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16. September 2014, 12:02 Uhr

Kompaktkameras auf der Photokina

Evolution statt Revolution

Von Horst Gottfried

Hersteller von Fotoapparaten haben es derzeit nicht leicht. Vor allem in der Kompaktklasse nehmen ihnen Smartphones Käufer weg. Neue Technik und ein alter Look sollen das ändern.

Die Kameraindustrie wehrt sich. Auf der diesjährigen Photokina, die vom 16. bis zum 21. September in Köln stattfindet, versucht die Branche, sich gegen die Flut der Smartphones zu behaupten. Ihre Argumente: Die neuen Kameras sollen mehr Bildqualität und fotografische Vielseitigkeit bieten, trotzdem einfach und schnell bedienbar sein.

Das Mittel der Wahl sind größere Bildsensoren und Pixel als zuvor. Sie versprechen mehr Bildqualität. Schnellere Bildprozessoren sollen die Reaktionszeiten verkürzen, so dass man keinen Schnappschuss verpasst. Lichtstarke Objektive sollen bessere Aufnahmen bei wenig Licht ermöglichen.

Immer beliebter wird der Retro-Look. Damit einher geht eine Renaissance von Rädern, Hebeln und Tasten statt verschachtelter Menüs. Das sorgt - wie immer öfter auch Touchscreen-Monitore - für schnelle, komfortable Handhabung. Immer mehr Kameras sind mit W-Lan ausgestattet. Einige können Videos in 4K-Auflösung aufnehmen, aus denen sich Einzelbilder als 8-Megapixel-Fotos speichern lassen.

Diese Trends ziehen sich durch alle Kameraklassen. Heute zeigen wir Ihnen die wichtigsten Neuheiten im Bereich der Kompakten im Westentaschenformat.

Retro-Design: Fujifilm X30 und X100T

Fujis neue Kompaktkameras X30 und X100T arbeiten mit den von vielen Fotografen wegen ihrer Farbwiedergabe und Rauscharmut geschätzten X-Trans-CMOS-II-Sensoren. Wichtigste Neuerung der kleinen X30 ist ein hochauflösender elektronischer Sucher mit 2,36 Millionen Bildpunkten, der als Alternative zum klappbaren LCD-Monitor mit doppelt so hoher Auflösung dient. Ein zusätzlicher Steuerring am Objektiv soll die Bedienung erleichtern, ein größerer Akku die Ausdauer verbessern. Der 2/3 Zoll-Sensor mit 12-Megapixel-Auflösung und das lichtstarke 2,0-2,8/28-112-Millimeter-Zoomobjektiv bleiben unverändert.

Das Highlight der X100T ist ihr Hybrid-Sucher. Er zeigt ein optisches Sucherbild mit überlagerten elektronischen Informationen und manueller Fokussierhilfe. Der LCD-Monitor ist drei Zoll groß und hat 1,04 Millionen Bildpunkte. Die kürzeste Belichtungszeit ist jetzt 1/32000 Sekunde. Der Sensor im APS-C-Format hat 16 Megapixel.

Beide X-Modelle sind mit schnellem Hybrid-Autofokus ausgestattet. Neu ist bei ihnen der Filmsimulationsmodus "Classic Chrome", der den digitalen Bildern eine Art klassischen Dia-Look verleihen soll. Die X30 soll ab Oktober für 550 Euro zu haben sein, die X100T ab November für 1200 Euro.

Gut bei wenig Licht - Panasonic Lumix LX100

Panasonic setzt auch bei den Kompakten immer mehr auf große Sensoren. So kommt das 115 x 66 x 55 Millimeter kleine Top-Modell Lumix LX100 jetzt mit einem Sensor, wie er sonst in Micro-Four-Thirds-Systemkameras zu finden ist. Das lichtstarke Leica-Zoomobjektiv 1,7-2,8 mit Brennweiten von 24 bis 75 Millimeter und Bildstabilisator vergrößert den Spielraum bei wenig Licht.

Die LX100 nutzt nur zwölf der 16 Megapixel des Sensors. Dadurch bleibt am Rand genügend Platz, um unabhängig vom gewählten Seitenverhältnis - 4:3, 3:2 oder 16:9 - jeweils den vollen Weitwinkel ohne Beschnitt nutzen zu können.

Weitere Highlights sind der große elektronische Sucher mit 2,8 Millionen Bildpunkten und der schnelle Autofokus. Er arbeitet nach einem neuen Verfahren, das Panasonic DFD nennt. Er errechnet aus zwei unterschiedlich fokussierten Bildern die richtige Entfernungseinstellung. Die FX100 kommt im Oktober, der Preis ist noch offen.

Kamera mit Android - Panasonic SmartCamera CM1

Was aussieht wie ein Smartphone, ist die erste Kamera in diesem Format mit einem 1-Zoll-Sensor. Es ist der gleiche wie im Superzoom-Topmodell FZ1000. Der 133 x 68 x 15 Millimeter kleine Kamera-Smartphone-Zwitter kommt mit 2,8/28 Millimeter Leica-Optik, riesigem 4,7-Zoll-Display und Android 4.4-Betriebssystem.

Die CM1 bietet automatische und manuelle Belichtungseinstellungen per drehbarem Objektivring und Quick-Menü, kann Fotos als RAW-Daten speichern und macht Videos in 4K-Auflösung. W-Lan, NFC, Bluetooth und GPS sind auch an Bord, ebenso wie ein Telefonmodul. Der interne Speicher ist 16 GB groß.

Im November soll die CM1 in den Handel kommen.

Fotosensor wie ein Farbfilm - Sigma DP1 Quattro

Die DP1 Quattro mit 2,8/19-Millimeter-Weitwinkeloptik (28-Millimeter-Kleinbildäquivalent) ist Sigmas zweites Modell mit dem neuen Foveon Drei-Schichten-Sensor. Die neue Generation dieses Sensors im APS-C-Format bietet eine maximale Auflösung von 29 Megapixel (5424 x 3616).

Der X3 genannte Sensor arbeitet im Prinzip ähnlich wie früher der Film mit je einer rot-, grün- und blauempfindlichen Schicht. So kann er - anders als übliche Sensoren mit ihrer RGB-Maske - zu jedem Pixel die vollständige Farb- und Helligkeitsinformation liefern. Neben der hohen Auflösung verspricht Sigma damit besonders exakte Tonwertabstufungen und naturgetreue Farben.

Bei Tests der schon lieferbaren DP2 Quattro mit 2,8/30-Millimeter-Standardoptik (45-Millimeter-Kleinbildäquivalent) konnte der Sensor vor allem bei Aufnahmen im RAW-Format und bei ISO 100 überzeugen. Bei JPEG-Formaten und höheren Empfindlichkeiten gelang ihm das weniger. Einen Preis für die DP1 Quattro nannte Sigma noch nicht.

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