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02. November 2011, 15:00 Uhr

Revolution im Rechenzentrum

HP baut Server mit Handy-Chips

Der US-Konzern Hewlett-Packard will die Großrechnertechnik revolutionieren: Statt Hochleistungs-Computerchips sollen künftig stromsparende Handy-Prozessoren die Rechenarbeit erledigen. Vorerst aber soll die Zukunftstechnik nur wenigen Kunden angeboten werden.

Berlin/Hamburg - Mit einem ungewöhnlichen Ansatz will HP den rasant steigenden Energieverbrauch von Rechenzentren und Unternehmenscomputern eindämmen. Erstmals sollen Handy-Chips anstelle von Computerprozessoren die Rechenarbeit in Hochleistungsrechnern übernehmen. Die ersten Server, die aus dem "Moonshot" betitelten Entwicklungsprojekt hervorgehen, dürften bis zu 89 Prozent weniger Energie verbrauchen als herkömmliche Systeme, berichtete HP-Manager Bob Moore in einem Unternehmensblog. Außerdem sollen die neuen Server nur ein Zehntel des Platzes der bisher genutzten Systeme einnehmen.

Traditionell werden Server und große Rechenanlagen mit immer leistungsfähigeren Prozessoren von Intel oder AMD betrieben. Dass ein großer Server seine Arbeit mit weniger leistungsfähigen, dafür aber sparsamen Handy-Chips verrichtet, ist ungewöhnlich. "Wie bei früheren Erfindungen gibt es immer Leute, die denken, das ist unmöglich", schrieb Moore. "Aber es gab auch Leute, die dachten, die Welt ist eine Scheibe, der Mensch könne niemals fliegen, und Computer würden niemals klein genug sein, um in einem privaten Haushalt Platz zu finden."

Die energiesparenden Chips wird nach Angaben der "New York Times" der amerikanische Hersteller Calxeda (Austin, Texas) auf Basis der ARM-Architektur produzieren. Die in Masse gefertigten Chips der britischen Chip-Designfirma ARM werden derzeit vor allem in Smartphones und Tablet-PC eingesetzt. Da sie deutlich weniger Energie als leistungsfähigere Intel-Chips benötigen, eignen sie sich vor allem für den Einsatz in mobilen Geräten. Auch im lukrativen Tablet-Markt kam Intel bisher nicht gegen Hersteller energieeffizienter ARM-Chips an.

Strombedarf einer Großstadt

"In jeder Sekunde werden rund 200.000 Texte von mobilen Geräten gesendet, und ein riesiger Berg an Informationen wird von diesen Geräten und allen möglichen anderen Quellen abgerufen", schrieb Moore. Diese intensive Nutzung belaste zunehmend die Rechenzentren, die die Informationen an Milliarden von mobilen Nutzern weiterleiten. Die Rechenzentren populärer Web-Unternehmen verbräuchten deshalb so viel Strom wie eine Großstadt - Tendenz steigend.

Die neuen Server mit den kleinen Chips sollen besonders auf Unternehmen zugeschnitten sein, die etwa Web-Services oder soziale Plattformen anbieten. Erste Server auf Basis der neuen Technik sollen Mitte 2012 auf den Markt kommen. Zunächst sei es ein spezieller Service für rund 50 der weltweit größten Online-Unternehmen, sagte HP-Manager Paul Santeler der "New York Times". Derzeit kämen weltweit jeden Tag 7000 Server hinzu, die den Internetverkehr vor allem für Videonutzung und Soziale Netzwerke aufrechterhalten.

mak/dpa

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