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Smartphone mit Pop-up-Kamera: Das OnePlus 7 Pro im Test

Foto: Matthias Kremp/ SPIEGEL ONLINE

OnePlus 7 Pro im Test Hier schiebt sich die Kamera aus dem Handy

OnePlus will es jetzt mit den ganz Großen aufnehmen. Das neue Smartphone 7 Pro soll Premiumtechnik zum Premiumpreis bieten und lockt dafür mit einem besonderen Gimmick. Was das taugt, zeigt der Test.

Die guten alten Zeiten sind vorbei. Jedenfalls jene, als die chinesische Firma OnePlus noch ein kleines Start-up war.

Mit gut ausgestatteten Smartphones zu Kampfpreisen erarbeitete sich das schnell wachsende Unternehmen nicht nur einen respektablen Ruf, sondern auch eine beträchtliche Fanbasis. Heute geht das so weit, dass die Fans Monate im Voraus Eintrittskarten für die halbjährlich stattfindenden Produktvorstellungen der Firma kaufen.

Genau eine solche Veranstaltung fand heute in London statt. Doch statt eines neuen Preisbrechers stellte das Unternehmen ein Highend-Handy vor, zu einem Highend-Preis von bis zu 829 Euro. So teuer ist jedenfalls unser Testgerät des OnePlus 7 Pro mit der Topausstattung: 12 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und 256 GB Speicherplatz für Apps, Musik, Fotos und Videos.

Innerhalb des OnePlus-Universums ist das ein stolzer Preis. Verglichen aber mit einem ähnlich ausgestatteten Galaxy S10+ ist es immer noch günstig, denn das Samsung-Modell kostet 1249 Euro, wenn auch mit 512 GB erweiterbarem Speicherplatz. Und erweiterbar ist beim OnePlus 7 Pro gar nichts.

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Smartphone mit Pop-up-Kamera: Das OnePlus 7 Pro im Test

Foto: Matthias Kremp/ SPIEGEL ONLINE

Dafür aber ausfahrbar. Um nämlich den Bildschirm über die komplette Vorderseite des Geräts bauen zu können - ohne eine sogenannte Notch, also eine Aussparung für die Frontkamera - wurde eine ausfahrbare Kamera eingebaut. Die schiebt sich auf Knopfdruck sehr elegant und zügig oben aus dem Gehäuse. Weil so etwas in Smartphones heutzutage selten ist, kann man sich der Aufmerksamkeit umstehender Beobachter sicher sein.

Erkenne mich

Neben ihrer Funktion als Selfie-Cam, die sie mit 16-Megapixel-Auflösung gut erledigt, dient die ausfahrbare Kamera auch zum Entsperren des Handys per Gesichtserkennung. Unter idealen Umständen klappt das auch sehr gut, aber die Umstände sind eben nicht immer ideal. Im Test hat sich die Kamera sowohl von starkem Sonnenlicht als auch von unterschiedlichen Brillen verwirren lassen.

Ist immer ein Hingucker: Die ausfahrbare Frontkamera

Ist immer ein Hingucker: Die ausfahrbare Frontkamera

Foto: Matthias Kremp/ SPIEGEL ONLINE

Deutlich zuverlässiger war da der in den Bildschirm eingebaute Fingerabdrucksensor. Der sei gegenüber dem Sensor im Vorgängermodell 6T verbessert worden, heißt es von OnePlus. Wenn man den etwas zickigen Fingerabdrucksensor des Galaxy S10+ gewöhnt ist, ist das eine wahre Freude.

Ein Handy mit Hertz

Eine Freude ist auch der Bildschirm. OnePlus verwendet erstmals einen in das Gehäuse hineingebogenen Bildschirm. Ist das Display ausgeschaltet, kann man den Eindruck haben, Gehäuse und Display seien eins. Das wirkt edel und ist genau der Effekt, auf den auch Samsung bei seinen Premium-Smartphones setzt.

Mit einer Auflösung von 3120 x 1440 Pixeln kann der Bildschirm auch feine Details darstellen und verfügt wegen seiner Amoled-Technik über starke Kontraste. In der Bildschirmeinstellung "Lebendig" wirkt das etwas arg bunt, im Modus "Natürlich" dafür sehr realistisch.

Eine Besonderheit ist die Möglichkeit, den Bildschirm mit einer Bildwiederholrate von 90 statt der üblichen 60 Hertz laufen zu lassen. In diesem Modus verbraucht das Display etwas mehr Strom, zeigt dafür Bewegungen aber auch etwas glatter an. Bemerkbar ist das zum Beispiel, wenn man durch lange Webseiten scrollt. Ob man bereit ist, für das bisschen Augenschmeichelei Akkulaufzeit zu opfern, ist Geschmackssache. Essenziell ist die hohe Bildrate nicht.

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Dasselbe gilt auch für den Prozessor. OnePlus baut hier das neueste 8-Kern-Modell von Qualcomm ein, den Snapdragon 855. Leistung hat der mehr als genug. Im Test macht sich das insofern bemerkbar, als man vom Prozessor eigentlich nichts merkt, er ist halt immer schnell genug.

Dazu passt gut, dass OnePlus einen sogenannten UFS-3.0-Speicher einbaut. Der ist deutlich schneller als frühere Speichermodule. Im Alltag bemerkt man das beispielsweise dadurch, dass Apps, vor allem große, irre schnell gestartet werden. Gefühlt gibt es oft überhaupt keine Verzögerung zwischen dem Tippen auf das App-Symbol und dem Erscheinen der geöffneten App auf dem Bildschirm.

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Für Spieler gibt es zudem einen "Fnatic" genannten Spielmodus, in dem fast alle Hintergrundprozesse abgeschaltet werden, um dem laufenden Spiel möglichst viel Leistung bereitzustellen.

Der belastet dann freilich auch den Akku ganz besonders. Im Alltag hingegen meistert das Gerät mit einer Akkuladung einen normalen Arbeitstag. Im Dauertest schaltete es sich nach knapp neun Stunden mit leerem Akku ab. Eine kabellose Ladeoption gibt es nicht, dafür ein dickes Netzteil. Das braucht allerdings zwei Stunden und zwanzig Minuten, um den Akku voll aufzuladen.

Knips mal

Im Rücken des OnePlus 7 Pro steckt eine Dreifachkamera

Im Rücken des OnePlus 7 Pro steckt eine Dreifachkamera

Foto: Matthias Kremp/ SPIEGEL ONLINE

Mit dem 7 Pro zieht OnePlus außerdem in der Kameratechnik nach und baut eine Dreifachkamera ein. Die Hauptkamera hat dabei einen 48-Megapixel-Sensor. Hier werden allerdings jeweils vier Pixel zu einem Bildpixel zusammengerechnet, sodass am Ende 12-Megapixel-Fotos herauskommen. Ähnlich wie bei vielen Konkurrenten wird diese Kamera von einem Ultraweitwinkel- und einem Teleobjektiv ergänzt.

Die resultierende Fotoqualität ist fast immer gut, manchmal auch sehr gut. Bei Aufnahmen mit dem Teleobjektiv wünscht man sich manchmal etwas mehr Schärfe, bei Ultraweitwinkelaufnahmen etwas mehr Dynamik. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Mit den Kameras, die beispielsweise in Samsungs Topsmartphones eingebaut sind, kann das OnePlus 7 Pro meist mithalten.

Fazit

Mit dem 7 Pro hat OnePlus zugleich gewonnen und verloren. Gewonnen, weil das Unternehmen mit dem neuen Modell ein Smartphone mit vielen Features aus dem Premiumsegment anbietet, dies aber zu einem etwas günstigeren Preis. Verloren, weil die als Preisbrecher gestartete Firma damit ihre Einzigartigkeit verliert: Aus teuren Komponenten teure Smartphones zu bauen, ist keine Kunst. Die besteht heute eher darin, günstige Handys zu entwickeln, die sich anfühlen, als müssten sie teurer sein. So wie Google es gerade mit dem Pixel 3a vorgemacht hat.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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