Microsoft-Rechenzentrum unter Wasser Ins Meer damit

Erst jetzt hat Microsoft verraten, dass der Konzern bereits 2015 ein Experiment gestartet hat: Er ließ ein Rechenzentrum im Meer versenken - ein Modell mit Zukunft.
Serverraum zum Absaufen: Kühles Wasser spart Energie

Serverraum zum Absaufen: Kühles Wasser spart Energie

Foto: Microsoft

Die Hälfte der Menschheit lebt in Küstennähe. Was liegt da näher, als Rechenzentren auch ans, oder lieber gleich ins Wasser zu bauen, dachten sich einige Forscher bei Microsoft und trugen die Idee ihren Chefs vor. Küsten-Computer wären näher an den Nutzern, die Datenübertragung wäre schneller. Vor allem aber wären solche Konstruktionen im Unterhalt billiger, würde man sie gleich versenken - das Meerwasser könnte die Kühlung übernehmen.

Von solchen Argumenten überzeugt, gab Microsofts Chefetage den Entwicklern grünes Licht und ließ sie einen Testlauf starten. Unter der Bezeichnung Project Natick - so heißt ein Ort östlich von Boston, ganz nah bei der technischen Hochschule MIT - bauten sie einen ersten Prototyp und warfen ihn ins Meer, ganz vorsichtig.

Denn in der mit Stickstoff gefüllten Stahlkapsel steckte ein ganzes Serverrack, also ein Schrank voller Computer, wie sie reihenweise in Rechenzentren stehen. Das nach Leona Philpot - einer Figur aus dem Xbox-Spiel "Halo" - benannte Konstrukt wurde im August 2015 einen Kilometer vor der Küste Kaliforniens versenkt. In zehn Metern Wassertiefe arbeiteten die Server daraufhin problemlos vor sich hin, bis sie im November 2015 wieder an Land gewuchtet wurden.

Warum Microsoft diese erstaunliche Geschichte erst jetzt erzählt, ist unklar. Sicher ist jedoch, dass das Project Natick mit diesem ersten Versuch noch lange nicht am Ende sein soll. Laut "New York Times " haben die Arbeiten an einer zweiten, dreimal größeren Kapsel bereits begonnen.

Das Meer als Kühlkörper

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Die Vorteile solcher Konstruktionen seien immens, argumentiert das Unternehmen auf einer Webseite, die für das Projekt eingerichtet worden ist . Das Unterwasserzentrum sei nicht nur nahe bei vielen Nutzern, wodurch Daten schneller geliefert werden könnten. Es sei auch schnell gebaut. Nur 90 Tage würde es dauern, vom Planungsbeginn bis zum Stapellauf.

Für Umwelt und Betreiber noch wichtiger dürften jedoch die energetischen Vorteile des Betriebs unter Wasser sein. Weil es in großen Tiefen tendenziell kälter ist als an der Oberfläche, kann die Abwärme der Rechner direkt ans Wasser abgegeben werden. Aufwendige Kühlanlagen, die in herkömmlichen Rechenzentren ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs ausmachen können, sind nicht nötig. Das spart Geld und schont die Umwelt.

Google hatte eine ähnliche Idee

Umweltschonend stellt sich Microsoft auch die Energieversorgung vor. Der Strom soll vorzugsweise aus der Energie der Meereswellen erzeugt werden. Wie und ob das funktioniert, will Microsoft mit dem zweiten Prototyp testen. Der wird wohl erst nächstes Jahr zu Wasser gelassen, entweder vor Florida oder irgendwo in Nordeuropa.

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Ganz neu sind diese Idee nicht. Google forschte schon 2008 an schwimmenden Rechenzentren. Die Argumente waren damals dieselben wie sie Microsoft jetzt anbringt, nur eben an der Wasseroberfläche, mit Containern voller Servern, die wassergekühlt und von sogenannten Pelamis-Maschinen  mit Strom versorgt wurden. Viel gehört hat man von dem Projekt aber seither nicht.

Jede Kapsel soll 20 Jahre halten

Ohnehin dürften noch einige Probleme zu bewältigen sein, bevor Microsofts Rechenzentren tatsächlich auf Augenhöhe mit Makrelen und Hering arbeiten. Zum einen müssten die Rechner und deren Festplatten außerordentlich ausfallsicher sein. Microsoft will die Serverkapseln bis zu fünf Jahre unter Wasser lassen, bevor die dann veraltete Hardware komplett ausgetauscht wird. Die Kapseln selbst sollen vier solcher Unterwasser-Zyklen aushalten, bevor sie recycelt werden.

Zum anderen müssen solche Kapseln extrem robust sein. Wer schon mal den Rumpf eines Segelboots von festgewachsenen Muscheln und anderen Dingen befreit hat, weiß, wie schnell das Meer von menschgemachten Dingen Besitz zu ergreifen versucht. Dazu kommen Bedrohungen durch Stürme, Seebeben oder andere Katastrophen.

Die Forscher vom Project Natick halten sich mit Prognosen dazu, wann und wie ihre Idee im großen Stil umgesetzt werden könnte, noch zurück. Sie schreiben nur: "Project Natick ist noch am Anfang und wir erforschen, ob dieses Konzept von Microsoft und anderen Cloud-Anbietern umgesetzt werden kann." Es dürfte also noch eine Weile dauern, bis die ersten kommerziellen Rechenzentren ins Meer umziehen.

Zusammengefasst: Microsoft erprobt die Möglichkeit, Rechenzentren unter Wasser zu betreiben. So könnte man Energie sparen, die Umwelt schützen und auch noch den Service verbessern, glauben die Forscher des Unternehmens. Ein erster Testlauf verlief positiv, doch bevor das Konzept in Serie gehen kann, sind noch viele Probleme zu lösen.

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