Online-Werbung Apple drängt an Googles Geldquelle

Apple, Google und Microsoft liefern sich auf dem Mobilfunkmarkt einen erbitterten Konkurrenzkampf. Mit seinem Einstieg ins Handy-Werbegeschäft schottet Apple iPad und iPhone jetzt noch stärker gegen Wettbewerber ab - und fordert Google offen heraus.
Steve Jobs: Der Apple-Chef verspricht interaktive Werbung für iPhone und Co.

Steve Jobs: Der Apple-Chef verspricht interaktive Werbung für iPhone und Co.

Foto: Eric Risberg/ AP

Wieder mal wird ein "i" vorangestellt: Diesmal nimmt sich Apple die Werbung vor, das englische Wort dafür wird in der firmeneigenen Schreibweise zur "iAd". Bisher überließ Apple das Schalten von Anzeigen auf seinen mobilen Geräten anderen Firmen - und damit vor allem der Firma AdMob, die Google übernehmen will. Doch mit der neuen Version des Betriebssystems für iPhone, iPad und Co. soll damit Schluss sein.

Entwickler sollen sich bei Apple registrieren können und Werbung in ihren Apps geschaltet bekommen. Sechzig Prozent der Einnahmen will Apple an die Entwickler weiterreichen. Neue Funktionen sollen die iAds abheben vom herkömmlichen mobilen Werbegeschäft. Mit einem Fingertipp auf die Anzeige lässt sich eine eigene Anwendung starten. Die interaktive Werbung soll sowohl Videos als auch Spiele enthalten können.

Das Werbeprogramm sei für Apple nicht einfach nur eine schnelle Möglichkeit, viel Geld zu machen, versicherte Firmenchef Steve Jobs bei einer Präsentation am Donnerstag. Stattdessen wolle man den Entwicklern helfen, so dass diese ihre Programme zu einem geringen Preis oder kostenlos vertreiben können. Zur Einführung des iPad versuchen es viele Anbieter mit höheren Preisen für ihre Apps.

So sehr sich Apple um die App-Entwickler sorgt, auch für die Firma und ihr weitgehend gegen unerwünschte Konkurrenz abgeschottetes System dürfte es ein gutes Geschäft werden: Rund 85 Millionen mobile Geräte hat das Unternehmen nach eigenen Angaben verkauft, vier Milliarden Apps wurden heruntergeladen. Bei der Vorstellung des neuen Betriebssystems offenbarte sich auch die Rivalität zu Google, die mittlerweile offen zur Schau getragen wird.

Apples Einstieg erleichtert Googles Übernahme

Werbung finde vor allem im Umfeld von Suchergebnissen statt, erklärte Steve Jobs. Das gelte aber nur für Desktop-Computer, auf dem Handy sei das etwas ganz anderes. "Menschen suchen nicht auf dem Telefon, sie benutzen Apps." Eine Milliarde Werbeanzeigen könne Apple mit seinen iAds theoretisch pro Tag ausliefern, wenn denn alle diese Anwendungen Werbung enthielten und alle drei Minuten eine Anzeige angezeigt werden würde.

Apple, einst reiner Hard- und Software-Hersteller, ist in den vergangenen Jahren bereits zum wichtigen Musik- und Filmdistributor geworden. Nun rechnet sich das Unternehmen auch zum wichtigen Akteur auf dem Werbemarkt. Die neue Konkurrenz im Anzeigengeschäft für Handys könnte ausgerechnet Google helfen.

Denn noch fehlt Google zum umfassenden Werbeimperium die Firma AdMob, die für 750 Millionen Dollar gekauft werden soll. Nur hat die amerikanische Kartellbehörde die Übernahme nicht genehmigt. Die Federal Trade Commission (FTC) befürchtete bisher, so das "Wall Street Journal", dass Google seine überragende Marktmacht auf den Handy-Markt ausweiten würde. Angeblich sei deswegen sogar eine Kartellklage erwogen worden. Die FTC wollte sich dazu bisher nicht äußern.

Dass Apple nun in den Werbemarkt für Handys einsteige, sieht Google als Beleg für einen dynamischen und funktionierenden Markt. "Apple wird sicher ein starker Wettbewerber", sagte ein Sprecher dem "Wall Street Journal" . Sollte das auch das Kartellamt überzeugen, steht der Übernahme von AdMob nichts mehr im Weg.

Google vs. Apple vs. Microsoft

Der dritte große Mitbewerber arbeitet derzeit noch an seinem Einstieg in den Handy-Markt. Microsoft hat sein neues Betriebssystem Windows Mobile 7 bereits vorgestellt und wurde für durchdachte Funktionen von der Fachpresse gelobt. Nun legt das Unternehmen nach und will im Herbst auch ein eigenes Smartphone präsentieren. Im mobilen Werbegeschäft ist auch Microsoft aktiv. Für das passende Umfeld sorgt ein Deal mit dem Mobilfunkanbieter Verizon Wireless in den USA, deren 80 Millionen Kunden mit Microsoft-Suchfunktionen versorgt werden.

Der Unterschied: Apple setzt auf ein in sich geschlossenes System, über das die Firma weitgehend Kontrolle behält und an Hardware, Apps, Inhalten und Werbeanzeigen verdient. Microsoft hingegen lizenziert seine Software auch an andere Smartphone-Hersteller. Und Google wiederum stellt sein Handy-Betriebssystem Android als Open Source kostenlos zur Verfügung, schaltet Werbung, wo es nur geht, verkauft aber mit dem Nexus One auch ein eigenes Smartphone.

Vor dem Start des iPad war spekuliert worden, ob Apple ganz auf Google verzichten würde. Bislang nutzt Apple die Kartenfunktion Google Maps auf iPhone und Co., auch die standardmäßig eingestellte Web-Suche im mobilen Safari-Browser verweist auf Google. Wegen wachsender Rivalitäten schien ein Umstieg auf Microsoft-Anwendungen denkbar. Der Umstieg blieb fürs erste aus.

Das neueste Gerücht: Analysten unken, Apple entwickle stattdessen gleich eine eigene Suchmaschine .

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