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28. September 2018, 08:36 Uhr

Neue Kameras auf der Photokina

Vollformat liegt voll im Trend

Auf der Fotomesse Photokina 2018 sind handliche Systemkameras mit Vollformatsensoren die Highlights. Für die kompakten Knipsen lassen selbst Profis ihre klobigen Spiegelreflexapparate links liegen.

Smartphones haben den Fotomarkt längst umgekrempelt. Die Verkäufe von Digitalkameras haben sich seit 2014 ungefähr halbiert. Der Photo-Industrieverband (PIV) prognostiziert 2,35 Millionen verkaufte Apparate in diesem Jahr. 2014 waren laut PIV noch insgesamt 4,46 Millionen

Wer sich heute noch eine Kamera kauft, will keine günstige Knipse, die kaum bessere Bilder als sein Handy liefert. So stehen auf der Photokina, die vom 26. bis zum 29. September für Besucher ihre Tore öffnet, insbesondere Systemkameras (das sind Wechselobjektivkameras ohne Spiegel) sowie Kompaktkameras mit großen Sensoren im Mittelpunkt.

Dass Nikon und Canon ihre ersten Systemkameras mit Vollformatsensoren, auch Kleinbildformat genannt, mit nach Köln bringen, war schon bekannt. Vollformat-Systemkamera-Pionier Sony hatte mit der Alpha 9 und der Alpha 7 Mark III schon früher im Jahr entsprechende Neuheiten präsentiert. Überraschend hat nun Panasonic mit der S-Serie ebenfalls Vollformat-Systemkameras angekündigt.

Panasonics S-Klasse

Bislang war der Hersteller für Systemkameras mit Sensoren im Micro-Four-Thirds-Format (G-Serie) bekannt, die nun parallel weiterentwickelt werden sollen. Die S-Modelle sind mit einem neuen Objektivanschluss (Bajonett) namens L-Mount ausgestattet, den auch Leica und Sigma als Kooperationspartner von Panasonic einführen. Er ist so dimensioniert, dass er sich nicht nur für Vollformat-, sondern auch für APS-C-Sensoren eignet.

Panasonic will die neue Kamerafamilie mit zwei Modellen starten, der 47-Megapixeln-Kamera Lumix S1R und der Lumix S1 mit 24 Megapixeln (MP). Abgesehen von der Auflösung sind Gehäuse, Bedienung und Features der beiden Geräte ansonsten identisch.

Beide Kameras können 4K-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde aufnehmen, haben ein auf drei Achsen klappbares Display und bieten eine duale Bildstabilisierung im Gehäuse und in den Objektiven. Darüber hinaus sollen die S-Kameras mit einer kompletten Gehäuseabdichtung - Bedienrädchen und Knöpfe eingeschlossen - und einem extrem robusten Verschluss überzeugen. Die Einführung der Kameras der S-Serie plant Panasonic für 2019 ein, in Köln sind nur Vorserienmodelle zu sehen. Preise stehen auch noch nicht fest.

Nikon mit Z-Bajonett

Nikons erste Vollformat-Systemkameras, die Z6 (25 Megapixel) und die Z7 (46 Megapixel), können Messebesucher hingegen schon ausprobieren. Auch sie unterscheiden sich im Wesentlichen nur durch die Auflösung der Fotosensoren voneinander. Und auch mit ihnen wird ein neuer Objektivanschluss, das Z-Bajonettsystem, als Basis für eine neue Objektivserie eingeführt.

4K-Videos liefern die Z-Kameras mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde, Full-HD-Videos mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde. Es wird einen Adapter (FTZ) geben, damit Kunden Objektive mit F-Bajonettanschluss von Vollformat-Spiegelreflexkameras des Herstellers weiternutzen können - bei voraussichtlich 3700 Euro Gehäusepreis für die ab Ende September erhältliche Z7 lässt sich so etwas sparen. Die für November angekündigte Z6 schlägt mit rund 2500 Euro zu Buche.

Canon setzt auf Touch-Technologie

Als Dritter im Bunde hat auch Canon seine erste spiegellose Systemkamera im Vollformat präsentiert: die EOS R mit 30-Megapixel-Sensor. Auch sie kommt mit neuem Bajonett (RF). Aber wer bereits andere Canon-Optiken besitzt, kann diese über einen Adapter (EF-EOS R) weiternutzen.

Die neue Kamera ist primär für die Bedienung per Touchscreen ausgelegt. Es gibt aber auch praktische Bedienelemente wie einen Objektivring, über den etwa Belichtungszeit oder Blende geregelt werden können, sowie einen frei belegbaren Touch-Taster rechts oberhalb des Displays. Der elektronische Sucher ist wie bei Canons Z-Kameras mit 3,69 Megapixeln extrem hochauflösend. Die EOS R kommt Anfang Oktober zum Body-Preis von 2500 Euro in den Handel.

Bis zu 30 Fotos pro Sekunde

Es gibt aber auch Systemkamera-Neuheiten mit kleineren Sensoren: Im gewohnten Retrodesign hat Fujifilm die X-T3 (Bodypreis 1500 Euro) mit neu entwickeltem APS-C-Sensor (26 Megapixel) ins Portfolio aufgenommen. Alle, die filmen, wird die Möglichkeit freuen, damit 4K-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde aufzuzeichnen.

Beim Fotografieren können dank des elektronischen Verschlusses bis zu 30 Bilder pro Sekunde mit 16 Megapixeln aufgezeichnet werden, so dass die Grenzen zum Video verschwimmen.

Spiegellose auf dem Vormarsch

Die Neuvorstellungen unterstreichen, wie sich die Nachfrage entwickelt: Die Zahl der verkauften Spiegelreflexkameras (DSLR) sinkt seit Jahren - zugunsten spiegelloser Systemkameras. Wahrscheinlich überholen Systemkameras die DSLRs schon im kommenden Jahr - und das kommt nicht von ungefähr: Kameragehäuse ohne Spiegelkasten lassen sich leichter und kompakter gestalten, können mit elektronischem Verschluss bei Bedarf meist auch lautlos auslösen. Und weil der Abstand zwischen Bajonett und Sensorfläche kleiner ist als bei den DSLRs, kann man für Systemkameras auch leichtere und sogar optisch bessere Objektive bauen.

Eine einsame Spiegelreflex-Neuvorstellung auf der Photokina kommt von Nikon: Das überarbeitete Einsteigermodell D3500 mit DX-Sensor (24 Megapixel), der etwas größer als APS-C-Sensoren ist. Im Set mit 18-55-Millimeter-Objektiv kostet sie 540 Euro.

Makrofotos auf sechs Millimeter Entfernung

Wer es noch handlicher möchte, gar keine Wechselobjektive braucht, aber dennoch Wert auf große Sensoren legt, kann zu den sogenannten Edelkompakten greifen, die entweder gar keinen oder nur einen sehr überschaubaren Zoom bieten. Ricoh hat in Köln eine neue Kamera der GR-Reihe mit tiefpassfilterlosem APS-C-Sensor (24 Megapixel), der zur Bildstabilisierung auf drei Achsen beweglich gelagert ist, angekündigt.

Auf der Messe ist ein Prototyp der GR III genannten Kamera zu sehen, deren neu berechnetes Festbrennweiten-Objektiv (f2,8) eine digitale Brennweite von 35 oder 50 mm aufweist und die im Makromodus ab sechs Millimeter Entfernung zum Objekt scharfstellen kann. Damit sind Full-HD-Videos mit bis zu 60 Bildern pro Minute möglich. In den Verkauf geht die GR III erst 2019 - für unter 1000 Euro.

Touch-Displays in der kleinen Klasse

Knappe 500 Euro verlangt Fujifilm für die ähnlich schnörkellose XF10, die ebenfalls mit APS-C-Sensor (24 Megapixel) ausgestattet ist und ein Weitwinkelobjektiv mit Festbrennweite (28 Millimeter/f1,8) mitbringt. Die Motivkontrolle erfolgt über einen Drei Zoll großen Touchscreen, das Bedienkonzept richtet sich eher an Einsteiger. Die XF10 ist nur vier Zentimeter dick und rund 250 Gramm leicht.

Mit gut sechs Zentimetern Tiefe und einem Gewicht von 350 Gramm fällt die neue Panasonic Lumix LX100 II mit Micro-Four-Thirds-Sensor (17 Megapixel effektiv) etwas größer aus. Dafür verfügt das lichtstarke Leica-Summilux-Objektiv (f1,8-2,4) über einen Bildstabilisator und einen vierfachen optischen Zoom. Neben einem drei Zoll großen Touchdisplay hat sie einen elektronischen LCD-Sucher. 4K-Auflösung unterstützt die Lumix bei Videos, aber auch für diverse Fotofunktionen. Sie ist ab Oktober für 950 Euro zu haben.

Von Dirk Averesch, dpa

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