Photokina-Neuheiten Dieser Objektivdeckel fotografiert

Neue Kompaktkameras mit erstaunlicher Bildqualität: Fujifilm und Olympus bauen in neue, kleine Kameras Fotosensoren ein, die bislang teureren Modellen vorbehalten waren. Außerdem neu auf der Kölner Fotomesse: Ein Objektiv, so dünn wie eine Toastscheibe.


Fujifilm XF1: Retro-Design mit großem Bildsensor
Fujifilm

Fujifilm XF1: Retro-Design mit großem Bildsensor

Warum braucht man noch spezielle Kompaktkameras, wenn doch manches bessere Smartphone vergleichbare Bildqualität liefert? Auf der Photokina zeigen die großen Kamerahersteller ihre Antworten. Am Vortag der Kölner Fotomesse hat Fujifilm seine neue Kompaktkamera XF1 vorgestellt. Das Modell ist wirklich klein, kein Vergleich zu Edel-Kompaktkameras wie Canons G12 oder der Panasonic LX7, die den hohen Preis wohl auch durch ein großes Gehäuse rechtfertigen.

Trotz des unscheinbaren Retro-Designs ist die XF1 den meisten Edel-Kompaktkameras zumindest in einem Punkt überlegen: Der Bildsensor ist mit 0,58 Quadratzentimetern etwa um ein Viertel größer als die Sensoren in den meisten anderen Edel-Kompakten. Der Sensor liefert bei schlechten Lichtverhältnissen eine bessere Bildqualität als fast alle kleinen Konkurrenzmodelle. Außerdem ist es mit der XF1 dank der großen Sensoroberfläche und der weit zu öffnenden Blende (bis f/1,8) leicht, den Hintergrund einer Aufnahme in Unschärfe verschwimmen zu lassen, um ein näher zur Kamera gelegenes Motiv hervorzuheben.

Diese Vorzüge des Sensors haben Tests des größeren Fujifilm-Modells X10 bestätigt, von dem die neue XF1 den Bildsensor übernommen hat. Es ist erstaunlich, wie viel leichter (204 statt 330 Gramm) und kleiner (die Hälfte des Volumens) die XF1 ist. Ist die Kamera ausgeschaltet, versenkt man das Objektiv im Gehäuse, es ist vergleichsweise flach und passt bequem in die Tasche. Um die Kamera einzuschalten, dreht man wie bei der X10 am Zoomring des Objektivs. Bei der XF1 fährt so auch das Objektiv aus. Beim ersten Ausprobieren konnten wir keine Verzögerung bemerken: Man dreht am Zoomring, die Kamera ist einsatzbereit. Auch der Autofokus reagierte bei ersten Versuchen in einem Raum mit schlechter Beleuchtung verlässlich und ausreichend schnell.

Die XF1 ist eine der interessantesten Kompaktkamera-Neuheiten der Photokina. Der Preis (empfohlen sind 449 Euro) ist vergleichsweise niedrig. Manche Edel-Kompaktkamera der Konkurrenz mit kleinerer Sensorfläche kostet derzeit mehr. Trotz des kleinen Gehäuses ist die Kamera dank Drehrädchen und Wahlrad gut zu bedienen und sieht auch noch schick aus.

Olympus fotografierender Objektivdeckel

Olympus Body Cap Lens: Festbrennweite im Format eines Objektivdeckels
Olympus

Olympus Body Cap Lens: Festbrennweite im Format eines Objektivdeckels

Olympus hat als einer der ersten Kamerahersteller kleine Kameras mit großen Sensoren und Wechselobjektiven produziert. So innovativ diese neuen, digitalen Pen-Kameras 2009 waren, begnügte sich Olympus seitdem mit immer neuen, leicht verbesserten Variationen der Technik. Diesmal fällt der Schritt etwas größer aus: In den neuen Olympus-Kameras E-PL5 und E-PM2 ist derselbe Bildsensor eingebaut wie beim Profi-Modell OM-D EM-5. Diese Kamera hat in Tests auch bei Nacht erstaunlich klare, detailreiche Aufnahmen geliefert.

Die Sensor-Technik gibt es nun in deutlich kleineren, günstigeren Gehäusen, die Pen Mini E-PM2 kommt mit etwas weniger manuellen Einstellmöglichkeiten als die Pen Mini E-PL5 aus, sie ist eher etwas für den Automatik-Modus und kostet 100 Euro weniger (599 Euro mit Kit-Zoomobjektiv, erhältlich ab Oktober). Eine interessante Neuerung der E-PL5: Das Display an der Rückseite ist berührungsempfindlich, man kann mit einem Fingertipp bestimmte Bildbereiche fokussieren und dann auslösen. W-Lan haben die Kameras nicht eingebaut, aber sie sind mit Speicherkarten mit integriertem W-Lan kompatibel.

Die Pen-Kameras sind immer noch kompakt, wenn auch ausladender als die Fujifilm XF1, vor allem mit den herausragenden Objektiven. Die sind der Vorzug des Olympus-Systems: Wer mit unterschiedlichen Objektiven für Makro, Porträt und Landschaft experimentieren will, kann beim Micro-FourThirds-System aus einen stattlichen Objektiv-Angebot wählen.

Eine Überraschung ist ein Objektiv mit dem Namen Body Cap Lens. In der Tat ist diese Festbrennweite (30 Millimeter kleinbildäquivalent) so flach, dass man sie mit einem Schutzdeckel verwechseln könnte, wäre da nicht das Glas in der Mitte. Das Objektiv ist nicht einmal einen Zentimeter tief. Die Blendenöffnung ist fest bei f/8, benutzen kann man das winzige Objektiv also wohl nur an hellen, heißen Sommertagen, wenn jedes Gramm Kamera zu viel ist und ruhig alles scharf sein soll. 79 Euro soll der Fotodeckel kosten.

Spiegellose Profi-Kameras

Panasonic zeigt auf der Photokina ein neues Modell seiner filmenden Fotoapparate mit Wechselobjektiven: Die GH1 und GH2 sind bei Fotografen und Videofilmern beliebt, dank guter Bildqualität und Bedienbarkeit. Von dem bewährten Modell weicht Panasonic bei der GH3 nicht ab: Es gibt einige technische Neuerungen für Videofilmer, zum Beispiel den direkten Kopfhörer-Anschluss, Timecode-Unterstützung, höhere Auflösung. Und natürlich kommt die Bildqualität des neuen 16-Megapixel-Bildsensors auch den Filmern zugute, wenn sie denn so gut ist, wie Panasonic verspricht.

Panasonic Lumix GH-3: 16 Megapixel und erweiterte Videofunktionen
Panasonic

Panasonic Lumix GH-3: 16 Megapixel und erweiterte Videofunktionen

Vom neuen Sensor der GH3 werden auch Fotografen profitieren. Denn auch wenn die Werbung manchmal davon ablenkt: Die GH3 ist ein Fotoapparat, mit dem man eben auch filmen kann. Vom Sensor und einem eingebauten W-Lan-Modul abgesehen ist die wesentliche Neuerung der Kamera das nun staubdichte und spritzwassergeschützte Gehäuse. Da ist Panasonic wie auch bei der Auflösung nun mit dem Profi-Modell OM-D E5 von Olympus gleich gezogen.

Video-Kameras

Sony Nex-VG30: Bajonettverschluss für Foto-Objektive
Sony

Sony Nex-VG30: Bajonettverschluss für Foto-Objektive

Sony hingegen baut Videokameras in traditioneller Camcorder-Bauform, an die man aber dank einheitlicher Bajonette auch Objektive der Sony-Fotoapparate anschließen kann. Die Videokamera Sony Nex-VG30 hat einen großen Bildsensor, wie man ihn auch im neuen Fotoapparaten Nex-6 findet - 2700 Euro soll das Sony-Gehäuse kosten, mit dem das Filmen leichter fällt als mit den Fotoapparaten. Verglichen damit erscheint Panasonics GH3 geradezu günstig.

Kompaktkameras: Fujifilm XF1, X10, Canon S100, Panasonic LX7

Kamera Fujifilm XF1 Fujifilm X10 Canon S100 Panasonic LX7 Samsung EX2
günstigster Preis * 449 402,99 359 465 474
Maße (Gehäuse) 10,79 × 6,15 × 3,3 11,7 x 7 x 5,7cm (inkl. Objektiv) 9,9 x 6 x 2,8 11,1 x 6,7 x 4,6 11,2 x 6,2 x 2,9
Volumen (Gehäusemaße), cm³ 218,97 466,83 166,32 342,1 201,376
Gewicht (Gramm) 204 330 198 269 294
Objektiv (Brennweite kb.-äquivalent) 25 - 100 mm, f/1,8 - f/4,9 28-112 mm kb-äquivalent., f/2 24 - 120 mm, f/2-f/5,9) 24 - 90 mm, f/1,4 - f/2,3 24 - 80 mm / f/1,4 - f/2,7
Naheinstellgrenze 3 cm 1 cm 3 cm 1 cm
Auflösung (Megapixel) 12 12 12,1 10,1 12,4
Sensorgröße (cm²) 0,58 0,58 0,45 0,45 0,42
Megapixel pro cm² 20,7 20,7 26,8 22,45 29,51
Display (Diagonale Zoll / cm) 3 / 7,6 2,8 / 7,1 3 / 7,6 3 / 7,6 3 / 7,6
Display Auflösung (Pixel / Subpixel) 153.333 / 460.000 153.333 / 460.000 153.333 / 460.000 306.666 / 920.000 204.666 / 614.000
Dateiformat RAW/JPG RAW/JPG RAW/JPG RAW/JPG RAW/JPG



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
silberstern 17.09.2012
1. olympus body cap lens
Coole Idee wie ich finde, meine EPL wird in der Regel eh nackig aus der Tasche gezogen. Da gleiche eine Kappe für Schnappschüsse zu haben wäre ziemlich geil. Nur zwei Haken: a) grauslige Blende - bei einer Festbrennweite sollte doch zumindest f/4 billig drin sein b) Stichwort billig - für 80 Euro bekommt man eine flache, kleine Kompakte mit Zoom oder ... nimmt das Handy - welches eh immer dabei ist. Typische Olympus-Preisgestaltung.
PublicTender 17.09.2012
2.
Zitat von sysopFujifilm Neue Kompaktkameras mit erstaunlicher Bildqualität: Fujifilm und Olympus bauen in neue, kleine Kameras Fotosensoren ein, die bislang teureren Modellen vorbehalten waren. Außerdem neu auf der Kölner Fotomesse: Ein Objektiv, so dünn wie eine Toastscheibe. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,856339,00.html
Die Fujifilm hat 0,58 Quadratzentimeter Sensorgrösse? Da kann ich mit meiner Sigma DP1 S nur müde lächeln. ;-)
oberle- 18.09.2012
3. optional
Insgesamt kann man jetzt schon sagen dass die Fotokina keine bahnbrechenden Innovationen bieten wird. Benutzerfreundlichkeit steht im Vordergrund... aber mal ehrlich, wer braucht eine Kamera die die Fotos direkt ins Netz stellt? Irgendwann bleibt einem noch das Auslösen erspart, das macht die kommende Generation alles selbst.
chrome_koran 18.09.2012
4.
Zitat von silbersternCoole Idee wie ich finde, meine EPL wird in der Regel eh nackig aus der Tasche gezogen. Da gleiche eine Kappe für Schnappschüsse zu haben wäre ziemlich geil. Nur zwei Haken: a) grauslige Blende - bei einer Festbrennweite sollte doch zumindest f/4 billig drin sein b) Stichwort billig - für 80 Euro bekommt man eine flache, kleine Kompakte mit Zoom oder ... nimmt das Handy - welches eh immer dabei ist. Typische Olympus-Preisgestaltung.
Was hat Festbrennweite mit der max. Blendenöffnung zu tun? Es gibt genug Festbrennweiten mit max. f8. Kurz: 1. "Sonne lacht - Blende 8" kennen Sie? Jahrzehnte lang wurde im Amateurbereich mit ähnlich lichtschwachen Optiken fotografiert - und da konnte man noch nicht mal eben die ISO-, pardon: DIN-Empfindlichkeit wechseln, anders als durch den Filmwechsel. 2. Das Objektiv ist ein Fixfocus. Bei f/4 bekommen Sie nicht genug Schärfentiefe hin. 3. Nirgendwo steht geschrieben, dass das Objektiv gezielt für Nachtreportagen bestimmt ist. 4. Konstruieren Sie doch selbst ein entsprechend lichtstarkes Objektiv mit gleicher Größe und gleichem Gewicht, dazu zum gleichen Preis oder billiger. Die Fotohersteller werden sich bei Ihnen daraufhin die Klinke in dieHand geben. Die erstaunten Physiker allerdings auch ;) Na dann kaufen Sie sich eine Kompakte mit Zoom und gut ist. Wo ist das Problem? Oder wollen Sie einfach nur meckern?
tomasl 19.09.2012
5. Endlich massgeschneiderte Lösungen
in meinem Fall Micro Four Thirds: kompakteres Gerät. Im Zweifelsfall nehme ich einfach alles mit: Stativ, grosses Tele, Macro - und doch überschreite ich 3 Kilo Gesamtgewicht nicht. Mit der Bildqualität bin ich mehr als zufrieden, da nur auf dem Laptop Bilder aufgerufen werden. Die Autofokusgeschwindigkeit stimmt inzwischen auch. Meine Frau wirft ihre Kamera mit zwei Wechseloptiken einfach in ihre Handtasche - extra Fotokoffer unnötig. Manchmal denke ich an die Hasselblad - Mittelformat Amateure zurück, mit 30kg Ausrüstung, mit der Frau als Packesel
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