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03. Dezember 2014, 09:05 Uhr

Nvidia Shield

Auf diesem Tablet laufen PC-Spiele

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Das ist mal ein Versprechen: Nvidias Shield ist nicht nur ein Tablet, man soll damit auch erstmals PC-Games spielen können. Kostenlos, ohne Leistungseinbußen, auch auf dem Fernseher. Wir haben getestet, ob das wirklich funktioniert.

Mit dem Shield versucht Chip-Hersteller Nvidia, PC-Gamer zum Tablet-Kauf zu locken. Bisher allerdings mit eher mäßigem Erfolg. In den Marktanalysen von Firmen wie Gartner verschwindet das Unternehmen unter "Sonstige". Dabei hatte Nvidia für das Shield viel versprochen. Vor allem, dass man damit PC-Spiele würde spielen können. Aber das klappte bisher nur bei sehr wenigen Spielern.

Denn auf dem Tablet selbst können solche Spiele nicht laufen, dazu sind sogar der potente Quadcore-Prozessor samt 192-kerniger Grafikkarte nicht leistungsfähig genug. Stattdessen musste man Spiele quasi vom eigenen PC auf das Tablet streamen. Aber das ging nur, wenn der eine bestimmte Grafikkarte hatte, natürlich von Nvidia.

Doch seit dem 2. Dezember ist diese Hürde in einigen Ländern gefallen. Jetzt braucht man keinen Gaming-PC mit Spezial-Grafikkarte mehr. Stattdessen sollen ein gutes W-Lan und ein ordentlicher Internetanschluss ausreichen. Die Spiele selbst laufen in der Cloud, genauer gesagt in einem Rechenzentrum in Dublin. Nvidia hat dafür mehrere Serverfarmen gebaut, das sogenannte Grid. Von dort aus werden die Spiele via Internet auf das Tablet gestreamt. Der Flachrechner dient also quasi nur als Bildschirm. Nvidia bezeichnet den Dienst deshalb auch gern als "Netflix für Spiele". In Deutschland soll das Angebot ab Anfang 2015 nutzbar sein.

Schnelles Internet muss sein

Ein paar Voraussetzungen müssen allerdings erfüllt sein, damit das wirklich funktioniert. Zum einen braucht man ein schnelles W-Lan nach dem Standard IEEE 802.11n. Zum anderen einen schnellen Internetanschluss, der zehn Megabit pro Sekunde Downloadrate bietet und eine Latenz, also Verzögerung, von weniger als 60 Millisekunden aufweist.

Man kann das System auch mit geringeren Werten zum Laufen bringen, dann ist ein reibungsloser Spielablauf aber nicht garantiert. Ich bin kein Risiko eingegangen, habe das Shield an einem Kabelanschluss mit 100 Megabit pro Sekunde getestet.

Spiele im Wert von mehr als 300 Euro

Nach dem Öffnen der Shield-Hub-App verzweige ich gleich zum Unterpunkt "Grid Games". Hier findet man die PC-Spiele. Denn eigene Spiele kann ich nicht installieren, sondern nur jene spielen, die Nvidia bereitstellt. Insgesamt 22 Titel sind zum Start auf dem Grid zu finden. Darunter bekannte Games wie "Batman: Arkham Asylum", "Boderlands 2", "Street Fighter X Tekken", "Alan Wake's American Nightmare" und "Dirt 2".

Die neusten PC-Spiele sind also nicht dabei, dafür muss man aber auch nichts bezahlen, um die vorhandenen Titel mit dem Shield spielen zu können. Die Lizenzen sind quasi im Kaufpreis enthalten, was laut Nvidia einem Wert von 320 Euro entspricht. Wie lange das so bleiben wird, ist allerdings unklar. Noch bezeichnet Nvidia seinen Spiele-Streaming-Dienst als Preview, also Vorschauversion.

Das Tablet ist eine Konsole

Als ich einige der angebotenen Spiele ausprobiere, staune ich nicht schlecht: Die grafische Qualität dessen, was auf dem kleinen 8-Zoll-Bildschirm angezeigt wird, ist hervorragend. Gerade anspruchsvolle Titel wie die "Batman"-Reihe oder das Autorennspiel "Dirt 2", zeigen viel mehr Details, viel mehr Tiefe und realistischere Bilder, als irgendein Tablet-Spiel.

Auch kann ich keine spürbaren Verzögerungen zwischen meinen Steuerbefehlen und der Reaktion im Spiel feststellen. Da ruckelt nichts. In dem Autorennspiel "Dirt 2" beispielsweise reagiert der Wagen ohne spürbaren Zeitversatz auf Bremse, Gas und Lenkbewegungen.

Damit das wirklich Spaß macht, ist allerdings die Anschaffung des 60 Euro teuren Shield-Controllers empfehlenswert, eines Game-Controllers speziell für das Nvidia-Tablet. Mit dem lassen sich die Grid-Games wesentlich besser kontrollieren als per Touchscreen.

Investiert man dann noch ein paar Euro in ein Adapterkabel von Mini-HDMI auf HDMI, wird das Shield zur Wohnzimmerkonsole. Im Konsolenmodus schaltet das Tablet seinen Bildschirm ganz ab. Den Ton kann man sich, gut für Familie und Nachbarn, aus der Kopfhörerbuchse des drahtlosen Shield-Controllers auf seine Kopfhörer einspielen. Für längere Gaming-Sessions sollte das Tablet allerdings mit seinem Netzteil verbunden sein: Im Test saugte Grid Gaming den ansonsten recht ausdauernden Akku teils rasend schnell leer.

Fazit

Der Grid-Games-Dienst macht das Shield einmalig. Wer sich mit dem 22 derzeit nutzbaren PC-Spielen gut bedient fühlt, bekommt damit ein sehr leistungsfähiges Tablet mit der neuesten Android-Version und eine Spielkonsole in einem einzigen Gerät. Der Preis, ab 300 Euro, ist dafür vollkommen in Ordnung, wenngleich man die 90 Euro für ein Cover und den Game-Controller lieber gleich einkalkulieren sollte. Zum Vergleich: Ein aktuelles Nexus-9-Tablet kostet mit 16 GB Speicher und nur W-lan 390 Euro.

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