Smartphone OnePlus Nord im Test Endlich wieder günstig

Das einstige Smartphone-Start-up OnePlus kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Mit dem Nord will das Unternehmen wieder Flaggschiff-Funktionen zu kleinen Preisen bieten.
Das OnePlus Nord in dem Farbton, den der Hersteller Blue Marble nennt, blauer Marmor

Das OnePlus Nord in dem Farbton, den der Hersteller Blue Marble nennt, blauer Marmor

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Sechs Jahre ist es her, dass OnePlus, damals noch ein kleines Start-up aus der chinesischen Industriestadt Shenzhen, sein erstes Smartphone auf den Markt brachte. Das schlicht "One" genannte Gerät war für damalige Verhältnisse ein Preisbrecher. Nach meinem Test zog ich damals das Fazit: "So viel aktuelle Technik so gut verpackt, bekommt man bei keinem anderen Hersteller." Der Preis: 299 Euro. Die Nachfrage: riesig. Die einzige Möglichkeit, es zu kaufen: auf Einladung. Und die waren damals so rar, dass nach Veröffentlichung des Testberichts viele Leser bei uns anfragten, ob wir ihnen eine solche Einladung vermitteln können.

Heute ist das einfacher. Seit 2017 macht das Unternehmen jährlich mehr als eine Milliarde Dollar  Umsatz und um eines zu kaufen, muss man auf keine Einladung mehr warten. Allerdings hatte sich die Firma in den vergangenen Jahren zusehends daran versucht, mit den Premium-Produkten von Samsung, Apple und Huawei zu konkurrieren. Der Höhepunkt dieser Entwicklung war im April 2020 das OnePlus 8 Pro, das mit Preisen bis zu 999 Euro weit von dem entfernt ist, was Fans der Firma anfangs so an OnePlus geschätzt haben: viel Technik für wenig Geld. Genau dieses Manko will das Unternehmen offensichtlich mit dem Nord beseitigen.

Auf viel muss man dabei nicht verzichten. Von außen sichtbar ist, dass der Bildschirm mit 6,4 Zoll etwas kleiner ist und sich an den Seiten nicht in das Gehäuse hineinbiegt. Außerdem ist der Blue Marble genannte Farbton der Rückseite meines Testgeräts einfach glänzend und nicht samtig mattiert, wie beim OnePlus 8 Pro. Das OLED-Display selbst ist aber von guter Qualität.

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OnePus Nord

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Im direkten Vergleich mit den viel teureren Pro-Modell wirkt es ein wenig blass, hat einen Hauch weniger starke Kontraste, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Für ein Handy diese Preisklasse - das OnePlus Nord ist schon ab 399 Euro zu bekommen - ist die Qualität hervorragend. Umso mehr als es ebenso hell zu sein scheint wie beim 8 Pro und eine Bildwiederholfrequenz von 90 Hertz bietet, was beim Scrollen für einen angenehm ruhigen Bildeindruck sorgt und in dieser Preisklasse alles andere als der Standard ist.

Sechs Kameras (eigentlich nur fünf)

Auf der Webseite zum Handy spricht OnePlus davon, das Gerät habe vier Rückkameras und zwei Frontkameras. Das ist ein bisschen geschönt, denn zumindest eine davon ist eine sogenannte Tiefenkamera, oft auch als TOF-Sensor bezeichnet, die lediglich Daten sammelt, die dazu dienen Bokeh-Effekte, also Unschärfen im Hintergrund, zu erzeugen. Das ist wichtig, aber alleine kann diese Kamera eben keinen Fotos machen.

Ihr zur Seite stehen eine 8-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera und eine 2-Megapixel-Makrokamera für Nahaufnahmen. Ein Teleobjektiv gibt es nicht, dafür aber eine Hauptkamera, die auf demselben 48-Megapixel-Sensor basiert wie im OnePlus 8 Pro. Der hinterlässt beim Nord einen ebenso guten Eindruck wie schon beim 8 Pro und kommt auch bei wenig Licht gut klar. Bei einem Testaufbau hatte es allerdings Schwierigkeiten, verschiedene Brauntöne zu unterscheiden (siehe Testfotos). Das Ultraweitwinkel hingegen neigt zu einem leichten Grünstich.

Einen guten Eindruck hinterlässt auch das Paar Selfie-Kameras. Vor allem die 32-Megapixel-Weitwinkel-Variante zeigt manchmal derart viele Details an, dass man gern die schönfärberischen Weichzeichner ausprobiert, die Selbstporträts glätten sollen. Der Ultraweitwinkel-Modus bringt zwar nicht so viele Feinheiten, dafür aber mehr Leute ins Bild - wenn man das Handy brav horizontal hält.

Aufladen mit Warp-Technik

Genau wie das 8 Pro wird auch das Nord mit einem Netzteil geliefert, das die von OnePlus als "Warp Charge 30T" bezeichnete Ladetechnik beherrscht. Dessen Vorteil: Es lädt den Akku binnen 30 Minuten zu 70 Prozent auf und soll ihn nachts auf etwa 85 Prozent Kapazität halten und erst kurz vor dem Aufstehen auf 100 Prozent vollpumpen. Das funktioniert freilich erst, wenn das Gerät sich einen Plan davon gemacht hat, wann man üblicherweise aufsteht. Der Testzeitraum von wenigen Tagen war dafür zu kurz.

Etwas zu kurz war auch die Akkulaufzeit. Beim Dauerabspielen eines Videos mit voller Bildschirmhelligkeit schaltete sich das Handy nach 10 Stunden und einer Minute ab. Da wäre es schön, den Akku zwischendurch mal kabellos nachbetanken zu können, doch kabelloses Laden beherrscht das Nord nicht.

Dafür gibt es an seiner Leistung und der Speicherausstattung nichts zu bemängeln. Sein Snapdragon 765G-Prozessor war vor einem Jahr noch High-end und sorgt in Kombination mit üppigen 8 Gigabyte Arbeitsspeicher dafür, dass alles flüssig läuft. Dass das Nord zudem 5G-Mobilfunk unterstützt, ist in dieser Preisklasse ungewöhnlich. Vorläufig geht das allerdings nur, wenn man nur eine SIM-Karte einsteckt. Sobald zwei Karten im Gerät stecken, läuft nur noch LTE. Ein Software-Update soll diesen Mangel beseitigen. Wann, ist unklar.

Der Speicher dürfte mit 128 Gigabyte für viele Nutzer groß genug sein, eine Erweiterungsmöglichkeit gibt es nicht. Wer mehr will, muss für 100 Euro Aufpreis die Variante mit 12 Gigabyte Arbeitsspeicher und 256 Gigabyte Massenspeicher kaufen.

Fazit

Die Entscheidung, wieder mit Oberklassetechnik in den Mittelklassebereich einzusteigen, war genau richtig. Mit seinem Preis von knapp 400 Euro und seiner umfangreichen und guten Ausstattung kann das Nord in seiner Preisklasse glänzen. Vor allem die Kameras und der Bildschirm überzeugen. Wenn es jetzt noch wasserfest wäre und sich drahtlos aufladen ließe, wäre es konkurrenzlos.

OnePlus Nord - Technische Daten

Hersteller

OnePlus

Modell

Nord

Bildschirmgröße (Zoll)

6,4

Auflösung (Pixel)

2400 x 1080

Arbeitsspeicher (GB)

8

Speicherplatz (GB)

128

Kameras (Megapixel)

48 + 8 + 2 + Tiefensensor

Selfie-Kameras (Megapixel)

32 + 8

Akkulaufzeit (Std.:Min.)

10:01

Gewicht (Gramm)

184

Straßenpreis (Euro), ab

399,-

Alle Daten, bis auf die Akkulaufzeit, basieren auf Herstellerangaben.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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