Pixel 4a im Test So gut ist Googles günstigstes Smartphone

Preiswerte Smartphones liegen gerade im Trend. Googles konzentriert sich mit seinem neuen Angebot auf seine Kernkompetenz. Ob das eine gute Idee ist, klärt unser Test.
Google Pixel 4a: Einige neue Bildschirmhintergründe sollen wohl hauptsächlich die sogenannte Punch-Hole-Kamera oben links im Bildschirm kaschieren

Google Pixel 4a: Einige neue Bildschirmhintergründe sollen wohl hauptsächlich die sogenannte Punch-Hole-Kamera oben links im Bildschirm kaschieren

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Google hat Verspätung, reichlich. Zumindest lässt sich das vermuten, denn im vergangenen Jahr hat der Internetkonzern sein Low-cost-Smartphone Pixel 3a im Mai auf der Entwicklerkonferenz I/O vorgestellt. Deshalb war zu erwarten, dass dessen Nachfolger in diesem Jahr auch auf der Google I/O präsentiert wird, doch die ist wegen der Coronakrise, die allen Handyherstellern die Terminpläne verhagelt, ersatzlos gestrichen worden. So kommt das Pixel 4a nun also drei Monate später als erwartet.

Dafür ist es mit 349 Euro aber auch billiger als sein Vorgänger, der noch mit 399 Euro auf Googles Preisliste stand. Wegen der Mehrwertsteuersenkung muss man aktuell sogar nur 340,20 Euro zahlen.

Dass Google sein neues Smartphone so günstig anbieten kann, hat zwei Gründe. Zum einen gibt es nur eine Variante: das Pixel 4a mit 5,8-Zoll-Display, schwarzem Kunststoffkorpus, 6 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und 128 GB Speicherplatz. Andere Farben oder gar ein XL-Modell, wie beim Pixel 3a, sind nicht vorgesehen. Das macht die Produktion einfach und damit billig.

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Google Pixel 4a

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Der zweite Hebel, mit dem der Konzern an der Preisschraube gedreht hat, ist die Hardware, die eher aus dem unteren Regal der Zulieferer stammt. Das Kunststoffgehäuse beispielsweise dürfte in der Herstellung weit weniger kosten als eines aus Glas und Metall. Der Qualcomm-Prozessor vom Typ Snapdragon 730G ist ein Mittelklasseprodukt und entsprechend günstig. Und wo andere Hersteller bis zu fünf Kameras einbauen, bleibt Google seinem Zwei-Kameras-Prinzip treu: eine vorn, eine hinten.

Die Leistung

Eine lahme Ente ist das Pixel 4a trotz seiner günstigen Komponenten nicht. Ein exakter Leistungswert lässt sich nicht bestimmen, weil Google die Installation von Benchmark-Apps auf den vorab ausgegebenen Testgeräten unterbunden hat. Aber im Test liefen alle Apps, auch Spiele, sehr geschmeidig. Google kann hier seinen Heimvorteil ausspielen und seine Software perfekt an die Hardware seiner Geräte anpassen.

Auf dem Pixel 4a ist übrigens Android 10 installiert. Ein Update auf Android 11 könnte der Konzern freilich zügig nachliefern, sobald das nächste große Betriebssystem-Update bereitsteht. Man sitzt ja an der Quelle. Pixel-Smartphones sind immer die ersten, für die Android-Updates bereitgestellt werden.

Der Bildschirm

Beim Bildschirm hat Google in erster Linie am Platz gespart. Mit 5,8 Zoll ist er für heutige Verhältnisse fast schon klein. Der unbestreitbare Vorteil: Das Pixel 4a ist angenehm schlank und schmal, bringt gerade mal leichte 143 Gramm auf die Waage.

Die Auflösung ist mit 2340 x 1080 Pixeln allemal hoch genug, um auf Fotos feine Details darstellen zu können und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass einzelne Pixel mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Weil Google ein OLED-Display verwendet, sind außerdem starke Kontraste und knallige Farben möglich, was gut aussieht. Mir persönlich ist es aber selbst im Modus "Natürlich" noch etwas zu blaustichig. Zudem dürfte es gern etwas heller sein.

Die Kameras

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Google Pixel 4a - Testfotos

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Dass Google sich immer noch darauf beschränkt, nur jeweils eine Kamera vorn und hinten einzubauen, macht angesichts von Smartphones wie Huaweis P40 Pro+, in dessen Rückseite fünf Linsen eingebettet sind, skeptisch. Doch auch hier gilt, dass Googles Software vieles ausbügelt, was die Hardware vermissen lassen könnte. So bietet das Pixel 4a eine rein auf Software basierende Zoomfunktion bis zum Vergrößerungsfaktor 7 an. Das kann man, sollte man aber lieber nicht voll ausnutzen, denn ein echtes Zoomobjektiv lässt sich so nicht wirklich ersetzen. Eine Ultraweitwinkelfunktion gibt es mangels einer entsprechenden Linse gar nicht erst.

Alles andere aber kann die recht lichtstarke 12-Megapixel-Kamera gut bis sehr gut abbilden. Hinsichtlich Schärfe und Farbtreue gehört Googles Kamera sogar zur Spitzengruppe. Bei Selfies kann es mit einem guten Weichzeichnereffekt für den Hintergrund überzeugen. Das gilt auch für den Nachtsichtmodus. Google wirbt, damit könne man auch tolle Bilder vom Sternenhimmel machen. Damit das klappt, braucht man allerdings ein Stativ und sollte sich möglichst weit von der nächsten Stadt entfernen, damit deren Streulicht die Aufnahme nicht stört.

Anrufe mit Untertiteln

Zu den Besonderheiten, die man mit einem Google-Smartphone bekommt, gehört vor allem eine tiefe Integration des Google Assistant. Nachdem der schon seit einiger Zeit Medien, also beispielsweise YouTube-Videos, automatisch untertiteln kann, lernt er auf dem Pixel 4a nun auch noch, Telefonate in Echtzeit mit Untertiteln zu versehen. Das soll beispielsweise nützlich sein, wenn man in einer lauten Umgebung - etwa der Bahn - telefoniert und keine Kopfhörer dabei hat.

Dem Gesprächspartner wird dabei kurz per Sprachnachricht gemeldet, dass seine Aussagen transkribiert werden. Dabei hat man, ganz amerikanisch, die Möglichkeit, vulgäre Sprache, ausblenden zu lassen. Eine interessante Funktion ist das allemal, auch wenn sie im Test nicht ganz fehlerfrei erkannte, was gesagt wurde. Vor allem aber funktioniert sie derzeit nur auf Englisch. Andere Sprachen sollen folgen, irgendwann.

Fazit

Beim Pixel 4a nutzt Google aus, dass es Hardware und Software enger miteinander verweben kann als andere Hersteller, Apple mal ausgenommen. Aus der moderaten Hardware des Pixel 4a haben die Entwickler mehr herausgeholt, als zu erwarten wäre: Die Kameras sind prima, der Prozessor schnell genug, die Akkulaufzeit - in unserem Test zehn Stunden und 20 Minuten - in Ordnung. Und gut sieht es auch aus, wenn man Schwarz mag. Das ist ein vollkommen anderer Ansatz als etwa beim OnePlus Nord, das vor allem mit leistungsfähiger Hardware trumpft.

Wer im Google-Ökosystem gut zurechtkommt, kann mit dem Pixel 4a deshalb nichts falsch machen, zumal bei einem Preis von knapp 350 Euro. Etwas Geduld ist allerdings nötig. Google nimmt erst ab dem 10. September Bestellungen an und will das Pixel 4a erst am 1. Oktober in den Handel bringen.

Dann aber stehen bereits die nächsten beiden Google-Handys in den Startlöchern, ein Pixel-4a-Modell mit 5G-Mobilfunk sowie das Pixel 5, Googles neues High-End-Modell. Beide sind bisher zwar nur grob für "diesen Herbst" angekündigt, könnten manchen Pixel-Fan aber noch zu einer weiteren Warteschleife vor dem Smartphonekauf motivieren.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.

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