollen Akku an.

Fazit

Das Nokia 150 wirkt seltsam aus der Zeit gefallen. Fast, als hätten die Entwickler im Keller ein paar alte Blaupausen gefunden und sich gedacht: "Hey, das bauen wir einfach." Wer ein modernes Mobiltelefon erwartet, wird hier enttäuscht.

Aber für jene, die einfach nur ein Telefon haben wollen, über das sie unterwegs erreichbar sind oder zur Not auch mal jemanden anrufen können, ist das Nokia 150m wahrscheinlich genau die richtige Wahl: Sein Akku ist ausdauernd genug, dass man es nur alle paar Tage an die Steckdose stöpseln muss, die Bedienung ist simpel.

Nur die Zukunft, die ist es bestimmt nicht.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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