Gesichtserkennung im Google Pixel 4 Das entsperrt sogar im Schlaf

Die Gesichtserkennung der neuen Google-Smartphones schaltet den Bildschirm auch dann frei, wenn der Besitzer die Augen geschlossen hält. Ein nicht ganz unproblematisches Verhalten.
Ein Google Pixel 4 bei der Präsentation in New York

Ein Google Pixel 4 bei der Präsentation in New York

Foto: Craig Ruttle/AP

Ein Blick auf das Display, schon ist das Smartphone aktiviert: Mit dem neuen Pixel 4 von Google geht das Entsperren ziemlich flott.

Doch es gibt ein Problem mit der biometrischen Sicherheitsfunktion: Die Gesichtserkennung schaltet das Telefon auch dann frei, wenn die Augen des Besitzers geschlossen sind, berichtet die "BBC ". In einem kurzen Video führt Autor Chris Fox auf Twitter  vor, wie sein Pixel 4 auf diese Weise aktiviert wird.

In dem "BBC"-Bericht warnt ein IT-Experte, dass es sich um ein "großes Sicherheitsproblem" handle, wenn man das Telefon beispielsweise entsperren könne, wenn der Besitzer schlafe. Partner oder Kinder könnten sich so unerlaubt Zugang zu persönlichen Daten verschaffen, einfach, indem sie das Telefon vor das Gesicht des schlafenden Besitzers hielten.

Problematisch könnte diese Art der Gesichtserkennung auch werden, wenn Strafverfolgungsbehörden an Daten gelangen wollten, die auf dem Smartphone gespeichert seien. Mit der Face Unlock genannten Funktion könnte sich ein Verdächtiger auch mit geschlossenen Augen nicht mehr dagegen wehren, dass sein Telefon von den Beamten entsperrt werde. Mit Apples Face ID auf dem iPhone beispielsweise wäre das nicht möglich.

Schneller, aber nicht sicherer

Ausdrücklich verboten wäre ein solchen Vorgehen nicht. In Deutschland handele es sich laut Anwalt Udo Vetter vielmehr um eine Grauzone, wenn die Polizei mithilfe von Gesichtserkennung versuche, Smartphones zu entsperren. Die Schweigepflicht erlaube dem Verdächtigen zwar, Passwörter zu verschweigen. Wenn der Betroffene aber nicht selbst aktiv werden müsse, also mit seinem Gesicht das Gerät entsperre, dann sei das ein bisher "nicht geklärter Grenzfall".

Bei den Smartphones der Pixel-4-Serie verzichtet Google auf einen Fingerabdrucksensor, setzt stattdessen voll auf die Gesichtserkennung. Die dafür notwendigen Sensoren verbergen sich im oberen Rand des Telefons und reagieren, sofern die Gestenerkennung aktiviert ist, schon dann, wenn sich eine Hand nähert. Dadurch soll das Gerät besonders schnell entsperrt werden.

Google rät in Notsituationen zum Sperrmodus

Dass sich Google des Problems bewusst ist, zeigt ein Beitrag auf einer Support-Seite des Unternehmens . Dort heißt es, dass Dritte in der Lage seien, das Telefon zu entsperren, wenn sie es dem Besitzer vor die Augen hielten, selbst wenn dessen Augen geschlossen seien. Googles Empfehlung: "Bewahren Sie Ihr Smartphone an einem sicheren Ort auf, z. B. in der Brusttasche oder Ihrer Handtasche."

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Foto: Patrick Beuth / DER SPIEGEL

Auf Anfrage des SPIEGEL bestätigte ein Google-Sprecher am Freitagvormittag das zunächst: "Face Unlock könnte auch funktionieren, wenn die Augen geschlossen sind." Drei Tage später teilte Google mit: "Wir arbeiten an einer Option für die Nutzer, die offene Augen für das Entsperren des Telefons voraussetzt." Die Funktion soll in den kommenden Monaten mit einem Software-Update ausgeliefert werden.

Um zu verhindern, dass jemand das Handy etwa bei einem Überfall oder im Schlaf entsperrt, empfahl der Google-Sprecher, in den Sperrmodus zu wechseln. "Wenn man Face Unlock vorübergehend deaktivieren möchte, kann man den Lockdown-Modus benutzen, damit PIN, Muster oder Passwort nötig sind."

Foto: Google

Dieser Sperrmodus lässt sich auf Geräten ab Android 9 aktivieren, indem man in den Einstellungen unter Display/Erweitert ins Menü der Sperrbildschirmanzeige wechselt. Dort muss die Option zum Sperren anzeigen eingeschaltet werden. Anschließend taucht die Lockdown-Funktion in Form eines Schlösschen-Symbols auf, wenn man die Stand-by-Taste gedrückt hält. Damit werden alle Benachrichtigungen auf dem Sperrbildschirm unterdrückt und ein Code ist zwingend erforderlich.

Hinweis: Wir haben Googles neues Statement zum geplanten Software-Update ergänzt.

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