Sony PS-HX500 im Test Dieser Plattenspieler hat Zukunft

Vinyl ist hip, nicht nur bei Retro-Fans: Sony versucht bei einem neuen Plattenspieler, die alten Scheiben mit neuer Technik zu verkuppeln. Überzeugt das?

Matthias Kremp

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Ich hatte ganz vergessen, was für ein Aufriss das ist mit Plattenspielern. Aber Sonys 500 Euro teurer PS-HX500 holt mich schnell in die alte Zeit zurück. Einfach auspacken, anschließen, einschalten, das geht hier nicht.

Erst muss der Antriebsriemen eingebaut und die Rauchglasabdeckung montiert werden. Dann folgt die frickelige Justierung des Tonarms. Mit seinem Gegengewicht muss er so tariert werden, dass er fast schwerelos schwebt, aber eben nur fast. Dafür brauche ich ein paar Minuten.

Als ich das Gerät dann an meinen Heimkinoverstärker anschließen will, gibt es eine negative Überraschung: Statt einfach ein Stromkabel einzustecken, muss ich ein externes Netzteil einstöpseln. Wieder ein Klotz mehr, den ich irgendwie möglichst unauffällig hinter meiner Musikanlage unterbringen muss.

Der Sony funktioniert sofort

Positiv dagegen: Obwohl mein Verstärker keinen Phonoanschluss für Plattenspieler hat, funktioniert der Sony sofort. Normalerweise müsste ich einen externen Zusatzverstärker dazwischenschalten, der das schwache Tonsignal des Plattenspielers auf ein für den Verstärker brauchbares Niveau anhebt. Doch der Sony hat einen solchen Vorverstärker eingebaut, sodass ich ihn an den AUX-Eingang meiner Anlage anstöpseln kann.

Die Anschlüsse des Sony PS-HX500
Matthias Kremp

Die Anschlüsse des Sony PS-HX500

Als auch das erledigt ist, kann ich endlich eine Platte hören, zum ersten Mal seit vielen Jahren.

Mein alter Technics-Plattenspieler aus den Achtzigerjahren hat längst Staub angesetzt, weil er eben nicht ohne Zusatzgerät an meinem aktuellen Verstärker läuft.

So war das früher mal

Musik von Schallplatten zu hören, hat schon fast etwas Rituelles. Da müssen Verstärker und Plattenspieler eingeschaltet werden. Man muss die Platte aus ihrem Cover und einer Schutzhülle holen, auflegen und möglicherweise etwas reinigen. Schließlich wird der Tonarm angehoben und die Abtastnadel vorsichtig auf das empfindliche Vinyl gesetzt, was von den Lautsprechern durch leises Knistern quittiert wird. Spätestens nach einer halben Stunde muss das Prozedere wiederholt werden, mehr Musik passt nicht auf eine Schallplattenseite.

Anders als bei meinem alten Technics ist beim neuen Sony leider fast alles mechanisch geregelt. Ich muss den Plattenspieler per Drehschalter einschalten und eine Geschwindigkeit auswählen, damit sich der Plattenteller zu drehen beginnt. Die Abtastnadel muss manuell auf die Platte gelegt und am Ende der Platte wieder manuell zurückgehoben werden. Der alte Technics hat das alles auf Knopfdruck und materialschonend erledigt.

Digitaler Analogsound?

Musik hören klappt aber schon mal - und das auch noch sehr gut. Zwar kann ich die meisten meiner Platten längst auch bei einem der Streamingdienste hören, aber der Sound des alten Vinyls haut mich dann doch um. Klar, meine alten Scheiben knistern auch mal, aber ihre Musik klingt trotzdem offener, lebendiger als die digitalen Konserven.

Doch nur zum Anhören meiner Schallplatten bräuchte ich nicht einen Plattenspieler mit USB-Anschluss. Über den Anschluss kann ich den Sony an einen PC oder Mac anschließen und meine Platten digitalisieren. Das hört sich erst mal absurd an, nachdem ich gerade die analoge Klangqualität von Vinyl gelobt habe. Aber bei der Digitalisiersoftware, die Sony für seinen Plattenspieler bereitstellt, geht es darum, den analogen Charakter der Schallplatten möglichst beizubehalten.

Sonys App erfordert Handarbeit

Statt in einem der weit verbreiteten Musikformate MP3 oder AAC,werden die Audiodaten hier in hochauflösenden Audiodateien gespeichert. Dazu steht wahlweise das Format WAV oder DSD (Direct Stream Digital) zur Verfügung. Beide liefern eine hörbar bessere Klangqualität als Standardformate, können aber nicht von jedem Gerät abgespielt werden. Sony möchte natürlich, dass man dafür einen seiner teuren Hi-Res-Audioplayer kauft. Viele Smartphones kommen aber auch damit klar.

Etwas umständlich ist nur der Weg dahin. Sonys Digitalisier-App bietet nur ein rohes Grundgerüst an Funktionen. Man kann Titel oder ganze Schallplattenseiten aufnehmen, die Aufnahmen manuell in mehrere Songs zerlegen und im Format der Wahl abspeichern. Schade, dass es hier gar keine Automatik gibt. Ebenso fehlen Funktionen, um den Klang zu verbessern oder das Rauschen zu minimieren. So muss man vieles von Hand erledigen, was beispielsweise das Audioprogramm Steinberg Clean schon vor 15 Jahren automatisch erledigt hat.

Fazit

Ja, das hat Spaß gemacht. Sonys Plattenspieler zeigt, wie gut die scheinbar veraltete Technik immer noch klingt. Und, um wie viel besser Musik klingen kann, wenn sie vor dem Anhören nicht platzsparend komprimiert wurde. Manches ist mir aber dann doch zu manuell. Für meinen Geschmack könnten sowohl der Plattenspieler selbst als auch Sonys Software ein paar Automatik-Upgrades vertragen.

Vorteile und Nachteile

Guter Sound

Eingebauter Vorverstärker

USB-Anschluss

Gelungenes Design

Keine Automatikfunktionen

Wenige Softwarefunktionen



insgesamt 330 Beiträge
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Seite 1
King Curry 21.11.2016
1. Wenn ahnungslose Redakteure Hifi testen...
Soso, das hochauflösende Format bietet eine hörbar bessere Klangqualität... Da frage ich mich doch, wie das festgestellt wurde. In Blindtests hat noch NIE jemand einen klanglichen Vorteil von hochauflösenden Formaten gegenüber ordentlich kodierten MP3 heraushören können. Was jemand persönlich fühlt und spürt ist ja eine Sache, Musik ist halt Psychologie und der Glaube versetzt bekanntlich Berge. Aber man sollte sich als Redakteur doch an Objektivität, Sachlichkeit und wissenschaftlicher Erkenntnis orientieren und nicht das Marketing-Blabla der Hersteller nachplappern.
postorgel 21.11.2016
2. recht hat er!
ich habe meinem 43 Jahre alten thorens TD 150 einen neuen Keilriemen für 8 Euro gegönnt und genieße meine alten Schallplatten. es hört sich einfach besser an, als auf meinem 1.300 Euro teuren Sony CD Player!
felisconcolor 21.11.2016
3. Mein
Grundig PS-20 (Tangentialtonarm) kann das auch. Hat mich damals irgendwas bei 100DM gebraucht gekostet. Brauchte auch keinen Vorverstärker konnte direkt am Line In betrieben werden. OK der hat nun keine USB Buchse Aber die gab es halt in den 80igern noch nicht. Aber Platten digitalisieren könnte ich am Line In meines PC damit auch. Und nein ich geb den ganz bestimmt nicht her. die 500 Euro für den Sony finde ich ziemlich überzogen. Aber irgendwas ist ja immer ;-)
Hupert 21.11.2016
4. Oh Mann...
Spielzeugtonarm, Schrottsystem, Riemenantrieb eine "neu entwickelte Gummimate" und ein "Glas-Epoxidharzleiterplatte für eine bessere Klangqualität und -stabilität"... Danke Sony, dass sich endlich ein solventer Großkonzern gefunden hat, der eine Slipmat mal kompett neuentwickelt... der Begriff "Platinenklang" wird dank euch auch Einzug in die Analen des großen Klangvoodooalmanachs finden. Was bleibt ist billigster Schröbel für ca 450€ Es weihnachtet...
Bueckstueck 21.11.2016
5.
Zitat von postorgelich habe meinem 43 Jahre alten thorens TD 150 einen neuen Keilriemen für 8 Euro gegönnt und genieße meine alten Schallplatten. es hört sich einfach besser an, als auf meinem 1.300 Euro teuren Sony CD Player!
Wenn einem das warme Knistern besser gefällt als kristallklarer Sound, ist das so. Also subjektiv.
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