Smartphone-Fotografie Mit Stückwerk zu besseren Panoramabildern

Smartphones haben die Panoramafotografie zum Kinderspiel gemacht. Doch die traditionelle Methode, überlappende Einzelbilder aufzunehmen und auf dem Computer zusammenzufügen, hat noch immer ihre Vorteile.
Von Michael J. Hußmann
Smartphone-Aufnahmen lassen sich auch am PC zusammensetzen, etwa mit Lightroom CC.

Smartphone-Aufnahmen lassen sich auch am PC zusammensetzen, etwa mit Lightroom CC.

Foto: Michael J. Hußmann

Es ist schon beeindruckend, welche Bildqualität aktuelle Smartphones abliefern, sind die Sensoren ihrer Kameramodule doch oft kleiner als die der Kompaktkameras früherer Tage. Die interne Bildverarbeitung hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht und bedient sich heute auch bei Machine-Learning-Techniken. "Computational photography" heißt das dann. Der Schlüssel zu besseren Bildern mit kleinen Sensoren liegt darin, die effektive Sensorfläche virtuell zu vergrößern.

Beispielsweise führt die Verrechnung von Aufnahmen multipler Kameramodule zu einer höheren Bildqualität. Auch die Kombination mehrerer Belichtungen kann den Rauschabstand und damit die Empfindlichkeit erhöhen - eine Methode, wie sie das Huawai P30 nutzt, um die Qualität eines größeren Sensors zu erreichen. Ein anderes Verfahren besteht darin, Bilder mit unterschiedlichen Aufnahmewinkeln zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen, wie es für die Panoramafotografie charakteristisch ist.

Handy nicht kippen

Das automatische Stitching von Panoramafotos ohne Zusatzsoftware gab und gibt es nicht nur in Smartphones. Schon 2006 konnten Kodak-Kompaktkameras drei Einzelbilder zu einem 120-Grad-Panorama verrechnen. 2010 führte Sony die Schwenkpanoramen ein, für die man die Kamera nur noch gleichmäßig drehen musste. Statt einzelner Fotos wird ein Strom von Videobildern ausgewertet, aus dem der Prozessor schmale, sich überlappende Bildstreifen herauszieht, und zum Panorama zusammenfügt. Der einzige Nachteil ist, dass die Auflösung gegenüber einem Panorama aus Einzelbildern reduziert ist, um eine hohe Bildfrequenz zu erreichen.

Das Schwenkpanorama-Verfahren ist auch der Standard bei Smartphones. Das von Handy-Fotografen bevorzugte Hochformat ist hier nützlich, denn mit einem horizontalen Schwenk wird dann auch ein großer vertikaler Bildwinkel erfasst.

Über die präzise Lage des parallaxfreien Drehpunkts müssen Sie sich keine Gedanken machen. Er liegt durchweg ein bis zwei Millimeter hinter dem Schutzglas des Objektivs, und genauer müssen Sie es nicht wissen. Dennoch bleibt es wichtig, das Smartphone um den parallaxfreien Drehpunkt zu schwenken, damit Motive im Vordergrund wie auch solche im Hintergrund perfekt zur Deckung gebracht werden können.

Der wichtigste zu vermeidende Fehler bestünde darin, sich beim Schwenken mit dem Handy am ausgestreckten Arm um die eigene Achse zu drehen. Sie müssen sich stattdessen um das Smartphone drehen - oder vielmehr um das Objektiv, das ja oft an der Seite statt mittig platziert ist. Bei Handy-Halterungen mit Stativanschluss liegt dieser leider durchweg in der Mitte und lässt sich nicht unter das Objektiv schieben.

Weiterhin ist darauf zu achten, das Handy während des Schwenks nicht zu kippen. Andernfalls würde der Bildwinkel teilweise nach oben oder unten verschoben, und die überstehenden Bildteile würden abgeschnitten, weil das Endergebnis ja ein rechteckiges Panorama sein soll. Da die Belichtung von den meisten Kamera-Apps beim Druck auf den Auslöser gemessen und während des Schwenks nicht mehr angepasst wird, sollten Sie bei einem 360-Grad-Panorama mit dem Motiv beginnen, dessen Belichtung am kritischsten ist.

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Doc Baumanns Magazin für digitale Bildbearbeitung

November 2019

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So schnell und bequem man auch mit der Schwenkpanorama-Funktion zu einem ansehnlichen Ergebnis kommt - die optimale Bildqualität erreichen Sie so nicht. Schwenkpanoramen sind allerdings ideal, um sie schnell über die sozialen Netze zu verbreiten. Facebook erkennt Panoramen selbsttätig und stellt sie so dar, dass man mit der Maus oder in der Smartphone-App durch Drehen des Handys durch die Rundumsicht navigieren kann.

Mit der traditionellen Methode, überlappende Einzelbilder aufzunehmen, die Sie in einer Panorama-Software auf dem Computer zusammenfügen, nutzen Sie dagegen die volle Sensorauflösung. Außerdem können Sie die Belichtung für jede einzelne Aufnahme optimieren. Da eine Rundumsicht zwangsläufig ganz unterschiedliche Lichtverhältnisse in einem Bild zusammenfasst, sind sonst oft einige Bildbereiche unter- und andere überbelichtet.

Aufnahmen im DNG-Format, wie sie unter anderem Lightroom CC unterstützt, bieten noch mehr Spielraum, das Ausgangsmaterial für das Stitching zu verbessern. Letzteres beherrschen nur die Desktop-Version von Lightroom CC und Lightroom Classic CC mit "Foto > Zusammenfügen von Fotos > Panorama". Damit vermeiden Sie auch die Streifenbildung, die man oft in Schwenkpanoramen sieht.

Es muss nicht immer Panorama sein

Die Kombination einzelner Aufnahmen zu einem Bild mit größerem Bildwinkel taugt noch für andere Anwendungen als die klassische Panoramafotografie. Bei Panoramen geht es darum, dass selbst die kürzesten Brennweiten noch nicht ausreichen, den gewünschten Bildwinkel abzudecken, weshalb man mehrere Aufnahmen kombiniert. In der Gigapixel-Fotografie arbeitet man dagegen bewusst mit langen Brennweiten, und das Ziel ist kein extremer Bildwinkel, sondern eine hohe Auflösung. Eine dritte Variante ist die Brenizer-Methode. Auch diese basiert darauf, den abzubildenden Bildwinkel mit mehreren überlappenden Aufnahmen zu erfassen, aber das Ziel ist eine Verringerung der Schärfentiefe.

Da auch Smartphones mit mehreren Kameramodulen meist nur die Wahl zwischen einem Weitwinkel und einem Normalobjektiv erlauben, kann man von der Brenizer-Methode kein deutlich verbessertes Bokeh erwarten. Eine Kombination mehrerer Aufnahmen mit längerer Brennweite statt eines einzigen Fotos mit kurzer Brennweite liefert im Ergebnis mehr Pixel und eine höhere Bildqualität.

Eine Voraussetzung ist natürlich, dass sich das Motiv zwischen den Aufnahmen nicht bewegt. Mit mehreren Reihen von DNG-Aufnahmen, zusammengefügt in Lightroom (Classic) CC, sind dann leicht Auflösungen von 50 bis 100 Megapixeln erreichbar.

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