Photoshop Adobe verspricht Scharfmacher für verwackelte Fotos

Es ist der Traum vieler Fotografen: Scharfe Bilder, egal wie gut man fokussiert hat, egal, wie gut das Objektiv ist. In den USA hat Adobe hat jetzt ein Software-Modul vorgestellt, das genau so etwas leisten soll.

Adobe-Vorführung: Verwackelte Aufnahmen automatisch Scharfzeichnen

Adobe-Vorführung: Verwackelte Aufnahmen automatisch Scharfzeichnen


Solche Szenen kennt man aus dem Kino: Ermittler stehen vor einem großen Bildschirm und betrachten ein aus großer Entfernung aufgenommenes, völlig verwaschenes Bild. Mit Sprachbefehlen oder wildem Hacken auf die Tastatur weisen sie ihren supertollen Spezialcomputer an, "Ausschnitt B14" zu vergrößern und zu schärfen. Sekunden später ist ein Nummernschild oder das Gesicht des Bösewichts glasklar zu erkennen. Bisher konnten man derartige Darstellungen mit gutem Recht als Fantasiegebilde ahnungsloser Drehbuchschreiber abtun.

Auf der Entwicklerkonferenz Adobe MAX im kalifornischen Los Angeles gab der Softwarekonzern Adobe einen kurzen Ausblick auf ein neuartiges Plug-in, ein Zusatzmodul, mit dem die Bildbearbeitungssoftware Photoshop erweitert werden kann, das diese Fähigkeit beherrscht. Jedenfalls kommt das Plug-in dem sehr nahe: Ein wackeliges Handyvideo zeigt, wie ein Adobe-Manager zuerst die verschwommene Weitwinkelaufnahme eines belebten Platzes und dann ein schlecht fotografiertes Plakat mit unleserlichem Text mit dem Plug-in bearbeitet.

Das Resultat seiner wenige Sekunden dauernden Arbeit sorgte im Publikum nicht nur für tosenden Applaus, sondern auch für verdutztes Staunen. Die Erklärung für die wundersame Fähigkeit des kleinen Plug-ins: Die Software kann nicht jedes verschwommene Foto scharf rechnen, sondern nur solche, die durch Verwackeln bei der Aufnahme unansehnlich wurden. Das Programm analysiert die Pixelmuster und schließt daraus auf die Bewegungen der Kamera bei der Aufnahme. Diese Informationen nutzt das Plug-in dann, um die durch Verwackeln verschobenen Pixel zu korrigieren.

Das Ergebnis dieser Rechenaufgabe scheint, der Reaktion des Publikums und nicht der Qualität des Handyvideos nach zu urteilen, beeindruckend zu sein. Hoffnung, auf diese Weise bald Wackelbilder zu scharfen Schnappschüssen machen zu können, sollten Photoshop-Fans aber nicht zu sehr schüren. Die Software wurde ausdrücklich als Prototyp bezeichnet, Veröffentlichungstermin ungewiss.



insgesamt 5 Beiträge
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gummiball2 11.10.2011
1. Falsche Überschrift?
>Adobe verspricht Scharfmacher für verwackelte Fotos Müsste das nicht "Adobe verspricht Scharfmacher für verwackelte Videos" heißen? Ein unscharfes Einzelbild bekommt die Software wohl nicht hin. Wundert sich einer....
webwanderer 11.10.2011
2. Alter Hut
Wieder ein Artikel, wo nicht ansatzweise nachrecherchiert wird. Es gibt schon seit Jahren Programme, sogar Freeware-Programme wie den Image Analyzer oder Autodeblur, die derartige Funktionen anbieten. Das Stichwort ist hier: Deconvolution. Diese Programme tun genau das, was Adobe jetzt behauptet: Rückrechnen von Bildpixeln aufgrund von Bewegung. In der Astronomie und Mikroskopie sind derartige Programme längst Usus. Aber vielleicht hat Adobe ja das Rad neu erfunden? Wenn nicht, dann wie üblich nur die guten Ideen eingekauft und jetzt per Hype vermarktet.
Loosa 11.10.2011
3.
Zitat von webwandererWieder ein Artikel, wo nicht ansatzweise nachrecherchiert wird. Es gibt schon seit Jahren Programme, sogar Freeware-Programme wie den Image Analyzer oder Autodeblur, die derartige Funktionen anbieten. Das Stichwort ist hier: Deconvolution. Diese Programme tun genau das, was Adobe jetzt behauptet: Rückrechnen von Bildpixeln aufgrund von Bewegung. In der Astronomie und Mikroskopie sind derartige Programme längst Usus. Aber vielleicht hat Adobe ja das Rad neu erfunden? Wenn nicht, dann wie üblich nur die guten Ideen eingekauft und jetzt per Hype vermarktet.
Schade, dass die Filmqualität zu schlecht ist um das Ergebnis wirklich beurteilen zu können. Aber die Publikumsreaktion sagt schon was. Das sind ja keine Laien. Das mag in der Wissenschaft ja schön funktionieren. Motive aus Astronomie oder Biologie sind aber kaum mit normalen Fotos zu vergleichen. Schärfefilter in Bildprogrammen sind zwar wirklich nicht neu. Aber die Ergebnisse sind eher mau. Ich bin jedenfalls mal sehr gespannt. Stempel-Tools zum retuschieren von Bildern gab es ja auch schon lange. Trotzdem hat mich der Content-Aware Fill mit dem Adobe das letzte Photoshop versah, und welcher von SPON auch besprochen wurde, ziemlich vom Hocker gehauen. Das erleichtert die Arbeit immens. Wenn deren Deblur ein ähnlicher Fortschritt wird... :-) Aber wo hier ein Hype sein soll ist mir nicht klar. Hobbyfotografen werden sich wegen dieses Artikels kaum Photoshop zulegen, und Grafiker benutzen es ohnehin schon (über 90% Marktanteil?).
blob123y 11.10.2011
4. Mir scheint eher das der Author in der Fantasie schwebt
dieses Image Processing gibts schon seit wenigstens 25 Jahren, nur war das frueher unter geheim und als standalone Software bei einschlaegigen Organisationen, wie z.B. Landsat u.Ae. Nun, das was Adobe jetzt ankuendigt ist aus dieser Ecke, jedoch selbst mit dem gegewaertigen Photoshop ist das einfach zu machen. Man nimmt einfach das unscharfe Foto, schaerft es ordentlich, auch wann man danach noch nicht viel sieht. Nun verkleinert man dies, sagen wir von 30cm horizontal auf 10cm und schaerft es mit "smart sharpen" und kontrast bis man das Gewuenschte sieht. Natuerlich kann man aus einen total kaputten Foto nichts mehr holen aber wo man Umrisse einigermassen sehen kann wirkt das recht gut. Hier war es Dunkel, viel Bewegung und das Foto war total diffus ohne irgendelche Details: http://www.allmyanmar.com/Myanmar-Yangon-Nightlife.htm rechts von Text: Fashion show ladies Nach einiger Zeit herumspielen sah es so aus wie auf der Seite zu sehen und mit etwas mehr "spielen" haette es noch mehr ergeben.
Sikozu 11.10.2011
5.
Ich finde es gut, dass Adobe endlich mal ein paar aktuelle Algorithmen und Filter in Photoshop integriert - vielleicht können sie dann endlich den wahnwitzigen Preis halbwegs rechtfertigen. Adobe war für mich lange Zeit ein "Bremser" der seit grob einem Jahrzehnt sämtliche Entwicklung auf dem Markt für Grafiksoftware abwürgt. Was bringen die ganzen coolen Grafik-Algorithmen der letzte Jahre, wenn keiner Sie in ein Produkt gießt...? Content Aware Fill (http://www.faculty.idc.ac.il/arik/site/seam-video.asp, Siggraph 2008) und das Fast Motion Deblurring (http://cg.postech.ac.kr/research/fast_motion_deblurring/, Siggraph 2009) sind schonmal ein erster Schritt, mal sehen was sie noch bringen. Ich bin interessiert!
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