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OSX Lion: Wenn der Löwe zickt

Probleme mit Mac OS X 10.7 Diese Tricks treiben Apples Löwen die Zicken aus

Das sieht ja alles anders aus! Kunden klagen über Macken und Ungereimtheiten in Apples neuem Desktop-Betriebssystem, Codename Lion. Felix Knoke hat sich die häufigsten Beschwerden angeschaut und erklärt, wie man echte Ärgernisse beseitigt.

Wischen statt Klicken, Touchpad statt Maus: Apples neues Betriebssystem Mac OS X 10.7, Codename Lion, hat sich Gestensteuerung und Bedienkonzept bei iPhone und iPad abgeguckt. Lion sollte "das fortschrittlichste Desktop- Betriebssystem der Welt noch weiter vorantreiben". Doch viele Lion-Käufer klagen über Probleme: Abstürze, Merkwürdigkeiten - oder einfach ungewohnte Details bei der Bedienung. Manche denken sogar an ein "Downgrade", den Umstieg auf die Vorgängerversion 10.6.

Ist Apples großer Wurf also ein Flop geworden? Hat sich Apple bei dem Versuch übernommen, Tablet- und Desktop-Computer zu vermählen?

Die gute Nachricht: Für viele der wichtigsten Probleme gibt es einfach Lösungen. Manche der Stolpersteine sollen neuen Mac-Anwendern den Umstieg - Anwendern, die zuerst ein iPad oder iPhone besaßen und jetzt auf einen Mac-Rechner umschwenken, erleichtern. Für Alt-Nutzer bedeutet das: Wer Lion ordentlich benutzen will, muss umdenken.

Fehler, radikale Änderungen, echte Ärgernisse - hier einige Lösungen für die am häufigsten kritisierten Probleme bei Lion.

Mission Control

Eines der wichtigsten neuen Features von Lion ist Mission Control: Apples Versuch, die alte Schreibtisch-Metapher ("alle Fenster auf einem Bildschirm") zu sprengen. Fortan können Programme im Vollbild-Modus einen sogenannten virtuellen Schreibtisch für sich eröffnen - und nehmen nicht mehr wertvollen Platz auf dem Bildschirm weg. iPhone-, iPod- und iPad-Nutzer kennen das von ihrem Homescreen: mit Wischbewegungen blättert man zwischen den Bildschirmen hin und her.

Das Problem: Mission Control ist unausgereift - und teilweise ein Rückschritt von seinem Spaces genannten Vorgänger in Mac OS X 10.6, Snow Leopard. Man verbringt viel Zeit mit der Suche nach dem richtigen virtuellen Bildschirm, kann nur äußerst umständlich Fenster vom einen zum nächsten Ziehen und mit zwei Monitoren (siehe Kapitel Multi-Monitor) gibt's Chaos: Versetzt man ein Programm in den Fullscreen-Modus, blockiert es den Zweitbildschirm.

Die Probleme lassen sich teilweise lösen: Zum einen hilft Disziplin: Über das Dock-Icon einer Software (langes Klicken oder Rechtsklick) kann man festlegen, dass eine App auf einem bestimmten virtuellen Schreibtisch verankert werden soll: Optionen -> Dieser Schreibtisch. Man muss sich dann nur noch die Schreibtisch-Reihenfolge merken und kann direkt mit Ctrl-1 zum ersten, mit Ctrl-2 zum zweiten usw. Schreibtisch springen. Ctrl-Pfeil-Rechts und Ctrl-Pfeil-Links blättern in die entsprechende Richtung. Will man eine App von einem Schreibtisch zum anderen transportieren, öffnet man einen neuen Schreibtisch in der Mission-Control-Übersicht und zieht sie einfach in den neuen Bildschirm.

Unverständlicherweise kann man die Reihenfolge der virtuellen Bildschirme selbst aber nicht verändern. Wer eine App oder ein einzelnes Fenster umlagern will, muss das Schritt für Schritt manuell machen.

Und wer sein Lion eines Tages komplett neu bootet (ohne die Resume-Funktion, siehe unten), der muss sich die Zuweisungsarbeit erneut antun. Das sollte Apple per Update nachbesern.

Tipp: Mission Control ist wie für Laptops gemacht. Freunden Sie sich mit Mission Control an, trotz seiner Fehler ist es ein wertvolles Hilfsmittel, gerade auf kleinen Bildschirmen. Die Vier-Finger-wischen-nach-unten-Geste öffnet das neue Exposé, also alle zu einer Anwendung gehörigen geöffneten Dokumente in der Übersicht.

Natürliches Scrollen

So etwas kann sich nur Apple leisten: Mit dem neuen Mac OS ändert sich die Richtung, in der Bildschirm-Inhalte rollen, wenn man das Touchpad benutzt: Zwei Finger nach unten streichen und die Inhalte rollen nach oben. Dieses, laut Apple, "natürliche Scrollen" verärgerte viele Lion-Käufer. Dabei ist der Schritt langfristig richtig: Er vereinheitlicht das Scroll-Verhalten auf iOS- und Mac OS-Geräten. Die Metapher: Mit zwei Fingern ziehe ich das Blatt nach unten oder schiebe es nach oben. Wer nacheinander iOS und Mac OS benutzt, versteht das sofort.

Warum es trotzdem ein Problem ist? Weil es eine Umlernphase gibt. Man scrollt anfangs oft in die falsche Richtung. Wechselt man zwischen Windows und Mac OS X, geht alles drunter und drüber. Vermutlich wird sich "natürliches Scrollen" durchsetzen, zumal auf Touchscreens.

Wen es trotzdem stört: Die Funktion lässt sich leicht abschalten: Systemsteuerung -> Touchpad -> Scrollen und Zoomen -> Scrollrichtung: Natürlich.

Speicherhunger und Langsamkeit

Viele Lion-Käufer erschraken nach der (meist) reibungslosen Lion-Installation über die Gemächlichkeit ihres taufrischen Systems: Es ruckelte, lahmte, hakte.

Aber Geduld: Lion legt einen neuen Index aller Dateien und Inhalte des Computers an. Das dauert je nach Festplattenbelegung sehr lange - und verlangsamt derweil das System beträchtlich. Ist diese Indizierung abgeschlossen, funktioniert der neue Mac meist wieder wunderbar.

Launchpad

Noch so ein Schritt in Richtung iOS: Launchpad zeigt alle auf dem Mac installierten Programme in einer Symbol-Übersicht. Das soll Anfängern helfen, Programme leichter finden und starten zu können - zum Beispiel, wenn man ihren Namen vergessen hat.

Das Problem: Mac OS X hat seit Version 10.5 schon ein viel besseres Launchpad - die "Programme"-Liste im Dock am Bildschirmrand, an die sich viele Anwender längst gewöhnt haben. Der einzige Nachteil gegenüber dem Launchpad ist, dass man das Dock von Hand mit Software befüllen muss, Apple legt dort nur einige grundlegende Programme ab.

Multimonitor

Wer mehr als einen Monitor besitzt, wird weder mit Windows noch mit Mac OS X 10.7 so richtig glücklich. So genannte Multi-Monitor-Setups werden von beiden Betriebssystemen nur spärlich unterstützt. Was bei Lion geht: Programme zwischen zwei Bildschirmen hin und herschieben, beziehungsweise ihre Fenster beliebig verteilen.

Was nicht geht: Auf beiden Monitoren die Apple-Menü-Zeile zu befestigen, auf jedem Bildschirm ein Programm im Vollbild-Modus oder ein Vollbild-Programm und ein normales gleichzeitig anzuzeigen. Warum, Apple, schallt es aus den Internet-Foren.

Die vermutete Antwort: Apple interessiert sich für Laptop- und Computerkäufer, nicht für Monitorkäufer. Der Einsatz von zwei oder mehr Monitoren macht die Beibehaltung der Tablet-Metaphern äußerst komplex. Mehrere Monitore stören Apples Ansatz des Blätterns und der exklusiven Bildschirmflächen.

Abhilfe schaffen da auch keine Drittanbieter-Programme: Wer zwei Monitore betreibt, muss sich mit Mission Control herumquälen - oder ganz drauf verzichten und ohne virtuelle Desktops arbeiten. Was für eine Verschwendung ...

Ein Tipp: Apples Menü-Balken lässt sich in Systemeinstellungen -> Monitore -> Anordnen verschieben. Einfach den kleinen weißen Balken greifen und in den zweiten Monitor ziehen. Wer ein Menü auf jedem Bildschirm haben will, muss zu Drittanbieter-Software  greifen.

Rollbalken

Wo sind die Rollbalken hin? Standardmäßig zeigt Lion die Rollbalken rechts von langen Dokumenten oder Websites nur noch an, wenn man gerade scrollt. Wer den Scrollbalken aber greifen und auf diese Weise schnell zu weit entfernten Passagen springen will, muss umständlich anrollen und dann schnell - und zielsicher - den Rollbalken greifen.

Auch hier gilt: In den Systemeinstellungen lässt sich diese Funktion ändern: Systemeinstellungen -> Allgemein ->Rollbalken einblenden.

Der Muschelmodus

Noch so ein Multimonitor-Problem - oder -Feature: Wer sein Macbook zuklappt, um es wie gewohnt in den Ruhezustand zu versetzen, wundert sich. Lion befördert in einem solchen Fall den angeschlossenen Zweitmonitor zum Hauptmonitor und läuft weiter, statt sich zur Ruhe zu legen. Das ist neu.

Wer seinen Mac trotz angeschlossenem Zweitmonitor in den Schlafmodus versetzen will, muss das entweder über das Apple-Menü -> Ruhezustand oder den Ausschalter -> Ruhezustand bewerkstelligen. Oder einfach das Monitorkabel ausstecken.

Lion-Update für 4.000 Dollar

Ein Fehler in der Kommunikation zwischen Apple und dem Online-Bezahldienst Paypal führte zur versehentlichen Mehrfachbelastung bei Lion-Käufen über den App Store. Einige Käufer berichten, dass sie 4.000 Dollar für ein Lion-Update zahlen sollten.

Zwar führt Paypal nach Medienberichten Rücküberweisungen zur Korrektur durch - will aber nicht für die eventuell aufkommenden Überziehungszinsen gerade stehen . Sammelklage, Entschädigungszahlungen, ein warmer Händedruck ... wie es ausgeht, wird sich zeigen.

Die Goldene Regel - das hilft immer

Für Betriebssysteme gilt die alte Computerregel: Wer Stabilität, Komfort und Geradlinigkeit will, sollte sich nicht die erste Version kaufen. Warten Sie einfach ab, bis Apple das erste große Lion-Update fertig gestellt hat. Das wird viele der kleinen Fehler und Ungereimtheiten ausmerzen, über die nun die Millionen Erstkäufer stolpern.

Und darin sind sich auch viele Lion-Experten einig: Lion bringt tolle Verbesserungen und verweist mit seinen Tablet-Fähigkeiten in die Zukunft. Aber für langjährige Mac-Nutzer ist es keine enorme Weiterentwicklung, de unbedingt und sofort installiert werden muss.

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