Palm Pre Wie das iPhone, nur anders

Palm versucht's noch mal: Mit dem Smartphone Pre will das strauchelnde Unternehmen zu alter Größe zurückfinden. Auf die Kompatibilität zu früheren Modellen hat man genauso verzichtet wie auf überflüssige Extras. Ein iPhone-Killer ist der Pre nicht - und das ist gut so.

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Auf der CES in Las Vegas durfte ich den Pre nur kurz ausprobieren: Der damals noch amtierende Palm-Chef Ed Colligan überließ mir sein Vorserienmodell für ein paar Minuten. Aber die reichten aus, mein Interesse zu wecken. Anders als andere Handys würde der Pre werden, das war klar. Anders vor allem als das iPhone - und das machte die Sache interessant. Denn wo andere Hersteller dem Vorbild iPhone mit heraushängender Zunge hinterherhecheln, setzt Palm auf eigene Ideen - zumindest weitgehend.

Schon beim Auspacken zeigt sich, dass hier jemand am Werk gewesen sein muss, der weiß, wie man einem Produkt den Nimbus verleiht, etwas Besonderes zu sein. Wo andere Handys lieblos in Kartons gestopft werden, ist der Pre sorgsam in eine Designer-Pappschachtel drapiert. Das ist nicht wichtig, aber schön. Dasselbe gilt auch für den Pre selbst, dem man klar die Handschrift von Jon Rubinstein ansieht. Rubinstein nämlich war es, der für Apple einst die iPods entwickelte, bevor er bei Palm zuerst den Job des Chefentwicklers und schließlich den des Firmenchefs übernahm.

Einen echten Handschmeichler hat der Mann, der auch als Podfather bezeichnet wird, mit dem Pre geschaffen. Keine scharfe Kante stört sensible Fingerkuppen. Mit dem Daumen lässt sich das Display nach oben schieben, so dass die Tastatur zum Vorschein kommt. Deren Tasten sind winzig, aber trotzdem griffig, weil aus einem relativ weichen Gummimaterial, das die Position der Tasten gut erfühlen lässt.

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Eine Hand voll Spaß: Der Palm Pre

Viel wichtiger als diese Nebensächlichkeiten ist jedoch das Prunkstück des Pre: sein Display. Und das nicht etwa wegen seiner Auflösung, die mit 320 x 480 Pixeln gleichauf mit der des iPhone liegt. Nein, beeindruckend sind der starke Kontrast und die klaren Farben, die der Bildschirm zeigt. Da schaut man gerne hin. Vor allem aber tippt man da gerne hin, denn der berührungsempfindliche Mini-Monitor dient auch als Steuerzentrale für das Betriebssystem des Pre, das ganz auf Fingersteuerung ausgelegte webOS.

Und wie das funktioniert, ist ausgesprochen charmant und schnell zu erlernen. Auf dem Bildschirm selbst kann man Objekte mit einem Finger verschieben, mit zwei Fingern drehen, vergrößern und verkleinern. Das hat Palm sich bei Apple abgeguckt. Vollkommen neu ist dagegen die innovative Art der Gestensteuerung, die sich Palms Entwickler ausgedacht haben. Um etwa im Webbrowser eine Seite zurück zu gehen, wische ich im sogenannten Gestenbereich, unterhab des Displays, mit dem Finger nach links. Wische ich nach rechts, geht es eine Seite voran.

Adressen müssen online sein

In diesem Stil geht es weiter. Mal führt man spezielle Gesten unter dem Bildschirm, mal darauf aus. Was wirklich erstaunlich ist: Ich brauche kaum länger als 15 Minuten, um die 15 wichtigsten Gesten des webOS zu erlernen. Fortan macht der Palm einfach Spaß. Habe ich ein Programm gestartet, will in ein anderes wechseln, wische ich mit einem Finger senkrecht über das Display. Das Programm wird zu einer Karte, die über dem Hintergrund schwebt. Gut ein Dutzend solcher Karten kann ich auf dem Bildschirm nebeneinander platzieren, bevor mich das System warnt, der Speicher würde jetzt knapp. Überschüssige Programme wieder aus dem Arbeitsspeicher zu löschen ist aber kein Problem. Man wirft sie einfach per Fingerzeig vom Bildschirm, weg sind sie.

In genau umgekehrter Weise funktioniert, was Palm als Synergy bezeichnet. Synergy ist eine Art Sammel-Tool, das Nutzerdaten zusammenführt. Palm schreibt dazu überschwänglich, der Pre sammle "Daten aus verschiedensten Quellen", um sicherzustellen, dass man stets die aktuellen Informationen bei sich hat. Sonderlich groß ist die Auswahl der tatsächlich verfügbaren Datenquellen aber nicht.

Mit Google, Facebook und Microsoft Exchange kann Palms Smartphone Daten abgleichen. Wer seine Adressbücher und E-Mails bei einem dieser Dienste verwaltet, ist fein raus. Sind die entsprechenden Kontodaten eingegeben, saugt sich der Pre die mit dem jeweiligen Account verbundenen Informationen selbst aus dem Netz, befüllt so sein Adressbuch und seinen Kalender.



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