Dodge & Burn Die Universal-Waffe der Bildbearbeiter

Abwedeln und Nachbelichten hieß es früher, heute ist die Technik als "Dodge & Burn" bekannt: Oft wird das selektive Aufhellen und Abdunkeln zur Hautretusche verwendet - doch es hat weit mehr Facetten.

Dodge & Burn hieß früher Abwedeln und Nachbelichten.
majdansky/ Dodge&Burn

Dodge & Burn hieß früher Abwedeln und Nachbelichten.

Von "Docma"-Autor Olaf Giermann


Die Begriffe Abwedeln und Nachbelichten (Englisch: Dodge and Burn) und auch die beiden Photoshop-Symbole der Werkzeuge Abwedler und Nachbelichter gehen auf Dunkelkammertechniken zurück, mit denen man die Belichtung von Fotopapier mit der Hand oder mit Hilfsmitteln abstimmte.

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Die Herkunft der beiden Begriffe ist im Digitalzeitalter für die meisten Fotografen und Bildbearbeiter nur noch historisch interessant. Funktionell stehen sie für das selektive Aufhellen und Abdunkeln. Die Basistechnik dafür ist das Malen in Photoshop auf einer neutralgrauen Ebene in einem kontraststeigernden Modus. Es folgt eine Anleitung - um die Arbeitsschritte im Bild nachvollziehen zu können, wählen Sie bitte die Großansicht:

Graue Ebene anlegen

Ebenen
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Ebenen

Klicken Sie mit gedrückter "Alt"- Taste in der "Ebenen"-Palette auf "Neue Ebene erstellen" (a). Im Folgedialog legen Sie die Ebenenbezeichnung fest (b), wählen beispielsweise den "Modus: Weiches Licht" (c) und aktivieren die unterste Checkbox (d), wodurch die Ebene mit 50 Prozent Grau gefüllt wird. Auf der so erzeugten Ebene wenden Sie den "Nachbelichter" oder den "Abwedler" an, um Bildbereiche selektiv abzudunkeln beziehungsweise aufzuhellen.

HINTERGRUND : Zwar lassen sich "Abwedler" und "Nachbelichter" auch direkt auf die Bildebene oder ein Duplikat anwenden, jedoch hat das Arbeiten auf einer neutral grauen Ebene zwei Vorteile. Erstens: Sie können mit einem "Alt"-Klick auf das Auge vor der Ebene diese Ebene isolieren und so alle vorgenommenen Änderungen sehen. Zweitens: Jede Änderung lässt sich durch Übermalen mit 50 Prozent Grau leicht rückgängig machen.

Die aus dem Klick auf "OK" resultierende Ebene führt zu keiner sichtbaren Veränderung im Bild. Die erzeugten Pixel erlauben jedoch den Einsatz von "Nachbelichter" und "Abwedler", die auf einer leeren Ebene keine Wirkung zeigen würden.

Werkzeug-Optionen

Da Sie hier auf einer grauen Ebene malen, wählen Sie für den "Bereich" (a) sowohl für den "Abwedler" als auch für den "Nachbelichter" die "Mitteltöne". Nutzen Sie für feine Änderungen durch mehrmaliges Übermalen bei gehaltener Maustaste einen niedrigen Wert bei "Belichtung" (b) - die gezeigten 10 Prozent sind hier bereits ein ziemlich hoch eingestellter Wert. "Tonwerte schützen" (c) stört beim Malen auf Grau-Ebenen eher, als dass es hilft. Deaktivieren Sie diese Option deshalb in diesem Fall.

Auswirkung unterschiedlicher Ebenenmodi

Dodge & Burn (hier mit einem Schwarzweiß-Verlauf (a) visualisiert) funktioniert nicht nur mit "Weiches Licht" (b), sondern auch mit anderen Ebenenmodi wie "Ineinanderkopieren" (c) oder "Strahlendes Licht" (d). Hier müssen Sie aber immer die "Fläche"-Deckkraft senken oder mit deutlich geringerem Stiftdruck arbeiten.

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Was Sie mit Dodge & Burn erreichen

Je nach gewähltem Detailgrad erreichen Sie durch Aufhellen und Abdunkeln drei verschiedene Effekte: Sie ändern den allgemeinen Bildkontrast, Sie modulieren die Plastizität ("3D-Effekt") oder Sie optimieren die Bilddetails. Unten sehen Sie jeweils das Ausgangsbild links, die Grauebene in der Mitte sowie das Ergebnis rechts.

Allgemeinen Kontrast ändern

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Wie hier gezeigt, können Sie die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Hauptmotiv lenken, indem Sie die Bildränder abdunkeln. Sie können aber auch Helligkeitsunterschiede abmildern - beispielsweise bei Landschaftsfotos.

Plastizität modulieren ("3D-Effekt")

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Durch Malen mit kleineren Pinselspitzen heben Sie mit weißer Farbe ausgewählte Bildstellen hervor und dämpfen mit Schwarz andere ab. Damit erhöhen (oder verringern) Sie die dreidimensionale Wirkung so gezielt nach Ihren Vorstellungen, wie es kein Filter vermag.

Details optimieren

03 Details
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03 Details

Mit sehr kleinen Pinselspitzen verstärken Sie den lokalen Kontrast, um wie in der Abbildung beispielsweise die Details der Iris oder die Form der Nase zu betonen (zur Verdeutlichung übertrieben gezeigt!). Sie können aber auch Hautstörungen ausgleichen, indem Sie dunkle Flecken aufhellen und helle abdunkeln. Im Ergebnis erhalten Sie ein homogenes Hautbild ohne weichgezeichnete Details.



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Hans.Meier 13.07.2019
1. Nur für Profis
Zwar kann man einfache Dodge&Burn Geschichten ganz gut selbst machen (wie großflächige Bearbeitungen), aber sobald es an die Details geht, ist das die Sache expliziter Profis. Allein die Ausbildung und Kompetenzen, um verstehen zu lernen, wie das Licht aus mehreren Quellen fällt und Schatten auf dreidimensionale Objekte wirft, sodass sich die Bearbeitung natürlich in das Original einfügt, müssen sich auf sehr hohem Niveau bewegen. Und dann muss man noch die handwerkliche Fähigkeit eines Malers besitzen, um es umzusetzen. Als nebenberuflicher Fotograf hab ich nicht im Mindesten diese Fähigkeiten, auch Vollzeit-Fotografen geben diese Arbeit im Normalfall an dedizierte Bildbearbeiter ab. Ich finde es immer wieder beeindruckend!
postatspiegel 13.07.2019
2. Wer solche "Bilder"
auf diese Art weiterverschandelt, hat Bildbearbeitung nicht verdient. Wo sind wir hier eigentlich, in einem Fitness-Studio aus den 80gern? Bildbearbeitung bedeutet immer zuerst mal, das Ergebnis muss besser werden, als die Vorlage. Gut, man könnte argumentieren, das Foto an sich ist schon eine Zumutung, aber was dann hier als "Aufwertung" angepriesen wird, ist einfach nur ein Hohn für den guten Geschmack. Gehen Sie mal wieder ins Museum oder in eine ernstzunehmende Kunstaustellung. Was hier gezeigt wird ist Bilder-Pornografie. Klar, hat mit der Technik nichts zu tun, aber nur Technik ist eben wie Sex ohne Zuneigung. Kein Gefühl - kein Gespühr - keine Verantwortung für die Bildsprache. An meinen Vor-Poster: Keine Sorge, das ist nicht nur etwas für Profis. Wie dieser Beitrag ja unschwer erkennen lässt.
Hans.Meier 14.07.2019
3. Lieber postatspiegel,
was haben Sie denn gefrühstückt? Fotografie kann genausoviel Kommerz und Handwerk sein, wie es auch Kunst sein kann. Ein Fotograf, der kommerziell und handwerklich arbeitet, ist selbstständiger Unternehmer und bei der IHK eingetragen. Ein kunstschaffender Fotograf ist freiberuflich und bei der Künstlersozialkasse. Vielleicht müssen Sie sich diesen Unterschied erst zu Gemüte führen, bevor Sie solche Vorwürfe an die kommerzielle Fotografie richten. Der Bildbearbeiter weiß sehr genau, was er tut und vor allem, welchem Zweck es dient. Können Sie ein menschliches Gesicht modellieren, das aus drei Lichtquellen unterschiedlicher Intensität (z.B. Rembrandt-Aufbau: Aufhell-Licht, Hintergrundlicht und Haarlicht) beleuchtet wird, samt korrektem Schattenverlauf? Nein? Deswegen ist es eine Sache für Profis, die eine profunde Kenntnis historischer Mal-Grundlagen benötigen, wie zitiertem Rembrandt. Wenn Sie Kunstfotografie wünschen, dann müssen Sie sich an eine Galerie wenden, und dürfen sich nicht in eine Model-Sedcard oder ein Porträtstudio verirren... Ihre Vorwürfe sind daher fehlgeleitet.
openplotter 14.07.2019
4.
Wieviel Geod hat der Spiegel für diesen Photoshop Werbeartikel bekommen? Dodge and Burn kann quasi jede auch kostenfreie Bildbearbeitung.
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