Nokita Finnen wollen Microsoft Nokia entreißen

Nokias Mobilfunksparte soll finnisch bleiben, auf gar keinen Fall zu Microsoft gehören und außerdem wieder profitabel werden, sehr profitabel. Diese Ziele hat sich ein Projekt gesetzt, das nun selbst Nokia übernehmen will. Fehlt nur noch das Geld.

Nokita-Homepage: Investitionen in drei Jahren verdreifachen

Nokita-Homepage: Investitionen in drei Jahren verdreifachen


Das Versprechen hört sich verlockend an: Binnen drei Jahren würde sich die Investition verdreifachen, wenn nur genug Geld zusammenkäme. Das jedenfalls verspricht Juhani Parda in einem Video, mit dem er Investoren für ein ehrgeiziges Projekt werben will: die Übernahme der Mobilfunksparte von Nokia, bevor Microsoft sie sich einverleiben kann.

Mit seinem Ansinnen spricht Parda offenbar vielen Finnen aus dem Herzen. Greg Anderson, der selbst in Helsinki lebt und dort das Blog "Articstartup" betreibt, beschreibt die Stimmung vieler Finnen gegenüber Microsoft als feindselig. Man habe den Nokia-Chef Stephen Elop wegen seiner Vergangenheit bei Microsoft als Insider angesehen und sei jetzt nicht verwundert, dass sein ehemaliger Arbeitgeber die finnische Firma jetzt übernehmen wolle.

In seinem Video erklärt Parda, dass Nokia vollkommen unter Wert verkauft wird. Schließlich, so argumentiert er, habe der Konzern gerade 8,5 Milliarden Euro für Skype und drei Milliarden für den Spieleentwickler Supercell bezahlt. In einer Präsentation für potentielle Investoren rechnet Nokita dagegen vor, man können die Marke binnen drei Jahren wieder zu dem Goldesel machen, der sie einst war.

Nokias Wert werde dann 23 Milliarden Euro betragen, heißt es weiter. Damit würde sich die geplante Investitionssumme von 7,5 bis 8 Milliarden Euro verdreifachen. Etwa 5,5 bis 6 Milliarden davon sind für das eigentliche Übernahmeangebot vorgesehen, rund zwei Milliarden Euro würden gebraucht, um den Übergang von Nokia zu Nokita zu finanzieren.

Riesenfest auf einem zugefrorenen See

Und den stellt sich Juhani Parda nicht gerade bescheiden vor, er will ihn feiern mit den "größten Veranstaltungen, Konzerten und Partys, die die Menschheit gesehen hat". Fest eingeplant hat er dafür Auftritte der Filmemacher von "Iron Sky", Vorführungen von Stuntmen und Auftritte von Extremsportlern. Allein die erste dieser Veranstaltungen, die auf einem zugefrorenen See stattfinden soll, werde via Internet und TV eine halbe Milliarde Menschen erreichen und "die Marke wieder cool machen".

Cool sollen aber vor allem die neuen Produkte sein, die Nokita entwickeln werde, wenn es sich erst von Microsoft gelöst hat, verspricht die Nokita-Präsentation. Denn die werden das Beste aus allen Mobilfunkwelten enthalten. Auf einem Linux-Kern sollen demnach in sogenannten Sandboxes Android und Windows Phone laufen. Und am besten auch noch Apples iOS "oder eine neue Linux-Variante".

Mitarbeiter Nummer eins

Geführt werden soll Nokita nach Pardas Vorstellungen von einem "Dream-Team" aus begnadeten Managern, Entwicklern, Marketing- und PR-Experten - die allesamt erst noch benannt werden müssen.

Nur der Chef des neuen Unternehmens steht jetzt schon fest: Juhani Parda selbst. In seinem Video stellt er sich als einen globalen Überflieger vor, der der schon "in 106 Länder gereist ist und in zehn Ländern auf fünf Kontinenten gelebt hat". Er sei schon mit 29 Jahren zum jüngsten Top-Manager bei Nokia befördert worden, habe danach als Generaldirektor und Entrepreneur gearbeitet, sei ein globaler Denker und Investment-Banker.

Im Moment allerdings scheint er auch der einzige Mitarbeiter von Nokita zu sein. Denn auch wenn in dem Video und der Eigenpräsentation stets im Plural gesprochen wird, taucht weder dort noch auf der Nokita-Webseite ein anderer Name auf als der von Juhani Parda.

mak

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
pubsfried 07.11.2013
1. Crowd Funding....
...wäre doch DIE Lösung ! War schon für einige Überraschungen gut, was den Erlös angeht.
lisa2020 07.11.2013
2. Innovative Idee
Herr Parda hat innovative Ideen die Europa voranbringen können. Ein Mobilfunk Unternehmen das nicht von der NSA CHQC dominiert wird! Hoffen wir, dass sich Investoren finden.
kumi-ori 07.11.2013
3. Vielleicht ist es Herrn Parda entgangen, ...
... dass Nokia schon längst keine finnische Firma mehr ist, sondern irgendwo produziert. Außerdem hat Nokia, seit sie die Produktion nach Rumänien verlegt hatten, um an irgendwelche EU-Subventionstöpfe zu gelangen, nur noch Müll produziert. Deshalb ist es kein Unglück, dass Nokia jetzt den Bach runtergeht, aufgekauft und zerlegt wird und dass, was man vielleicht noch irgendwie brauchen kann, in Microsoft aufgeht. Ich habe übrigens noch ein neun Jahre altes aus der Vor-Rumänienzeit, das seine ganzen Nachfolger überlebt hat. In der Kameralinse hat sich ziemlich Dreck angesammelt, aber sonst funktioniert es noch wunderbar.
hedgejus 07.11.2013
4. Nokia hat sein Comeback mit Windows (Phone) 8
Es scheint als würde der junge Mann von Microsoft nicht mit übernommen werden. Vielleicht nach diesem Video. Obwohl es nicht sehr freundlich gegenüber Microsoft ist.
mbraun09 07.11.2013
5. Und dann?
Haben diese Leute dann auch Geld für die Zukunft? Nein.
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