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Cebit: Hannover im Gadget-Rausch

Foto: DANIEL MIHAILESCU/ AFP

Rasanter Preisverfall Alles wird immer billiger

Michel, lass das Jammern sein, alles wird immer billiger: Auf dem Elektronikmarkt, dokumentiert das Statistische Bundesamt, herrscht rapider Preisverfall. Ein Laptop etwa kostet heute deutlich weniger als die Hälfte von dem, was man 2005 dafür bezahlen musste.

Wiesbaden - Der gemeine Deutsche jammert gern über den angeblich fortschreitenden Verfall der Welt: Früher, so eine weit verbreitete Ansicht, war alles besser und billiger. Was das angeht, ist Michel aber nicht nur in Bezug auf Kriminalität (das Leben im Land wird immer sicherer) und Verkehr (immer weniger Opfer trotz stetig steigendem Verkehrsaufkommen) auf dem Holzweg. Auch die Preise für alles Elektronische sind seit Jahrzehnten im Sinkflug - bei Computer-Produkten sind sie sogar längst in den Sturzflug übergegangen.

So haben sich die Preise für PCs und Notebooks in den vergangenen Jahren mehr als halbiert. 2009 mussten Kunden für Laptops 61,3 Prozent und für Desktop-PCs 58,8 Prozent weniger bezahlen als 2005, teilte das Statistische Bundesamt  anlässlich der Computermesse Cebit mit. Ähnliche Preisentwicklungen beobachteten die Statistiker auch bei den Importpreisen für diese Waren. Für Notebooks lagen diese 2009 um 67,4 Prozent unter dem Niveau des Jahres 2005. Die Importpreise für PCs gingen im gleichen Zeitraum ebenfalls deutlich zurück und zwar um 62,6 Prozent.

Und das bezieht sich durchaus nicht auf das Preisniveau für Waren einer bestimmten Leistungsklasse, sondern auf für ihre Zeit typische Waren der angesprochenen Kategorien. Bezöge man die Performancefrage noch mit ein, ergäbe sich ein noch weit drastischeres Bild: Unsere Elektronik wird nicht nur billiger, sondern natürlich zugleich auch noch besser, zumindest aber leistungsfähiger.

Ein Beispiel: Im Frühjahr 2005 erntete Toshiba mit dem Tecra M2 gute Kritiken. Das 14-Zoll-Gerät galt mit einer Bauhöhe von 3,5 Zentimetern und einem Gewicht von nur 2,3 Kilogramm als elegant und leicht. Obwohl vornehmlich ein Business-Laptop verfügte der Rechner über ein DVD-Laufwerk (ohne Brennfunktion natürlich), damals durchaus satte 512 MB Speicher, eine 60-GB-Festplatte und einen 1,7 GHz-Prozessor. Eine so stolze Ausstattung hatte natürlich ihren Preis, Toshiba brachte den Flachmann für 3399 Euro auf den Markt. Heute wäre er mit dieser Konfiguration für Preise über 200 Euro wahrscheinlich unverkäuflich.

Doch das ist ein Vergleich, der nicht zieht: Die Tecras von heute wären Business-Subnotebooks, der Preis würde sich wohl ab 1200 Euro aufwärts bewegen. Doch auch in der Brot-und-Butter-Privatnutzerklasse sah es kaum anders aus. So klotzte im Mai 2005 der Discounter Lidl mit einem tiefergelegten Laptop-Angebot, das den Tecra wie einen behäbigen Rolls Royce dastehen ließ: Der Targa (sic!) Traveller 826 WS verfügte über eine 80 GB Festplatte, einen DVD-Brenner, 512 MB Speicher und einen 3000+ AMD-Prozessor - und kostete satte 1279 Euro.

Die bezahlt heute tatsächlich niemand mehr: Vor allem der Boom der Netbooks hat dafür gesorgt, dass ordentliche Marken-Laptops mit respektabler Ausstattung und Software für Preise ab 499 Euro gehandelt werden - Sonderangebote liegen darunter, einfache nackte Mobilrechner ohne Software oder mit Linux sind ab 300 Euro zu haben.

Immer mehr für weniger Geld

Was natürlich damit zusammenhängt, dass auch Komponenten billiger geworden sind, teils noch deutlicher als die dann daraus montierten Produkte. So ist auch der Preis für Speichermedien und elektronische Bauelemente bei enorm gestiegener Leistung und Kapazität deutlich gesunken: Die Importpreise für Festplatten gingen zwischen 2005 und 2009 um 71 Prozent zurück, Prozessoren verbilligten sich um 64,9 Prozent. Und das, obwohl sich die Kapazitäten etwa bei Festplatten seitdem mehr als verzehnfacht haben.

Auch beim Arbeitsspeicher sanken die Einfuhrpreise massiv (minus 82,3 Prozent), allerdings sind entgegen diesem Langzeittrend die Preise für Arbeitsspeicher seit Beginn des Jahres 2009 wieder gestiegen. Sie lagen im Dezember 2009 um durchschnittlich 36,3 Prozent höher als im Dezember 2008.

Als Gründe für diese Entwicklung sieht die Statistikbehörde vor allem geringe Lagerbestände, eine zwischenzeitlich verringerte Produktion und eine steigende Nachfrage nach Arbeitsspeichern. Im gleichen Zeitraum hat sich die technische Leistung einzelner Computerkomponenten vergrößert: Lag zum Beispiel die Kapazität eines Notebook-Arbeitsspeichers im Jahr 2005 noch bei durchschnittlich 512 MB, waren es im Jahr 2009 durchschnittlich 2.048 MB. Ähnlich rasante Entwicklungen sind laut Bundesamt für alle Arten von Computer-Hardware zu beobachten.

pat/ddp

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