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30. Mai 2019, 16:14 Uhr

Powerbeats Pro im Test

Hier kommt Konkurrenz für die AirPods

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In den Powerbeats Pro der Apple-Tochter Beats steckt ähnliche Technik wie in den AirPods - nur anders verpackt. Wir haben ausprobiert, ob die kabellosen Kopfhörer besser sind als das Original.

Apples AirPods bekommen Konkurrenz. Und das auch noch quasi aus dem eigenen Haus. Der Kopfhörerhersteller Beats, den Apple 2014 für drei Milliarden Dollar übernommen hat, bringt mit den Powerbeats Pro ein Headset auf den Markt, das seine Verwandtschaft mit den kabellosen Kopfhörern nicht leugnen kann, auch wenn man ihm das nicht ansieht.

Denn in den neuen Beats-Kopfhörern steckt derselbe Apple-H1-Chip wie in den AirPods. Deshalb haben die Powerbeats Pro an iPhones, iPads und Macs ein paar Funktionen, die andere Headsets nicht bieten können. Beispielsweise genügt es, den Deckel des Lade-Cases zu öffnen, um sie mit einem iPhone in der Nähe zu verbinden. Hat man das einmal erledigt, lassen sie sich mit jedem Apple-Gerät, auf dem man mit seinem Apple-Account angemeldet ist, per Fingertipp oder Mausklick verbinden.

Allerdings sehen die Powerbeats Pro ganz anders aus als AirPods. Sie sind eher wie Sportkopfhörer geformt, werden von Haltebügeln am Ohr arretiert. Wer Angst hat, AirPods könnten aus den Ohren fallen, dürfte diese Lösung bevorzugen.

Ein anderer Vorteil im Vergleich zu den AirPods: Die Powerbeats Pro haben Tasten. So kann man beispielsweise die Lautstärke regeln, Anrufe annehmen, die Musik pausieren oder Songs überspringen, ohne dafür Siri bemühen zu müssen. Tasten sind manchmal einfach schneller als eine künstliche Intelligenz. Wobei man die natürlich auch nutzen kann - beispielsweise, wenn man gerade die Wochenendeinkäufe nach Hause trägt. Dann genügt, sofern das unter Einstellungen/Siri & Suchen/Auf "Hey Siri" achten so eingestellt ist, der Sprachbefehl "Hey Siri".

Das Case trägt dick auf

Lästig ist dabei allerdings das Lade-Case. Während das kleine Case der AirPods immer in irgendeine Hosen- oder Jackentasche passt, braucht man für das gut viermal so große Case der Powerbeats Pro schon eine Jacke mit XL-Taschen, besser noch einen Rucksack oder ähnliches. Aber an normalen Tagen muss man die Box auch nicht unbedingt mitnehmen. Eine Akkuladung reicht dem Headset lässig für rund neun bis zehn Stunden Laufzeit und damit doppelt so lange wie AirPods.

Sollte die Energie doch knapp werden, kann man die Laufzeit durch Aufladen im Lade-Case laut Apple auf bis zu 24 Stunden ausdehnen. Fünf Minuten Ladezeit genügen für gut eine Stunde Musikhören. Zum Aufladen kann man das Case an dasselbe Ladekabel hängen, mit dem man auch ein iPhone oder iPad auflädt. Für Android-User, die kein solches Kabel haben, liegt eine passende Strippe mit im Karton. Kabelloses Aufladen, wie es mit den neuen AirPods gegen Aufpreis möglich ist, gibt es bei den Powerbeats Pro nicht.

Ganz tief runter

Anders als die AirPods, die nur locker auf dem Hörkanal aufliegen, sitzen die Powerbeats Pro mit ihren Silicon-Manschetten ein kleines bisschen im Hörkanal. Dadurch schirmen sie Außengeräusche zumindest teilweise ab. An die Qualität einer aktiven elektronischen Geräuschunterdrückung kommt das nicht heran, aber zumindest in der Bahn oder im Bus kann man sich ein wenig von seiner Umgebung abkapseln.

Das kommt auch dem Sound zugute. Weil Umgebungsgeräusche weniger stören und der Ton direkt in den Hörkanal ausgespielt wird, wirkt der Klang druckvoller und fetter als bei den AirPods. Beeindruckend ist beispielsweise der drückende Synthbass von "Summertime Magic" von Childish Gambino oder der knackige Jazz Bass im Intro von Vulfpecks "Hill Climber".

Dass dabei Mitten und Höhen ohne jedes Gedröhne transparent bleiben, hätte man von einem Beats-Kopfhörer vor ein paar Jahren nicht erwartet und ist heute umso erfreuter. Analytischen Highendsound produzieren sie zwar nicht, aber eine Mischung, die von vielen Menschen als angenehm empfunden werden dürfte. Durch die Bügel sitzen sie beim Sport so fest am Ohr, dass sich der Klang auch beim Bewegen nicht deutlich verändert.

Fazit

Technisch steckt viel von den AirPods in den Powerbeats Pro. Klanglich legen die Kopfhörer der Apple-Tochter aber noch eine Schippe drauf, weil sie einfach fester und tiefer im Hörkanal liegen. Dafür muss man allerdings auch tiefer ins Portemonnaie greifen: Während ein Paar AirPods 179 Euro kostet, verlangt Beats für die Powerbeats Pro 250 Euro. Vorbestellbar sind sie ab dem 31. Mai.

Wer auf die kabellose Ladefunktion verzichten und mit dem größeren Case sowie dem Aufpreis leben kann, bekommt mit den Powerbeats Pro allerdings auch die besseren AirPods. Komfortabler ist jedoch das Original.

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