Forschungsoffensive Bundesregierung stellt zwei Milliarden Euro für Quantencomputer bereit

Die Forschungsministerin spricht von einer »entscheidenden Schlüsseltechnologie«: Milliardengelder fließen in die Erforschung der Quantentechnologie – denn herkömmliche Computer kommen langsam an ihre Grenzen.
Quantencomputer Q System One von IBM: Die Zukunft der Computertechnologie

Quantencomputer Q System One von IBM: Die Zukunft der Computertechnologie

Foto: Ross D. Franklin / AP

Der internationale Wettlauf um die Computertechnik der Zukunft läuft – auch in Deutschland. Die Bundesregierung hat nun Fördergelder in Höhe von insgesamt zwei Milliarden Euro für die Entwicklung von Quantencomputern freigegeben. 1,1 Milliarden Euro davon werden vom Bundesforschungsministerium vergeben, 878 Millionen Euro stammen aus dem Etat des Bundeswirtschaftsministeriums.

Das Ziel sei es, in Deutschland innerhalb der nächsten fünf Jahre einen konkurrenzfähigen Quantencomputer zu bauen und ein dazugehöriges Ökosystem mit potenziellen Anwendern zu schaffen, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Dienstag.

»Die Quantentechnologien sind eine der entscheidenden Schlüsseltechnologien der Zukunft«, sagte Karliczek. »Sie werden es uns erlauben, unsere Kommunikation absolut sicher zu gestalten, durch hochsensible Sensoren Sprünge in der Medizintechnik zu machen oder mittels Quantencomputing bisher nicht lösbare Probleme in Logistik oder Materialforschung zu bewältigen.«

Mit dem Konzept der Quantencomputer reagiert die Forschung und Industrie auf die Tatsache, dass die bislang übliche Entwicklung von Hochleistungscomputern an physikalische Grenzen stößt. Ein Quantencomputer speichert Informationen nicht in Form von Bits, die nur zwei mögliche Zustände annehmen können, nämlich Eins oder Null.

Quantencomputer verwenden stattdessen sogenannte Qubits als Informationseinheiten. Diese können beides gleichzeitig sein, also Eins und Null. Diese sogenannte Superposition ermöglicht weit mehr Kombinationen als mit Bits, weshalb mehr Daten gleichzeitig bearbeitet und komplexe Probleme schneller gelöst werden können. Darüber hinaus bietet die Quantentechnologie weitere Vorteile wie etwa eine abhörsichere Datenübertragung. Noch sind Quantencomputer aber in erster Linie Forschungsobjekte, eine kommerzielle Nutzung ist bislang kaum möglich.

Um das Ziel des Programms zu erreichen, fördert das Forschungsministerium zunächst den Bau von »Demonstrations-Quantencomputern«. Diese Rechner sollen über 24 voll funktionsfähige Qubits verfügen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll ein wettbewerbsfähiger deutscher Quantencomputer dann mit mindestens hundert individuell ansteuerbaren Qubits ausgestattet sein – skalierbar auf mindestens 500 Qubits. Die aktuell größten Quantenrechner sind ein 65-Qubit-Computer von IBM und ein 54-Qubit-System von Google.

mak/dpa
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