OnePlus 8 Pro im Test Das Handy mit dem Warp-Antrieb

Smartphone-Aufsteiger OnePlus geht neue Wege. Im OnePlus 8 stecken erstmals Technologien, die der Hersteller lange als verzichtbar abtat. Offenbar sind sie es in dieser Preisklasse aber nicht mehr.
Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Das hat es bei OnePlus noch nie gegeben: Das neue Topmodell des chinesischen Smartphone-Herstellers, das OnePlus 8 Pro, das am Dienstag der Öffentlichkeit präsentiert wurde, lässt sich kabellos aufladen. Die erst 2013 gegründete Firma gibt damit ihren jahrelangen Widerstand gegen diese Technologie auf. Noch im vergangenen Jahr hatte OnePlus-Chef Pete Lau die Ladegeräte seiner Firma gelobt und erklärt, kabellose Ladelösungen seien "weit unterlegen ".

In gewisser Weise ließen sich Laus Argumente eine Zeit lang nachvollziehen. Seine Ingenieure hatten die Technik, die den Ladevorgang steuert, komplett vom Handy in das Netzteil verlagert. So lässt sich der Akku besonders schnell aufladen und das Handy wird bei dem Vorgang nicht warm, wie bei anderen Ladetechnologien. Doch mittlerweile dürfte der Druck der Kunden, die sich trotzdem eine kabellose Ladefunktion wünschen, zu groß geworden sein. Schließlich bieten Firmen wie Samsung und Apple das schon seit Jahren an.

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OnePlus 8 Pro

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Also hat das OnePlus 8 Pro, das ich in den vergangenen anderthalb Wochen getestet habe, auch eine solche Funktion. Allerdings hat die Firma den Standard etwas aufgebohrt und "Warp Charge 30 Wireless" genannt, nach dem Warp-Antrieb für Überlichtgeschwindigkeit aus der Serie "Star Trek" und der Watt-Zahl. Innerhalb einer guten halben Stunde wird der Akku damit von null auf rund 50 Prozent Kapazität aufgeladen, wenn man das passende Ladegerät von OnePlus hat. Das kostet nicht nur 70 Euro extra, sondern ist auch das erste Smartphone-Ladegerät auf meinem Schreibtisch mit einem Lüfter - und deshalb deutlich hörbar.

Das OnePlus auf dem kabellosen Warp-Charger-Ladegerät. Andere Smartphones kann man darauf auch aufladen. Das geht nicht so schnell, dafür aber still.

Das OnePlus auf dem kabellosen Warp-Charger-Ladegerät. Andere Smartphones kann man darauf auch aufladen. Das geht nicht so schnell, dafür aber still.

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Die andere Neuerung, mit der OnePlus seine treuen Fans überrascht, ist eine sogenannte IP-68-Zertifizierung , also der offizielle Beleg, dass es nach festgelegten Standards wasser- und staubdicht ist. Bisher hatte die Firma auf diese Zertifizierung mit dem Argument verzichtet, sie sei zu teuer. Das billigere OnePlus 8 (ohne Pro und ohne kabelloses Laden) kommt dementsprechend auch ohne ein solches Zertifikat, soll Angaben aus Unternehmenskreisen zufolge aber nicht weniger wasserfest sein.

Preise bis fast 1000 Euro

Auch ansonsten bemüht sich OnePlus einmal mehr, in der Oberklasse mitzumischen, anders als in der Anfangszeit der Firma aber ohne den Anspruch, die etablierte Konkurrenz preislich deutlich zu unterbieten. Das OnePlus 8 kommt in der sparsamsten Ausführung für 699 Euro in den Handel, die Pro-Version kostet je nach Speicherausstattung 899 oder 999 Euro.

Billig ist das nicht, dafür bekommt man allerdings auch ein fettes Technikpaket, das auch noch gut aussieht. Mein Testgerät etwa hatte auf der Rückseite eine matt geschliffene, blau schimmernde Mehrschichtlackierung, die nicht nur gut aussieht, sondern sich in der Hand auch sehr angenehm anfühlt. Ganz ähnlich wie bei Apples iPhone 11 Pro, nur dass die stark gerundete Korpusform des OnePlus besser in der Hand liegt.

Dürfen es ein paar Hertz mehr sein?

Das Highlight des OnePlus 8 Pro ist aber sein Bildschirm. Nicht nur, weil er mit 6,78 Zoll recht groß ist, mit 3168 x 1440 Pixeln die dazu passende Auflösung hat und auch noch HDR-tauglich ist. Was ihn besonders macht, ist die Bildwiederholrate von bis zu 120 Bildern pro Sekunde, doppelt so viel wie üblich. Bei Spielen und beim Scrollen auf Websites sorgt das für butterweiche Bewegungen ohne Ruckler. Leider zulasten der Akkureichweite, weshalb man im Dauerbetrieb lieber auf 60 Hertz wechseln sollte, wozu man leider in die vierte Unterebene der Systemeinstellungen hinabsteigen muss.

Einen guten Eindruck hinterlässt auch das Kameratrio auf der Rückseite, dessen Grundlage ein 48-Megapixel-Fotosensor von Sony bildet. Im Test gelangen damit meist gute bis sehr gute Schnappschüsse. Wie derzeit üblich sind neben einem Weitwinkelobjektiv ein Ultraweitwinkel und ein 3fach-Teleobjektiv eingebaut. Nichts Besonders also, aber für die meisten Situationen reicht es. Die zusätzlich eingebaute 5-Megapixel-Farbfilterkamera ist kaum mehr als ein Gimmick, sie tut offenbar nichts, was man nicht auch per Software tun könnte.

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OnePlus 8 Pro - Testfotos

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Ganz anders sieht das mit übrigen üppigen Hardware-Ausstattung aus. Mit dem Snapdragon 865 baut OnePlus einen der schnellsten verfügbaren Smartphone-Prozessoren ein, dem je nach Modell acht oder 12 Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite stehen. Zudem stecken in dem Gerät Chips und Antennen für 5G und den neuen WLAN-Standard Wi-Fi 6, und es ist Platz für zwei SIM-Karte. Einen Steckplatz für Speicherkarten sucht man allerdings vergeblich.

Fazit

Das OnePlus8 Pro ist ein solides, sehr schönes Oberklasse-Smartphone. Die Verarbeitung ist makellos, der Bildschirm herausragend gut, die Leistung mehr als ausreichend und die Befähigung zu 5G und Wi-Fi 6 zukunftstauglich. Auch mit den Kameras lässt sich viel anfangen, etwas Besonders bieten sie aber nicht. Das OnePlus 8 Pro ist eben ein Smartphone für jene, die gern Toptechnik haben wollen, aber nicht bei einer der Topmarken kaufen mögen.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.

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