Random Darknet Shopper Polizei beschlagnahmt Ecstasy aus Internet-Kunstprojekt

Eine Künstlergruppe hat ein Computerprogramm wahllos auf einem Online-Schwarzmarkt einkaufen lassen. Für die Schweizer Polizei endet die künstlerische Freiheit bei illegalen Drogen.
Die Ecstasy-Pillen kamen in einer DVD-Hülle: Nun hat sie die Polizei vernichtet

Die Ecstasy-Pillen kamen in einer DVD-Hülle: Nun hat sie die Polizei vernichtet

Foto: !Mediengruppe Bitnik

Die zehn Ecstasy-Pillen behielt die Schweizer Polizei. Alle anderen Waren, die ein Roboter auf dem illegalen Online-Schwarzmarkt Agora gekauft hat, sind allerdings mittlerweile zurück in den Händen der Künstler der "!Mediengruppe Bitnik".

Im Januar hatten die Künstler den sogenannten Random Darknet Shopper  jede Woche 100 Dollar in Bitcoin im Deep Web verprassen lassen. Das Computerprogramm kaufte per Zufall alle möglichen Dinge, die dort angeboten werden. Zwischen Ecstasy-Pillen und zollfreien Zigaretten landete zum Beispiel auch der Generalschlüssel der britischen Feuerwehr im digitalen Einkaufswagen - und somit in der Post des Schweizer Künstlergruppe.

Die Einkäufe hatten die Künstler als Installation in der Kunsthalle St. Gallen ausgestellt - die ganze Aktion war juristisch abgesichert und mit dem Gutachten eines Kunstrechtsexperten versehen. Das öffentliche Interesse rechtfertige die zeitlich befristete künstlerische Aktion, hieß es.

Am Tag nach der Finissage aber beschlagnahmte und versiegelte die Kantonspolizei St. Gallen  die "gesamte Warenausbeute" des Darknet-Bots. Dabei schien es den Polizisten in erster Linie um die Pillen zu gehen, die sie erst untersuchten und nach einem positiven Drogentest vernichteten. Die Staatsanwaltschaft St. Gallen wollte, "dass sich da keiner so einfach bedienen kann".

"Ein guter Tag für den Bot, für uns und die Kunstfreiheit"

Drei Monate später hat die Polizei die Gegenstände nun wieder zurückgegeben und eine Anzeige gegen Unbekannt fallen gelassen.

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Kunstaktion: Zufallseinkäufe im Darkweb

Foto: !Mediengruppe Bitnik

Die "!Mediengruppe Bitnik" verurteilt in einer Stellungnahme  die Einschränkung der Kunstfreiheit: "Wir sind überzeugt, dass es eine Aufgabe der Kunst ist, Ränder auszuleuchten und zeitgenössische, gesellschaftliche Fragen zu thematisieren."

Die Idee zu dem Projekt stammt von Domagoj Smoljo und Carmen Weisskopf, den Gründern von Bitnik. Sie hatten das Computerprogramm geschrieben, das insgesamt zwölfmal im Netz einkaufen war.

Den guten Ausgang der Verhandlungen kommentiert die Künstlergruppe so:  "Wir und der Randon Darknet Shopper sind von allen Vorwürfen freigesprochen. Das ist ein guter Tag für den Bot, für uns und für die Kunstfreiheit!"

kbl
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